„Gerechtigkeit braucht Mut“

Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz hielt die Laudatio auf Lars Jaceck 8rechts9, der Ende vergangenen Jahres Zeuge eines Tankstellenüberfalls in St. Andreasberg wurde.Weitere Bürger die geehrt wurden waren: Sandra Lux sowie Görkem Savsa und Johanna Printz.

Tapfere Bürger im Rahmen der Goslarer Zivilcouragekampagne geehrt

„Gerechtigkeit braucht Mut“: Mit diesem Slogan wirbt die Niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz seit Kurzem neben 81 weiteren Köpfen für die Goslarer Zivilcouragekampagne (GZK). Am Donnerstagnachmittag in der Aula der Polizeiinspektion Goslar verlieh sie den Worten ihres Slogans Ausdruck, als die Ministerin anlässlich der Ehrung couragierter Bürger den Festvortrag vor rund 100 Zuhörern hielt.

In den Augen der Justizministerin sei das Zeigen von Zivilcourage klarer Ausdruck dafür, dass man sich mit der Gesellschaft in der man lebt identifiziere und sich mit ihren Werten verbunden fühle. „Jeder, der bei Unrecht nicht wegschaut, sorgt ein Stück dafür, dass es Gerechtigkeit gibt“, so die Ministerin. Auch am Beispiel des schrecklichen Unglücks, das sich vor Kurzem in Hannover ereignete, als ein junger Mann Opfer eines Überfalls helfen wollte, und dies mit seinem Leben bezahlte oder dem Fall der Deutschtürkin Tugce Albayrak stellte die Ministerin die Bedeutung von Zivilcourage fest: „Nach den traurigen Ereignissen um den Tod des jungen Mannes, der einer Mitarbeiterin eines Supermarktes zur Hilfe kommen wollte und des Ereignisses um die junge Tugce Albayrak (Anm. d. Red. die junge Lehramtsstudentin Albayrak türkischer Abstammung kam ebenfalls ums Leben als sie Opfern eines Angriffs helfen wollte) ist es wichtig, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung zu Zivilcourage nicht erlahmt. Jeder kann helfen – auch ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.“
Das Zivilcourage auch funktioniert, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen, bewies beispielsweise Lars Jaceck, der Ende vergangenen Jahres Zeuge eines Tankstellenüberfalls in St. Andreasberg wurde, und der von der Justizministerin eine Ehrung überreicht bekam. Durch das umsichtige Verhalten von Lars Jacek konnte der Täter kurz nach der Tat gestellt, das gefesselte Opfer befreit und das erbeutete Geld sichergestellt werden. Ministerin Niewitsch-Lennartz: „Lars Jaceck hat sich genau richtig verhalten. Als er die Tat bemerkte, ist er weitergefahren und hat die Polizei alarmiert. So eine Verhalten ist oftmals effektiver als sich aktiv einzumischen.“
Ferner appellierte die Ministerin an die Bürger des Landes, sich nicht wegzuducken oder gar „unsichtbar“ zu machen, wenn anderen Menschen Leid zugefügt wird. „Das Bürgersein erschöpft sich nicht mit dem Zahlen von Steuern, sondern Bürgersein heißt auch für andere Menschen da zu sein und in bestimmten Situationen richtig zu handeln.“ Und in Richtung all der Bürger, die am Donnerstag geehrt wurden schob die Ministerin sogleich nach: „Alle die heute geehrt werden, haben sich als wahre Bürger gezeigt.“
Mit einer weiteren Definition beziehungsweise Übersetzung des Begriffs Zivilcourage, den sie mit den Worten „Mut, beherzt und einem Stückchen Risiko“ umriss, beendete die Ministerin ihre Ausführungen.
Auch Christiane Berg, Leiterin der Polizeiinspektion, sowie Landrat Thomas Brych, der ebenfalls auf eine lange Laufbahn bei der Goslarer Polizei zurückblicken kann und die Zivilcouragekampagne maßgeblich mit initiierte, freuten sich in der Aula der Polizeiinspektion über den großen Erfolg der Goslarer Kampagne. „Die GZK“, so Landrat Thomas Brych, „hat ihre Wurzeln in Goslar, ist inzwischen aber schon weit über dessen Grenzen bekannt.“ Vor diesem Hintergrund bezeichnete er die Kampagne auch als vollen Erfolg und dankte dem großen Netzwerk, das an der Umsetzung seit Beginn im Jahr 2010 beteiligt ist.
Hauptinitiator der GZK, Günter Koschig, oblag an diesem Nachmittag vor allem die Moderation der Veranstaltung, was er schon fast in der Perfektion eines Showmasters erledigte.
Polizeivizepräsident Roger Fladung zeichnete im Verlauf der Feierstunde Sandra Lux aus Langelsheim aus, die sich vorbildhaft um ein siebenjähriges Kind aus Langelsheim gekümmert hatte, als es orientierungslos herumirrte.
Christiane Berg dankte den Studenten Görkem Savsa und Johanna Printz aus Halle, die sich um einen hilflosen Mann in Vienenburg gekümmert hatten. Darüber hinaus würdigte die Polizeichefin den Helfer Marco Schneid aus Bad Lauterberg, der einen Autofahrer aus dessen brennenden Auto rettete.
Umrahmt wurde die Zivilcourageehrung von Auftritten von Schülern der Grundschule Jürgen­­ohl, die das Publikum mit zum Thema passenden Liedern unterhielt. Die Vorführungen eines Kinospots und eines Zeichentrickfilms, die beide für Zivilcourage werben, rundeten die Veranstaltung ab.
Hintergrund: Teil der Goslarer Zivilcouragekampagne ist eine deutschlandweit beachtete Plakat- und Postkartenkampagne, bei der Prominente ihr Gesicht und einen Slogan für mehr Zivilcourage einbringen. Als 82. Kandidatin unterstützt Niewisch-Lennartz die Kampagne mit dem Slogan „Gerechtigkeit braucht Mut!“. Damit fordert die Ministerin landesweit zur richtigen Zivilcourage auf. Sie unterstreicht, bei Gefahr stets über Notruf 110 die Polizei zu rufen und sich beim Hinsehen, Handeln und Helfen nicht selbst in Gefahr zu bringen.
Die Goslarer Zivilcouragekampagne (www.zivilcourage-goslar.de) setzt sich seit fünf Jahren für die Förderung zivilcouragierten Verhaltens in der Gesellschaft ein und hat hierfür bislang zahlreiche prominente Unterstützer gewinnen können. Der Präventionsrat Goslar existiert bereits seit 1995. Er ist aktives Mitglied im Landespräventionsrat Niedersachsen.