Maler haben die Nase gestrichen voll

Längst nicht alles im „grünen Bereich“: Es gibt Zoff im Maler- und Lackiererhandwerk, sagt die IG BAU. Die Gewerkschaft will für die heimischen Malergesellen mehr Geld einstreichen und so den Beruf attraktiver machen. Doch die Malerchefs machen einen Strich durch die Rechnung: „Bei der laufenden Tarifrunde spielen die Arbeitgeber auf Zeit und setzen auf Provokation“, so die IG BAU.

IG Bau bemängelt: Arbeitgeber schalten auf stur

Maler sollen mehr Geld einstreichen: Für die Maler und Lackierer im Kreis Goslar ist eine „kräftige Lohnerhöhung“ überfällig. Das fordert die IG BAU Braunschweig-Goslar. Die Maler-Gewerkschaft verweist dabei auf das niedrige Lohnniveau der Branche: „Auf dem Bau gehören die Maler zum ‚Lohn-Schlusslicht’.

Sie verdienen in der Stunde knapp 2,90 Euro weniger als etwa ein Maurer. Am Ende des Tages geht ein Malergeselle so mit gut 23 Euro weniger in der Tasche nach Hause als sein Kollege, der auf der gleichen Baustelle gearbeitet hat. Dabei sind beide qualifizierte Facharbeiter. Und beide machen einen harten Job“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg.
Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Braunschweig-Goslar wirft den Arbeitgebern vor, ausgebildete Maler „als Billigheimer auf den Bau zu schicken“. Gleichzeitig schalteten sie bei den laufenden Tarifverhandlungen auf stur: „Erst lassen die Arbeitgeber die Verhandlungen platzen. Jetzt haben sie ein neues Treffen im Dezember kurzerhand abgesagt“, so Ehrenberg. Die Arbeitgeberseite versuche offensichtlich, auf Zeit zu spielen.
Grund seien „hausgemachte Streitigkeiten im Arbeitgeberlager“. Viele Malerchefs hätten noch nicht verstanden, dass es bereits „Spitz auf Knopf“ um das Maler- und Lackiererhandwerk stehe. „Der Fachkräftemangel auf dem Bau hat bei den Malern längst die Dimension eines ‚Fachkräftelochs’ erreicht. Denn Malergesellen haben seit Langem die Nase gestrichen voll, wenn es um ihre Bezahlung geht“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Viele hätten dem gelernten Handwerk deshalb schon den Rücken gekehrt.
Verwundern dürfe dies jedoch nicht: „Denn wer bei den Tarifverhandlungen ein Angebot auf den Tisch legt, das für das kommende Jahr eine mickrige Lohnanhebung von nicht einmal einem Prozent bedeutet und damit von jeder Inflation geschluckt wird, der meint es nicht ernst“, sagt Ehrenberg.
Der IG BAU-Bezirkschef spricht von einer „Provokation“. Die Maler-Gewerkschaft werde die Arbeitgeber jetzt zwingen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein annehmbares Angebot vorzulegen. Von einem Tarifabschluss würden viele profitieren: In ganz Niedersachsen gibt es nach Angaben der IG BAU derzeit rund 13.550 Beschäftigte im Maler- und Lackiererhandwerk.