In schweren Krisen zur Stelle

Gut ausgebildet sind die elf Krisenhelfer nun im Notfall zur Stelle. (Foto: Landkreis Goslar)

Ehrenamtliches Kriseninterventionsteam nimmt Arbeit im Landkreis Goslar auf

Erstmals im Landkreis Goslar und vermutlich auch regionsweit nimmt ein ehrenamtliches Kriseninterventionsteam (KITeam) seine Arbeit auf. Elf Frauen und Männer haben nebenberuflich eine siebenmonatige Ausbildung durchlaufen. Sie stehen künftig als Ansprechpartner für Hinterbliebene von Verstorbenen, für Schulen und Kindergärten, aber auch für Rettungskräfte nach belastenden Einsätzen zur Verfügung.

In einer Feierstunde überreichte Landrat Thomas Brych die Zertifikate für die erfolgreich absolvierte Ausbildung und würdigte dieses besondere und außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement: „Ich bin sehr stolz, dass wir mit dem Kriseninterventionsteam ein Zeichen setzen können. Der Einsatz der KITeam-Mitglieder für diesen besonders sensiblen und schwierigen Bereich ist vorbildlich und kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“
Das Aufgabenspektrum des Kriseninterventionsteams ist breit gefächert und hoch emotional. Neben dem Überbringen von Todesnachrichten und dem Betreuen von Hinterbliebenen stehen die Helfer auch für die Betreuung von Einsatzkräften oder die akute Ansprache von Suizidgefährdeten zur Verfügung. Weitere Einsatzbereiche sind die Begleitung von Eltern bei Plötzlichem Kindstod oder von Schulen und Kindergärten beim Tod von Kindern, Lehrer/-innen oder Erzieher/-innen. Die Krisenhelfer werden ferner beim Massenanfall von Verletzten alarmiert und für die Betreuung nach Bränden oder größeren Unfällen mit Bus und Bahn herangezogen.
Nach einem Auswahlverfahren wurden die KITeam-Mitglieder seit August 2013 nebenberuflich ausgebildet. Die Ausbilder haben lange Erfahrung in diesem Metier. Petra Horaiske ist hauptberuflich Gemeindereferentin in Peine und war einige Jahre ehrenamtlich für die Berufsfeuerwehr Braunschweig als Notfallseelsorgerin tätig. Christian Lenz ist Rettungsassistent bei den Kreiswirtschaftsbetrieben Goslar und Ausbilder und Dozent an der Goslarer Rettungsschule. Auch er ist seit Jahren als Notfallseelsorger ausgebildet. Er war jahrelang der einzige ehrenamtliche Notfallseelsorger im Kreisgebiet und hatte die Idee, ein Kriseninterventionsteam im Landkreis Goslar zu etablieren: „Nach langer Rettungsdiensttätigkeit hatte ich häufig das Gefühl, dass Einsätze trotz bester Versorgung unzulänglich blieben. Auslöser waren die Hinterbliebenen, deren Schmerz, Not und Verlust groß waren, wenn die Patienten verstorben waren. Um für den nächsten Patienten schnell wieder einsatzbereit zu werden, mussten die Rettungsdienstmitarbeiter den Hinterbliebenen häufig allein zurücklassen. Aber das schlechte Gewissen und die Sorge um den Zurückgelassenen blieben. Hieraus entstand die Idee, dass für die Hinterbliebenen ebenso etwas getan werden muss wie für die Betreuung der Einsatzkräfte.“
Er stieß auf offene Ohren. Landkreis Goslar und Kreiswirtschaftsbetriebe Goslar entschlossen sich, die Ausbildung zu fördern und zu unterstützen. Die Kosten von rund 7000 Euro teilen sich beide Träger. Petra Horaiske hält dies für eine gute Investition: „Die Kombination, die wir hier vorfinden, ist etwas ganz Besonderes. Etwas Vergleichbares in dieser Größenordnung ist mir in der Region nicht bekannt. Üblicherweise wird die psychosoziale Notfallversorgung von Pfarrern wahrgenommen, die von ihren Kirchen dazu bestellt werden. Meist müssen wenige Pfarrer eine große Fläche abdecken. Mit dem neuen Team ist der Landkreis Goslar wesentlich besser aufgestellt und bei Bedarf viel schneller zur Stelle.“ Das KITeam nimmt ab sofort seine Arbeit auf. Die Krisenhelfer sind wechselnd in einen Bereitschaftsdienstplan eingebunden, alarmiert werden sie bei Bedarf über die Rettungsleitstelle. Der Einsatz ist für die Betroffenen kostenfrei. Landkreis Goslar und Kreiswirtschaftsbetriebe Goslar wollen beobachten, wie das neue Angebot angenommen wird und bei Bedarf eine weitere Ausbildungsrunde initiieren.