In Wilhelm-Busch-Manier eine Kochshow gedichtet

Zum Abend mit Philipp Scharri im Bündheimer Schloss

„Der Klügere gibt Nachhilfe.“ Das war am 20. Mai beim Bad Harzburger Kulturclub im Bündheimer Schloss Programm. Scharri hatte von Anfang an die Lacher auf seiner Seite. „Lasst uns zusammen einen schönen Abend haben“, rief er gutgelaunt ins Publikum. Redete vom Untergang der deutschen Sprache. Was ist der Genitiv? Der Wessen-Fall. Wessen-Fall? Ein Gedicht macht aus einem Dichterstreit einen richtigen Streit. Statt zu kämpfen, wird gelabert. Man schmeißt mit Stichworten um sich. Der eine trifft den anderen mit Pointen. Man sieht die Dichter, ohne zu siegen, im eigenen Blute liegen. Daraus folgt, dass Reden nicht immer die friedlichste Lösung ist. Scharri jonglierte rasant mit Wörtern und Sätzen. Er nahm politische Korrektheit aufs Korn. Was sind Behinderte? Personen mit Mobilitätseinschränkung. Dunkelhäutige waren einst Mohren, dann Neger. Heute heißen sie Maximalpigmentierte. Abwechselnd sang Scharri freche Songs, etwa den über das Artensterben diverser Diktatoren in Nordafrika. Ganz in Wilhelm-Busch-Manier dichtete er eine Kochshow mit den Größen der deutschen Philosophie über Kant, Hegel, Descartes bis zu Wittgenstein. „… verharrt der Hausherr asketisch am Teetisch …“ Philosphen sind Menschen, die bei geistiger Arbeit sich schinden und meist die Wahrheit nicht finden. Scharri dichtete sich durch die Phasen der Liebe. Drei Aggregatzustände gibt es bei Männern: Monogam, Polygam und Bräutigam. Es fängt meist an mit Gefühl – Küssen – Bett und mündet in mehr oder weniger langer Zeit. Diese Phasen konnten die Zuschauer an einer Tafel ablesen. Dazu intonierte Scharri den Ohrwurm: „Was wird das mit uns beiden, lieber Heinrich?“ Am genialsten war die Ein-Mann-Show-Kino. Da gibt es einen Vorfilm, auch Trailer genannt. Hier war es ein Poetrailer. Skurrile Gedichte wie das von den Tieren oder dem Labyrinth der Marken. Dazu gestikulierte und hüpfte Scharri wie Rumpelstilzchen über die Bühne. Das Publikum freute sich und applaudierte begeistert. Als Zugabe gab's die Geschichte „vom Briefträger von Lego Fabuland oder wie man irgendwann auf der Waldorfschule landet“. Wieder sowas Korrektes. Lego Fabuland war bunt, aus Plastik und ungesund. Selbergemacht musste das Spielzeug sein. Eines Tages hatte Scharri einen, aber der Kopf war eine Nuss, der lange Lars aus dem Kindergarten nahm ihn in den Mund und erstickte daran. Das einzige, was Scharri je selbstgemacht hat, war ein elektrischer Stuhl für seinen Hamster. So blitzte sogar noch schwarzer Humor als Einlage hervor. Mit einem Gedicht über die aktuellen Ereignisse in der Fußball-Bundesliga verabschiedete sich Philipp Scharri unter viel Beifall. Seine Auszeichnung als deutschsprachiger Poetry-Slam-Champion 2009 dürfte er damit verteidigt haben. Dagmar Hoffmann