Leichter Anstieg bei Verkehrsunfällen

Fünf von sieben Unfällen mit Todesfolge im vergangenen Jahr zeichneten sich nach Angaben der Polizeiinspektion Goslar durch ihren „atypischen Verlauf “ aus. Damit beschreiben die Beamten Unfallursachen, die nicht auf überhöhte Geschwindigkeit oder etwa Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Als Beispiel führte Hans-Werner Röhrken unter anderem den Unfall auf der Kreisstraße 73 Ende November 2014 an. Dort war ein 63-jähriger Autofahrer ohne nachvollziehbaren Grund in den Gegenverkehr geraten.

Polizeiinspektion ist mit Verkehrsunfallstatistik dennoch zufrieden / Deutlich weniger Unfälle als im Landesschnitt

Einen leichten Anstieg im Bereich der Verkehrsunfälle verzeichnet die Polizeiinspektion (PI) Goslar für das Jahr 2014. Dies geht aus der Verkehrsunfallstatistik hervor, die gestern von Hans-Werner Röhrken, stellvertretender Leiter der PI Goslar, und seinem Kollegen, Polizeihauptkommissar Sigurd Breustedt, vorgestellt wurde.

Demnach erhöhte sich die Gesamtzahl der Unfälle um etwas mehr als zwei Prozent auf 4.020. Bei den Unfällen mit Todesfolge ist bedauerlicherweise ein Anstieg von drei im Jahr 2013 auf insgesamt sieben im Jahr 2014 zu verzeichnen (Anm. d. Red.: Insgesamt kamen bei diesen Unfällen acht Menschen ums Leben). Die Unfälle mit Todesfolge zeichnen sich jedoch zu rund Zweidritteln durch einen „atypischen Verlauf“ aus, wie es die Polizeibeamten Röhrken und Breustedt formulieren.

Viele Unfälle mit Todesfolge verliefen „atypisch“

Als „atypisch“ bezeichnen die beiden Beamten Verkehrsunfälle, die sich nicht auf die üblichen Ursachen wie überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol- und Drogenkonsum zurückführen lassen, sondern ohne erkennbaren Grund entstehen. Als Beispiel nannte Röhrken dabei unter anderem den Unfall der sich Ende November auf der Kreisstraße 73 im Verlauf der Seesener Straße zutrug. Dort war ein 63-jähriger Autofahrer ohne nachvollziehbaren Grund in die Gegenfahrbahn geraten und kollidierte in der Folge mit einem Lastwagen. Bei dem Unfall kamen der 63-jährige Fahrer und seine 48-jährige Beifahrerin ums Leben. Und auch bei anderen Unfällen mit Todesfolge spielte mehr das Schicksal oder schlichtweg großes Pech eine Rolle. So beispielsweise bei dem tödlichen Unglück eines Motorradfahrers, der ein Reh anfuhr, infolgedessen stürzte und sich tödliche Verletzungen zuzog.
Auch bei den Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten (117 Unfälle) zeigt die Tendenz leicht nach oben. Die Polizei ist aber dennoch nicht unzufrieden mit dem Zahlenwerk, da es sich immer noch im Rahmen bewege. „Bei der Gesamtzahl liegen wir seit Jahren bei rund 4.000 Unfällen. Für den Landkreis Goslar kann das als normal angesehen werden“, erklärt dazu Polizeihauptkommissar Breustedt.

Im Landesvergleich eine
erfreuliche Statistik

Zudem stehe die Polizeiinspektion auch im Landesvergleich mit ihrer Statistik sehr gut da. In Niedersachsen sind vielerorts erhöhte Unfallzahlen zu beklagen. Somit befinde sich PI Goslar auch bei der Erfüllung der Ziele der Verkehrsinitiative 2020 auf einem guten Weg. In dieser Initiative wurde vereinbart die Zahl der Unfälle mit schweren Folgen im Zeitraum von 2011 bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren.
Die Anzahl der Verkehrsunfälle und deren Folgen sei aber auch immer mit Blick auf das Wetter auszuwerten. „Gerade im Harz spielt das eine entscheidende Rolle“, sagt PHK Sigurd Breustedt. Ist das Wetter schlecht, sprich der Winter kalt und eisig, zählen die Verkehrsexperten der Polizei grundsätzlich mehr Unfälle. Die Folgen sind aber nicht so dramatisch wie bei gutem Wetter, dann gehen Unfälle häufiger nicht so glimpflich aus.
Auf die Risikogruppe der Motorradfahrer wird bei der Polizeiinspektion Goslar schon traditionell ein besonderes Augenmerk gelegt. Die Entwicklung in diesem Bereich beschreibt Breustedt als „sehr positive Tendenz“. „Trotz einer stetigen Zunahme des Motorradverkehrs verzeichnen wir in diesem Bereich einen erfreulichen Trend“, so Breustedt. So ist die Zahl der Unfälle von Motorradfahrern mit noch 132 im Jahr 2009 auf 94 in 2014 zurückgegangen. Die Beamten führen diesen Rückgang auch auf die stetigen Kontrollen und die erfolgreiche Präventionsarbeit zurück.
Als ein gesellschaftliches Problem werten Breustedt und Röhrken den Anstieg von Fahrerfluchten. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr die Verursacher in 872 Fällen vom Unfallort entfernt. Zwar ist die Aufklärungsquote mit rund 41 Prozent (357 Fälle) recht beachtlich, doch kommen nach wie vor zu viele Unfallfahrer unerkannt davon. „Offensichtlich haben die Verkehrsteilnehmer die einen Unfall verursachen und sich anschließend entfernen ein Problem Verantwortung zu übernehmen“, so die Einschätzung von Hans-Werner Röhrken. Besonders verwerflich seien in diesem Zusammenhang Unfallfluchten bei denen eine Person zu schaden kam. „Da bewegen wir uns dann schon auf einer moralisch bedenklichen Ebene“, merkt Röhrken dazu an.
Erfolge sehen die Goslarer Verkehrsexperten auch bei der Zahl der Alkoholdelikte im Straßenverkehr. Diese ist seit rund fünf Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Im Jahr 2014 erwischte die Polizei im Landkreis Goslar 169 Autofahrer, die ihr Fahrzeug unter dem Einfluss von Alkohol bewegten. In 39 Fällen kam es zu Unfällen.

Ablenkung gilt als große
Gefahr im Straßenverkehr

Als eine besondere Herausforderung, die aber nicht von der Polizei, sondern vielmehr von der Politik angepackt werden muss, sehen die Polizeibeamten das Thema „Ablenkung“ als Unfallursache. Viele Verkehrsteilnehmer konzentrierten sich nämlich schon heute mehr auf ihr Smartphone als auf das Verkehrsgeschehen. Die Polizei will diesem Phänomen zwar mit verstärkten Kontrollen entgegenwirken, was in der Praxis jedoch nicht immer leicht darstellbar sein dürfte. „Es ist schwer festzustellen, ob ein Unfall durch die Nutzung des Smartphones entstanden ist. Da bewegen wir uns auch datenschutzrechtlich schnell in einer Grauzone“, gibt Röhrken zu bedenken.