„Lieber Taliban als Deutsche Bahn“

Wolfgang Trepper. (Foto: Agentur)

Kabarettist Wolfgang Trepper begeistert im Bündheimer Schloss / „Halt ma eben“

Bad Harzburg. Der Kulturklub Bad Harzburg landete mit Wolfang Trepper einen Volltreffer. Die Veranstaltung war ausverkauft. Die Gäste freuten sich über den Mann mit der roten Handtasche und seinem Ruhrpott-Slang.
Viel Bühnendeko brauchte es nicht, Tisch und Stuhl genügten. „N' Abend – schön hier“, seine mürrische Begrüßung. Dann ein Rundumschlag gegen Frauen, die dauernd vor Schuhgeschäften stehen bleiben und sagen, „Halt ma eben“, und das 39 Jahre lang. Versuche zum Aufbau einer neuen Beziehung müssen eine langweilige Wohnungsbesichtigung überstehen. Nach kurzer Zeit sind er und sie ein Paar, und das Ritual der gemeinsamen Samstage beginnt. Jede Frau erinnert sich jahrtausendealter Rollenverteilung. Noch Füßewärmen beim Partner und die Frage: „Gehst du zum Bäcker“. Nun hat Man(n) zwei Möglichkeiten, entweder nein sagen, oder das Wochenende ist gelaufen. Umstände in der Bäckerei ohne Ende, eigentlich wollte er nur zwei Kürbiskornbrötchen holen. „Nun könne er aber am Samstagmorgen nicht in Duisburg sein, wenn er am Freitagabend in Bad Harzburg sei“, so Trepper. Deshalb ein Dankeschön für die Einladung. Ist es nicht schön, zu frühstücken? Natürlich wollen Frauen immer die obere Brötchenhälfte. Dann geht’s zum Stadtbummel. Frau möchte so ein Kleid wie Heidi Klum. Im Gegenzug braucht der Partner eine neue Hose. Suche nach der Herrenabteilung. Dort angekommen, fühlt man sich überfordert. Hosen, Hosen, nichts als Hosen. Eine Verkäuferin: „Was hätten sie denn gern?“ Er bissig: „Ein Viertelpfund Gehacktes.“
Was machen Männer so lange in der Umkleidekabine? Nichts. Trepper spielte seine Rolle als genervter Partner perfekt, lief auf der Bühne hin und her. Zuhause wird er seine Errungenschaft in den hintersten Winkel des Kleiderschrankes hängen und nie wieder anziehen. Und was macht sie? Probiert ihr Kleid zuhause nochmal an und dreht sich stundenlang vor dem Spiegel. Er beguckt sich da nur selbst, seine Arme, Sixpacks und Hüften, soweit vorhanden. Diesen seinen Anblick speichert er als Festplatte im Hirn ab. Vielleicht gibt’s ja einen Einkaufstag nur für Männer. Was bleibt einem anderes übrig, wenn man plötzlich krank wird, als Fernsehen? Übergangslos wetterte Trepper gegen Kochsendungen. Die jungen Köche sind ihm alle suspekt. Er akzeptiert lediglich Max Inzinger und Alfred Biolek, am liebsten mit Karel Gott, der Königsberger Klopse kocht. Angeblich sind die Deutschen ein Volk von Feinschmeckern.
Und dann all die Ratesendungen. Ein Wort mit sechs Buchstaben „icken“. Helga aus Leipzig: „Micken“. Tiersendungen, Landschaftssendungen, Promi-Dinner, Florian Silbereisen undsoweiter. Alles kommentierte Trepper mit beißender Ironie. Viel Gelächter im Publikum. „Darum gehen Sie lieber ins Kleinkunsttheater, da bekommen sie noch was geboten für ihr Geld“, so seine Meinung. Fernsehen ist Quote, aber nicht Qualität. Ihn nerven deutsche Schlager. Bei Christian Anders' „Zug nach nirgendwo“ ein Spruch gegen die Deutsche Bahn. Lieber Taliban als Deutsche Bahn. Das Servicepersonal weiß nämlich nichts mehr. Und immer Männer, die alle gleich aussehen in ihren Anzügen und das gleiche Kauderwelsch in ihr Handy schreien. Lena Meyer-Landrut ist für ihn so ziemlich das Letzte. Kann kein Englisch und nicht singen. Stefan Raab als Bundespräsident, na ja. Gegen Angela Merkel und Guido Westerwelle kann man was sagen, aber nicht gegen den deutschen Schlager. Die viele Werbung kotzt ihn an. Zu seiner Zeit gab´s Raider und den Hustinettenbär. Eine Mutter, die nervt mit Kaffee und Kuchen und der Frage nach der Weihnachtskarte für Tante Änne mitten im Oktober. Eigentlich will er nur ihren Anrufbeantworter reparieren. Gegen so viel Liebe hast du als Sohn nicht den Hauch einer Chance. Hier wurde Trepper nachdenklich. „Wenn du zum alten Marktplatz kommst und zur Kirche, die niemand mehr besucht und zum Bahnhof, wo kaum noch ein Zug fährt, dann weißt du, wo du bist. Angekommen zuhause. Mehr als alles, was du willst, ist riesengroßer Mumpitz, hat meine Oma immer gesagt.“ Aus diesem Schlusssatz sprach Wolfgang Treppers ganze Liebe zu seiner Heimat Ruhrgebiet, und dafür gab es frenetischen Beifall. Dagmar Hoffmann