Junge Hausärzte dringend gesucht

Der Anteil der weiblichen Mediziner wächst stetig. Vor allem für diese Gruppe muss die Attraktivität für eine Niederlassung als Hausarzt in den nächsten Jahren deutlich gesteigert werden.

Weiterbildungsverbund Goslar soll Nachwuchsmediziner in die Region locken

Schon heute zeichnet sich ab, dass im Jahr 2020 ein akuter Mangel an Hausärzten im Kreis Goslar drohen wird. Von aktuell 87 niedergelassenen Hausärzten werden in sieben Jahren 65 in Rente gehen. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Denn junge Ärzte verschlägt es kaum noch in die ländlichen Regionen der Republik. Großstädte wie Köln, Berlin oder Hamburg üben eine deutlich höhere Anziehungskraft auf die Mediziner aus.
Das Nachwuchsproblem betrifft aber nicht nur die Arztpraxen. Auch die Krankenhäuser auf dem Land haben es schwer, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Um dieser Entwicklung entgegen zu steuern hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) zusammen mit Ärzten aus Goslar und den Asklepios Harzkliniken den sogenannten „Goslarer Weiterbildungsverbund“ gegründet. Davon versprechen sich die drei Partner, junge Ärzte in die Region zu locken, und sie im Idealfall nach erfolgreicher Ausbildung in der Region zu halten. In den Harzkliniken Goslar wurde das Konzept nun vorgestellt.
Dr. Achim Rogge, Geschäftsführer der Asklepios Harzklinik Goslar, sagte eingangs: „Es ist eine wichtige Aufgabe für uns, die Niederlassung für junge Mediziner wieder attraktiver zu gestalten. Dieser Herausforderung wollen wir mit dem Weiterbildungsverbund begegnen.“
Unterstützung bei der Vorstellung der Pläne erhielt Rogge von Thilo von Engelhardt, zuständiger Koordinator der Verbundweiterbildung für die KV Niedersachsen, Alexandra Bethel, tätig im Unternehmensbereich der KV-Bezirksstelle Braunschweig, und dem niedergelassenen Allgemeinarzt Jens Suckstorff, der zusätzlich als Sprecher der KVN-Kreisstelle Goslar und als Vorsitzender des Ärztevereins Goslar auftrat.
„Die Ausbildung von Ärzten zum Facharzt für Allgemeinmedizin gestaltet sich äußerst komplex. Die Facharztanwärter müssen im Zuge ihrer Ausbildung verschiedene Stationen absolvieren. Neben einem Klinikteil gehört die Arbeit bei einem niedergelassenen Arzt dazu. Bisher mussten sich junge Ärzte immer selbst darum bemühen, in Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten Plätze zu bekommen. Dies soll sich mit dem Weiterbildungsverbund ändern“, sagt Thilo von Engelhardt; „Die Ausbildung zum Allgemeinarzt würde im hier vorliegenden Fall in der inneren Abteilung der Harzklinik Goslar beginnen. Im Anschluss folgt dann ein Abschnitt bei niedergelassenen Ärzten in der Region.“
Der Vorteil für Ausbilder und Auszubildende liegt dabei vor allem in der exakten Definition des Weiterbildungsplanes. Die Nachwuchsmediziner müssen keine Zeit damit verschwenden, sich um ihre nächste Station zu kümmern, sondern sie bekommen alles „mundgerecht“ serviert.
Für das Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte liegt ein weiterer Vorteil darin, dass die Ausbildung von Krankenkassen und der KV bezuschusst wird. Gerade für Kassenärzte ist dies eine deutlich Verbesserung im Vergleich zur gängigen Praxis. Ein Assistenzarzt bringt, um es ein wenig spitz zu formulieren, kein Geld ein, verursacht aber Kosten. Im Zuge des Weiterbildungsverbundes werden die Anstrengungen des niedergelassenen Arztes nun mit 3.500 Euro monatlich gefördert. Das entlastet den ausbildenden Arzt und sichert dem angehenden Arzt einen adäquaten Verdienst.
Jens Suckstorff: „Gemeinsam mit den Asklepios Harzkliniken hat die KVN ein maßgeschneidertes Konzept erstellt. Der zügige und immer zeitnahe Verlauf der Ausbildung steigert die Attraktivität der Weiterbildung gerade im Bereich der Allgemeinmedizin.“
Ein weiteres Problem, dem sich niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser auf dem Land bei der Suche nach Nachwuchs stellen müssen, ist die sogenannte „Feminisierung“ des Arztberufs, wie es Harzklinik-Chef Dr. Achim Rogge ausdrückt: „75 Prozent der Medizin-Absolventen sind heute Frauen. Wir bekommen es in den nächsten Jahren also mit einer ganz anderen Erwerbs-Vita zu tun und müssen unsere Arbeitszeitkonzepte diesen Veränderungen anpassen.“
Junge Ärztinnen gründen, darauf läuft zumindest der aktuelle Trend hinaus, selten eine eigene Praxis. Die Kinder- und Familienplanung führt dazu, dass die jungen Ärztinnen deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle bevorzugen. „Krankenhäuser und auch Arztpraxen müssen da umdenken“, so Dr. Rogge.
Die Asklepios Harzkliniken haben zunächst einmal zwei Weiterbildungsstellen im Rahmen des Verbundes zugesichert. Dr. Achim Neveling, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Harzkliniken, beschreibt noch einen weiteren Vorteil der geplanten Zusammenarbeit: „Eine strukturierte Weiterbildung zwischen Krankenhaus und Praxen sorgt für eine gute örtliche Vernetzung künftiger Hausärzte, schon während der Weiterbildung. Hiervon profitieren Krankenhaus und Arztpraxen gleichermaßen.“
Neben der umfassenden Weiterbildung bekommen die jungen Mediziner aber auch im Bereich der sogenannten „weichen“ Standortfaktoren jede Unterstützung die sie benötigen. „Wir sind natürlich gerne bei der Wohnungssuche oder Ähnlichem behilflich. Den zukünftigen Allgemeinmedizinern soll es hier an nichts mangeln. Wir wollen ja auch Werbung für die Region machen.“
Am Ende aller Vorteile, die sich zweifellos für Krankenhaus und niedergelassene Ärzte aus diesem neuen Verbund ergeben, soll aber auch nicht vernachlässigt werden, dass diese Anstrengungen vor allem den Patienten nutzen sollen. Mit dieser neuen Art der Weiterbildung legen die Verbundpartner nämlich den Grundstein dafür, dass die Patienten auch noch morgen und übermorgen eine ausreichende Zahl von Hausärzten vor Ort haben.
Weitere Informationen zu dem Ausbildungsverbund erteilt Dr. Achim Rogge unter (05321) 441551.