Im richtigen Moment zur Stelle

Verantwortliche der Goslarer Zivilcouragekampagne und der Polizei zusammen mit den geehrten Bürgern und den Schülern der Grundschule Jür­genohl.

Fünf Bürger werden für ihre Zivilcourage geehrt / Beeindruckend selbstloses Verhalten

Über Zivilcourage zu reden ist wichtig. Viel wichtiger ist es jedoch in Situationen in denen Zivilcourage tatsächlich gefordert ist, auch danach zu handeln. Dies haben in diesem Jahr fünf Menschen aus dem Landkreis Goslar auf beeindruckende Weise getan.

Deshalb wurden sie am Dienstag in den Räumen der Polizeiinspektion für ihren Einsatz geehrt.
Die Veranstaltung, die vom Kopf der Goslarer Zivilcouragekampagne (GZK), Günter Koschig, moderiert, und von einem Kinderchor der Grundschule Jürgenohl musikalisch begleitet wurde, war recht prominent besucht. Unter den Gästen weilte Roger Fladung, Polizeivizepräsident aus Braunschweig, der den engagierten Bürgern großen Respekt zollte und die GZK in den höchsten Tönen lobte. „Die Goslarer Kampagne zeichnet sich vor allem durch ihre hohe Kontinuität und Nachhaltigkeit aus. Es geht dabei vor allem um die Vermittlung wichtiger gesellschaftlicher Werte, die von alle Beteiligten hier vor Ort hervorragend umgesetzt werden“, so Polizeivizepräsident Fladung.
Der Grundschule Jürgenohl, deren Kinderchor an diesem Nachmittag wirklich vorzüglich musizierte, wurde auch eine Ehrung zuteil. Die Stadtteil-Grundschule gehört nämlich zu den Vorreitern in Sachen Präventionsarbeit. So setzte die Jürgenohler Lehranstalt als erste Grundschule im ganzen Kreis ein Streitschlichterprogramm um, das üblicherweise erst an weiterführenden Schulen implementiert wird. Lothar Niemann, Beauftragter für Jugendsachen bei der Polizei, lobte in einer kurzen Ansprache die Vorreiterrolle der Jürgenohler Grundschule und beendete sein Statement mit der charmanten Aussage, dass sich „die Kinder inzwischen schon ein wenig langweilen würden, da es gar keinen Streit mehr gibt“.
Im Anschluss daran galt es die couragierten Bürger für ihren selbstlosen Einsatz zu ehren. Den Anfang machten Günter Koschig und die Goslarer Polizeichefin, Polizeidirektorin Christiana Berg, bei dem 54-jährigen Hartmut Ottmers aus Salzgitter-Ringelheim und dem achtjährigen Steven Zyckler, die bei einem schweren Autounfall bei Alt Wallmoden im März diesen Jahres, eine 18-jährige Frau aus dem brennenden Autowrack befreiten. Der junge Steven hatte den Notruf alarmiert während Hartmut Ottmers das hilflose Unfallopfer rettete.
Zivilcourage zeigten auch Alina Gnad und Ricardas Urbonas im vergangenen Juni. Zu später Stunde, kurz vor Mitternacht, hielten sich die beiden in der Wohnung der 18-jährigen Alina Gnad auf, als sie laute Hilferufe vernahmen. Ohne lange zu überlegen rannten sie nur in Shorts und mit Hausschuhen bekleidet auf die Straße um dem Opfer, einer jungen Frau, beizustehen. Selbst als die alarmierte Polizei bereits eingetroffen war, wich die 18-Jährige dem Opfer nicht von der Seite leistete einfühlsamen Beistand.
Paul Starnowski, dieser Name war im Juni in aller Munde. Der 1-Euro-Jobber aus Langelsheim fand nämlich in der Breiten Straße in Goslar eine Geldbörse auf dem Bürgersteig. Darin befanden sich neben persönlichen Dokumenten wie Ausweis und Krankenversichertenkarte ein Bargeldbetrag von 1130 Euro. Starnowski, der aufgrund seiner beruflichen Situation jeden Cent gebrauchen könnte, steuerte mit der Geldbörse schnurstracks die Polizeistation in seinem Heimatort an und übergab sie dort den zuständigen Beamten. Polizeioberkommissar Otto Brodthage, der der Ehrung ebenfalls beiwohnte, bezeichnete das Verhalten von Starnowski als „anerkennenswert, da wahrscheinlich nicht jeder so selbstlos gehandelt hätte.“
Erst in der vergangenen Woche macht die Langelsheimerin Jessica Simon von sich reden. Die 24-Jährige rettete einer 90-jährigen Nachbarin das Leben. Ein Erlebnis, dass bei der jungen Frau auch am Dienstag Tränen hervorrief. Jessica Simon hatte für die Rentnerin immer donnerstags Einkäufe erledigt. Als sie am Donnerstag vergangener Woche kein Zeichen der 90-Jährigen bekam, alarmierte sie die Polizei. Im Schlafzimmer wurde die alte Dame dann hilflos auf dem Boden gefunden. Sie war gestürzt und konnte sich ob ihrer körperlichen Verfassung nicht bemerkbar machen. Die Polizei geht davon aus, dass die 90-Jährige mehrere Tage in dieser Position verbracht hatte. Wäre Jessica Simon nicht zur Stelle gewesen, wäre die Frau gestorben.
Inzwischen liegt die Dame im Krankenhaus und wird dort versorgt. Ob sie wieder in ihre Wohnung zurückkehren wird ist unwahrscheinlich.
Koschig und Christiana Berg lobten alle fünf couragierten Bürger für ihren selbstlosen Einsatz. Als Dankeschön gab es einen Kinogutschein vom Kampagnen-Partner Cineplex Goslar, eine Urkunde und einen Schlüsselanhänger.