Goslarer heißen Flüchtlinge willkommen

Rund 120 Bürger nahmen an der Versammlung im Sudmerberger Gemeindehaus teil, um sich aus erster Hand über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen informieren zu lassen. (Foto: Landkreis Goslar)
 
Landrat Thomas Brych erklärte, dass er beim Umgang mit der Flüchtlingssituation für größtmögliche Transparenz sorgen will. (Foto: Landkreis Goslar)

Landkreis informiert über Unterbringung von bis zu 50 Asylbewerbern im ehemaligen Hotel „Haus Lydia“ in Sudmerberg

Eine positive Grundstimmung herrschte bei der jüngsten Bürgerversammlung im Sudmerberger Gemeindehaus. Der Landkreis Goslar hatte eingeladen um die Bewohner des Goslarer Stadtteils über die geplante Unterbringung von bis zu 50 Flüchtlingen im ehemaligen Hotel „Haus Lydia“ zu informieren.

Das Interesse an der Veranstaltung war enorm. Rund 120 Bürger nutzten das Angebot, sich von Landrat Thomas Brych, Erster Kreisrätin Regine Körner, Petra Krischker (Leiterin der Polizeiinspektion Goslar), Tim Meißner (Stadt Goslar) sowie Heiko Rataj von der „Zu Gast bei Freunden“ GmbH (ZGbF – Betreiber des Goslarer Integrationszentrums) aus erster Hand über die Pläne im „Haus Lydia“ und das Konzept des Integrationszentrums unterrichten zu lassen und Fragen zu stellen.
Landrat Thomas Brych freute sich über die große Resonanz und versicherte, dass es ihm persönlich ein wichtiges Anliegen ist, „alle Bürger bei der Integration der Flüchtlinge mitzunehmen“. „Wir wollen für größtmögliche Transparenz sorgen und stehen für Ihre Fragen, auch kritische, selbstverständlich zur Verfügung“, so Landrat Brych.
Erste Kreisrätin Regine Körner erläuterte den Bürgern im Anschluss das Konzept des Integrationszentrums und die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Haus Lydia. „Mit der Belegung des ehemaligen Hotels werden wir voraussichtlich diese Woche beginnen, und es werden dort ausschließlich allein reisende Frauen und Frauen mit Kindern untergebracht“, erklärte sie.
Angelaufen ist bereits die Durchführung von Deutschkursen in dem ehemaligen Hotelbetrieb. Dort werden Männer und Frauen in gemischten Gruppen unterrichtet. Dies soll auch künftig fortgesetzt werden. Wohnen werden die Männer jedoch im Integrationszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Harzlodge.
Mit Blick auf das Konzept des Integrationszentrums sagte Regine Körner: „Die Zeit zwischen der Ankunft der Flüchtlinge und der dezentralen Unterbringung in Wohnungen wollen wir aktiv nutzen, um die Menschen auf ihr Leben in Deutschland und speziell im Landkreis Goslar vorzubereiten. Dieses Ziel können wir mit dem Konzept unseres Integrationszentrums erreichen.“
Neben einem 100 Stunden umfassenden Deutschkurs werden die Flüchtlinge in einem Integrationskurs über das Leben in Deutschland unterrichtet. Dieser liefert Informationen über Kultur und Moralvorstellungen, beinhaltet aber auch Unterrichtsanteile, die sich mit dem deutschen Rechtssystem und der Gleichstellung von Frau und Mann befassen. Der Integrationskurs ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Der Landkreis Goslar setzt bei der Integration von Flüchtlingen auf ein vielschichtiges Konzept, das neben den angesprochenen Kursangeboten auch den Aufbau wichtiger Netzwerke, wie einer Praktikums- und Ehrenamtsbörse, umfasst.
Auf die Frage eines Bürgers, „wie es weitergeht, wenn die Menschen das Integrationszentrum verlassen“, räumte Körner ein, dass am nahtlosen Übergang zur Betreuung der Flüchtlinge nach Verlassen des Integrationszentrums und der anschließenden dezentralen Unterbringung in Wohnungen noch gearbeitet werden müsse. In diesem Prozess seien jedoch auch die Bürger gefragt, mit Nachbarschaftshilfe einen wichtigen Beitrag zur gelungenen Integration zu leisten.
Nachbarschaftshilfe und eine ausgeprägte Willkommenshaltung war, neben wenigen kritischen Stimmen, letztlich der Grundtenor der Bürgerversammlung. Die Beiträge einiger Bewohner, die an ihre Nachbarn appellierten, die Unterbringung der Flüchtlinge auch als Chance für den Stadtteil und die Region zu begreifen, wurden von Applaus begleitet und überwogen am Ende des Abends.
Den Ängsten einiger Bürger vor steigender Kriminalität konnte Petra Krischker, Leiterin der Polizeiinspektion Goslar, entgegenwirken. Die Polizeichefin sagte, dass es in erster Linie friedliche Menschen seien, die unsere Hilfe suchen und keine Kriminellen. Ferner verwies Krischker auf die aktuelle polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die keinen Hinweis auf vermehrte Straftaten liefert, die im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen steht. In diesem Zusammenhang verurteilte Krischker das Gebaren in sozialen Netzwerken, wo Hetze und Fremdenfeindlichkeit alltäglich sind, scharf.
Auf die Frage eines Bürgers, der sich über den Grund eines neu aufgestellten Zaunes wundert, antwortete Heiko Rataj, dass dies auf einen Vorschlag der Polizei zurückgeht. Die Beamten hatten zur Aufstellung des etwa 80 Zentimeter hohen Zauns aus Gründen der Verkehrssicherheit geraten. Die geplante Außenspielfläche mit Hüpfburg ist aber nicht den Flüchtlingskindern vorbehalten. „Selbstverständlich sind dort alle Kinder willkommen“, so Rataj.