Kaiserring geht 2014 an Wiebke Siem

Preisträgerin gestern beim Neujahrsempfang der Stadt Goslar bekannt gegeben

Wiebke Siem erhält den Goslarer Kaiserring des Jahres 2014, einen der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart. Das gab Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk heute beim traditionellen Neujahrsempfang in der Goslarer Kaiserpfalz bekannt. Die in Berlin lebende 59jährige Bildhauerin und Objektkünstlerin wird den Kaiserring am 11. Oktober 2014 in Goslar entgegen nehmen.

In ihrer Begründung beschreibt die Kaiserring-Jury Wiebke Siem als eine gleichermaßen sehr menschliche und sehr intellektuelle Künstlerin. “Oft gehen wir von der Annahme aus, dies sei ein Gegensatz, besonders bei einem Künstler. Siems Skulpturen haben eine enorme Aura oder Präsenz. Trotz ihres uns zum Teil vertrauten Charakters, machen sie sehr klar, dass sie Kunst sind. Objekte, über die wir nur staunen können. Ihre Kraft liegt darin, dass sie unterschiedliche Sprachen mischen: das Vertraute und das Unvertraute, das Bekannte und das Unbekannte. Sie sind zutiefst unheimlich. Siem ist in ihrer Kunst nie Kompromisse eingegangen, weder in der Ausführung noch den Zielen. Ihre Leistung besteht darin, in einer Zeit der Entmaterialisierung neue Objekte zu schaffen, die zu uns sprechen und dabei die Vergangenheit und die Zukunft im Auge haben“, so die Jurybegründung weiter. Wiebke Siem freut sich sehr über die Auszeichnung und „fühlt sich hoch geehrt“, so die Künstlerin.
Die 1954 in Kiel geborene Künstlerin studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. In den 90er Jahren wurde sie mit Werkgruppen bekannt, in denen sie Alltagsgegenstände wie Kleidung und Spielzeug, Perücken, Hüte oder Taschen in überdimensionierte abstrakte Objekte aus Holz oder Stoff übersetzte und verfremdete. In späteren Arbeiten griff Siem oft auf Kindheitseindrücke zurück. Sie hinterfragt gesellschaftliche Rollenbilder, während sie gleichzeitig Bezug auf die Kunstgeschichte nimmt. Siems Werke wurden national und international ausgestellt, u.a. im Guggenheim Museum, New York, im Henry Moore Institute, Leeds oder in der Kunsthalle Hamburg. 2009 zeigte das Neue Museum Nürnberg Siems Arbeiten in einer umfangreichen Schau („Die Fälscherin“). 2013/14 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia.
Der Goslarer Kaiserring ist einer der weltweit renommiertesten Preise für moderne Kunst. Er wird seit 1975 verliehen. Die ersten Preisträger waren Henry Moore, Max Ernst und Alexander Calder. Ihnen folgten Pioniere der Gegenwartskunst wie Joseph Beuys, Gerhard Richter, Nam June Paik, Christo, Cindy Sherman oder Jenny Holzer. Vor Wiebke Siem erhielten in den letzten Jahren unter anderem Matthew Barney, Andreas Gursky, Bridget Riley, David Lynch und Olafur Eliasson den Preis.