Karstadt: Kreistag stellt sich hinter Mitarbeiter

Das Karstadt Warenhaus in der Goslarer Innenstadt sieht weiterhin unsicheren Zeiten hingegen. Zwar sei die Stimmung und Motivation innerhalb der Belegschaft gut und auch die Kunden seien zufrieden, doch erwägt die Essener Konzernzentrale die Schließung kleinerer Häuser. Von solchen Plänen könnte dann auch das Goslarer Haus betroffen sein.

Abgeordnete verabschieden eine Resolution als Zeichen der Solidarität mit den Beschäftigten

Der krisengeschüttelte Essener Warenhaus-Konzern Karstadt kommt einfach nicht zur Ruhe.

Nach der unrühmlichen Ära des Milliardärs und Investors Nicolas Berggruen, der viel versprach aber keinen seiner Pläne umsetzte, ist es nun am österreichischen Immobilieninvestor René Benko die Geschicke des seit Jahren angeschlagenen einstigen Handelsriesen ins Positive umzukehren. Benko hat die Anteile Berggruens übernommen. Ob dem österreichischen Investor das gelingt ist ungewiss, denn ebenso wie Berggruen hat Benko wahrscheinlich mehr Interesse daran, die Filetstücke des Konzerns, gemeint sind Immobilien der Warenhauskette in exponierter Toplage, finanziell auszuschlachten als den Konzern in ruhigeres Fahrwasser zu geleiten. Zusätzlich könnten mit der Karstadt-Übernahme durch Benko auch wieder Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Wie die „Taz“ aus Berlin jüngst schrieb, hatte sich der Österreicher bereits in der Vergangenheit erfolglos um das Metro-Tochterunternehmen bemüht.
Bisher machen aber nun fast täglich Gerüchte von sogenannten Streichplänen die Runde. Demnach erwägt die Unternehmensleitung in der Essener Zentrale kleine Häuser abzustoßen, da sie ob ihrer Größe in den Augen der Konzernlenker nicht profitabel sein können. Sollten diese Pläne in die Tat umgesetzt werden, könnte davon auch das Karstadt Warenhaus in der Goslarer Innenstadt betroffen sein. Das Haus gehört zu den kleinsten des Unternehmens.
Nun hat sich der Goslarer Kreistag am Montag in seiner Sitzung klar für den Erhalt des Kaufhauses ausgesprochen. Die SPD-Kreistagsfraktion hatte eine entsprechende Resolution eingebracht in der die Unternehmensleitung und der Aufsichtsrat der Karstadt-Gruppe zum Erhalt des Goslarer Hauses aufgefordert wird. Der Kreistagsausschuss hat der Forderung der SPD bereits seine Zustimmung gegeben und auch der Kreistag folgte am Montag dem entsprechenden Beschlussvorschlag einstimmig.
In der Sitzung war es zunächst der SPD-Landtags- und Kreistagsabgeordnete Dr. Alexander Saipa, der den Hintergrund der Resolution aufschlüsselte. „Mit dieser Resolution wollen wir ein Zeichen der Solidarität setzen. Wir stehen hinter den Beschäftigten des Karstadt-Hauses in Goslar“, so Dr. Saipa. Nach Ansicht der Sozialdemokraten zähle das Goslarer Haus zwar zu den kleineren der Gruppe, habe aber gerade für die gesamte Region eine besondere Aufgabe und Bedeutung in der Nahversorgung. „Die Aufgabe des Goslarer Standortes würde zu einem erheblichen Abfluss von Kaufkraft aus dem Landkreis und aus der Stadt führen“, prognostizieren die Sozialdemokraten in ihrer Resolution. Ferner sind die SPDler der Überzeugung, dass die Investitionen der letzten Jahre in den Standort positive Wirkungen entfaltet hätten und trotz der wiederholten Unsicherheiten der letzten Jahre, erlebten die Kunden ein motiviertes Belegschaftsteam in einem breit aufgestellten Warenhaus.
Zustimmung erhielten die Genossen aus allen politischen Lagern, wobei CDU-Mann Uwe Schwenke de Wall den Grund für die ausführliche Rede von Dr. Saipa nicht nachvollziehen konnte. „Was erzählen sie uns das? Das ist uns doch allen hinlänglich bekannt“, so der recht patzige Ausruf in Richtung des Sozialdemokraten Saipa.
Christdemokrat Carlos Mateo schlug dann etwas ruhigere Töne an. Auch er meinte, dass diese Resolution ein Zeichen der Solidarität sei, und der Textilhandel für die Stärkung der Innenstadt elementare Bedeutung hätte.
Die Grünen-Abgeordnete Cornelia Grote-Bichoel sieht das Problem von Ladenschließungen an einer Stelle die nur sehr schwer zu beeinflussen ist: „In Zeiten des wachsenden Online-Handels müssen wir uns vielmehr die Frage stellen: Was kaufen wir? Wo kaufen wir?“ Grote-Bichoel vertritt damit die Ansicht, dass jeder Kunde selber Einfluss auf den Erhalt von Geschäften nehmen kann, indem er sein eigenes Konsumverhalten überdenkt.
FDP-Mann Hans Bahn stimmt der Grünen Grote-Bicheol zwar zu, meinte aber gleichzeitig, dass die Resolution kaum Einfluss auf die Entscheidungen der Essener Unternehmenslenker haben dürfte.