Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Landrat Thomas Brych sagte zum Auftakt der ersten Flüchtlings- und Integrationskonferenz, dass alle in der Pflicht seien, die Grenzen des Machbaren auch wirklich auszuschöpfen.
 
Michael Conzen moderierte den Workshop Arbeit.
 
Derya Can führte als Moderatorin durch die Konferenz.

300 Teilnehmer arbeiten an Konzepten und Lösungen für eine schnelle Integration von Flüchtlingen / Sprache ist zentral

Höchst erfreut zeigte sich Goslars Landrat Thomas Brych über die Resonanz auf die erste Flüchtlings- und Integrationskonferenz, die am Freitag in den Berufsbildenden Schulen in Bad Harzburg veranstaltet wurde. Bis in den Abend hinein arbeiteten dort rund 300 Teilnehmer an Konzepten und Ideen für eine erfolgreiche Integrationsarbeit im Landkreis Goslar.
Am Ende sagte der Landrat: „Ich bin wirklich, wirklich richtig begeistert, dass so viele Bürger an der Veranstaltung teilgenommen und so konzentriert mitgemacht haben. Mit einem solchen Zuspruch hatten wir nicht gerechnet.“
In seiner Begrüßungsrede, die als Impulsreferat ausgelegt war, sagte Brych, dass es angesichts der Vielzahl an Flüchtlingen, die wöchentlich den Landkreis erreichen, „höchste Zeit wird, dass wir unsere vorhandenen Konzepte weiter ausbauen und dazu sind der Gedankenaustausch und die weitere Vernetzung notwendig.“
Vernetzung war dabei das entscheidende Stichwort und zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Denn die Integration der Asylsuchenden kann nur gelingen, darüber herrschte breiter Konsens, wenn Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft gemeinsam an einem Strang ziehen und tragfähige Konzepte und Lösungen entwickeln, an deren Ende sich die Arbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften ergänzt.
Dem Landrat ist dabei besonders daran gelegen, dass „alles getan wird, was getan werden kann“, denn die Integration der Flüchtlinge sei eine riesige Herausforderung, die einen erheblichen Druck auf die Gesellschaft ausübe und eine Belastungsprobe darstelle. Mit Blick auf die Tatsache, dass zahlreiche Kommunen und auch viele freiwillige Helfer schon jetzt an ihre Belastungsgrenzen stoßen, erklärte Brych: „Wir sind aber alle in der Pflicht, die Grenzen des Machbaren auch wirklich auszuschöpfen.“
Dass der Landrat mit dieser Ansicht nicht alleine dasteht, zeigte sich im Verlauf des Nachmittags bei der Arbeit in den verschiedenen Themenworkshops. Landkreissprecher Dirk Lienkamp berichtete von einer „hochkonzentrierten Arbeitsatmosphäre“ und Landrat Brych lobte das Engagement der zahlreichen Fachleute. Neben Ärzten und Lehrern waren auch viele Teilnehmer sozialer Fachrichtungen vor Ort, um ihre Ideen einzubringen. Darüber hinaus trugen auch Akteure der Bundesagentur für Arbeit ihre Ideen und Vorstellungen bei, denn die Vermittlung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist ein entscheidender Faktor.
Wie der „Beobachter“ bereits in seiner gestrigen Ausgabe berichtete, lag der Schwerpunkt der Konferenz auf der Arbeit zehn verschiedener Themenworkshops. Arbeitsgruppen übergreifend waren sich die Teilnehmer am Ende einig, dass „Sprache der Schlüssel zur Integration sei“. Daneben müssten jedoch noch zahlreiche weitere Anstrengungen unternommen werden, damit sich die Flüchtlinge schnell heimisch fühlen und ihre Eingliederung in die Gesellschaft gelingt.
Wie Landrat Thomas Brych am Rande der Konferenz ausführte seien im Landkreis beispielsweise zahlreiche Bürger bereit, ehrenamtlich Sprachunterricht anzubieten. Um einen einheitlichen Standart herzustellen, hat der Landkreis, so erläuterte es Fachdienstleiter Frank-Michael Kruckow, spezielle Sprachkoffer im Gesamtwert von bisher 10.000 Euro angeschafft.
Der Workshop Arbeit, der von Michael Conzen (Jobcenter Goslar) moderiert wurde, regte eine „berufsbezogene Sprachförderung“ sowie die „Sicherung und Ergebung vorhandener Daten an“, damit die Arbeitsmarktexperten einen Überblick darüber gewinnen, welche Qualifikationen die Asylsuchenden bereits mitbringen. Dies würde die Suche nach geeigneten Stellen deutlich vereinfachen.
Der Workshop mit dem Thema Integration sprach sich unter anderem dafür aus, dass jedes Dorf einen dezentralen Migrationsbeauftragten benötigt, der vor Ort als Ansprechpartner tätig ist. Darüber hinaus müssten Konkurrenzsituationen vermieden werden, denn die Zuwanderung von Flüchtlingen führe auch zu einem Gefühl der Überforderung und die Menschen, die persönliche Konsequenzen aus dem Zustrom von Flüchtlingen fürchten, dürften nicht abgehängt werden.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Gesundheit. In diesem Zusammenhang wurde der Aufbau eines Informationsmanagements für Migranten und eine verbesserte Vernetzung der medizinischen Versorger gefordert. Auch hier stand die Sprache im Fokus, denn Sprachbarrieren bei der Behandlung stellen ein großes Problem dar.
In diesen Bereich fällt auch die Stärkung der Situation der Dolmetscher. Dies war unter anderem eine zentrale Forderung von Susanne Ohse, die den Workshop Begleitung und Betreuung von Flüchtlingen moderierte. Sie sagte, dass die Dolmetscher feste Sprechzeiten bekommen sollten und ein Büro, das für alle zugänglich ist. Zudem sollte über eine Festanstellung von ihnen nachgedacht werden.
Die Themen Mobilität von Flüchtlingen und die Bereitstellungen von geeignetem Wohnraum waren ebenfalls zentral. Bei der Mobilität wurde unter anderem die kostenlose Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs angeregt. Und im Bereich Wohnen sollte die Ermittlung der Leerstandsquote vorangetrieben werden. Zudem könnten ein geeignetes Quartiersmanagement und Nachbarschaftstreffen zu einer schnelleren Integration beitragen.
Natürlich muss auch die Vernetzung, dafür sprach sich der gleichnamige Workshop aus, von Haupt- und Ehrenamt verfolgt werden. Auch hier soll ein Netzwerk eingerichtet werden und die Ehrenamtlichen sollen nach Möglichkeit in den Genuss von Unterstützungs- und Weiterbildungsangeboten kommen.
Moderiert wurde die Konferenz übrigens von Derya Can, Senior-Beraterin des Instituts für interkulturelle Management- und Politikberatung aus Düsseldorf, das den Landkreis seit rund einem halben Jahr berät.
Die Ergebnisse der Konferenz sollen nun ausgewertet und auf ihre Durchführbarkeit überprüft werden. Zudem sicherte Landrat Thomas Brych zu, dass eine weitere Veranstaltung dieser Art schnellstmöglich folgen soll, warb aber auch gleichzeitig um Verständnis, dass es in diesem Jahr nichts mehr damit wird, denn die Vorlaufzeit falle schlicht zu gering aus.