Großes Hollywoodkino im Bad Harzburger Kursaal

Aufführung des Schauspiels „Rain Man“ nach dem gleichnamigen Kinohit überzeugt Publikum

Einen besonderen Auftakt zum neuen Jahr im Bündheimer Schloss in Bad Harzburg lieferte Don Gordons Schauspiel „Rain Man“. Basis ist der gleichnamige Oscar-prämierte Film mit Dustin Hoffman und Tom Cruise.
Es ist die Geschichte zweier Brüder, die lange nichts voneinander wussten und eine Geschichte vom Anderssein. Da ist die Welt des Charlie Babbit, toll gespielt von Rufus Beck, der einen Autohandel betreibt und dem das Wasser bis zum Hals steht. Zwei verschrammte Schreibtische, an denen zwei Frauen hektisch telefonieren. Eine davon ist Charlies Freundin Susann (Jo Kern). Ein Anruf verändert das Leben der beiden.
Charlies Vater ist gestorben. Dessen Anwalt Mr. Mooney (Reinhold Weiser) verliest mit öliger Stimme das Testament. Danach vermachte der Vater sämtliche Immobilien und ein Vermögen von sieben Millionen Dollar einer Stiftung. Welcher Stiftung, das wird erst allmählich deutlich. Immerhin bleibt Charlie der vom Vater geliebte Buick, den er nie fahren durfte und weswegen die Beziehung abrupt endete.
Er findet heraus, dass ein Dr. Bruener (Volker Jeck) eine Klinik betreibt, in der er seinen autistischen Bruder Raymond, gespielt von Karl Walter Sprungala, findet.
Um doch noch an das Geld zu kommen, entführt er ihn. Von da an gewinnt das Stück an Dynamik.
Ray und Charlie finden zunächst nicht zueinander. Rays Autismus bringt die beiden immer wieder in komische Situationen und das Publikum zum Schmunzeln. Etwa die Szene, in der Ray unbewusst das Liebesleben von Charlie und Susann stört. Auch Rays wohlgeordnete Welt wird auf den Kopf gestellt, und er schützt sich, indem er Daten von Vaters altem Auto oder längst vergangener Comedyshows in monotonem Tonfall memoriert.
Stellt man ihm Fragen, antwortet er mit „Ja“ oder „Weiß nich...“. Susann versucht zu vermitteln. Erst allmählich entdeckt Charlie Rays phänomenales Gedächtnis. Er kennt sämtliche kürzlich verunglückten Flüge und hat Angst vorm Fliegen. Das führt zu heftigem Wortwechsel. Am Flughafen kann Charlie nur mit Mühe den Polizisten, ebenfalls gespielt von Reinhold Weiser, davon überzeugen, dass sie beide keine Terroristen sind. Erst in einem schäbigen Motel kommen sich beide näher. Tief erschüttert erfährt Charlie, dass Ray tatsächlich sein Bruder ist, der Vater ihn sofort nach dem Tod seiner Mutter in eine Anstalt gegeben hat.
Es gibt Momente der Entspannung, als die beiden einen Beatles-Song singen oder Ray voller Vertrauen seinen Kopf an Charlies Schulter legt und dessen Namen murmelt. Rührend mutet Rays Umarmung Susanns an, die plötzlich wieder auftaucht. Leider holt alle viel zu schnell die Wirklichkeit in Gestalt des Dr. Bruener ein, der mit einer einstweiligen Verfügung Ray wieder in seine Anstalt holt. Eine Anhörung entscheidet, ob Ray bei seinem Bruder bleiben darf, doch sein Autismus macht ihn unfähig, für sich zu entscheiden. Ein letztes Umarmen der beiden, einen Augenblick der Stille beim Publikum.
Dann brach Beifall los. Karl Walter Sprungala stahl Rufus Beck die Schau, so perfekt spielte er seine Rolle als Autist. Er erhielt sogar stehende Ovationen. Durch Gordons Gespür für außergewöhnliche Persönlichkeiten und besondere fachliche Beratung ist ein sensibles und eindringliches Stück entstanden, das den einzelnen Charakteren trotz aller Wirrnisse ihre Würde ließ.