Musikalische Delikatessen „Zu Gast in Niedersachsen“

Solende Paidassi und Natsumi Ohno „in concert“.
Musikalische Kostbarkeiten boten in einem Sonderkonzert der Reihe „Zu Gast in Niedersachsen“ das Duo Solenne Paidassi, Violine und Natsumi Ohno, Klavier. Im vollbesetzten Kreishaussaal gestalteten die beiden Musikerinnen Werke von Ludwig van Beethoven, Claude Debussy und Camille Saint-Saens. Ein Programm, wie es gegensätzlicher nicht sein konnte und hohe technische Anforderungen stellte.
Wesentlich älter als die Musikstücke war Paidassis Violine von Lorenzo Storioni aus dem Jahr 1779. Damit bot sie den Zuhörern ein besonderes Klangerlebnis. Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine op.23 schwebte leicht und luftig durch den Saal, und das trotz Moll. Mit energischem Strich das Presto, keck das Andante, einige Spannung im dritten Satz. Kontrastprogramm war dann Claude Debussys Sonate für Violine und Klavier in g-Moll. Die dreisätzige Sonate ließ keinen Übergang erkennen. Vielmehr driftete sie ins Attonale mit verschiedenen Klangbildern. Solenne Paidassi entlockte ihrem Instrument die feinsten Nuancen bis in höchste Tonlagen. Perfekt dazu Natsumi Ohnos Klavierbegleitung. Bereits nach dem ersten Durchgang gab es viel Beifall für das junge Duo.
So richtig entfalteten sie ihr Zusammenspiel nach der Pause bei Camille Saint-Saens Sonate für Violine und Klavier in d-Moll op. 75. Energisch, fordernd der erste Satz, etwas ruhiger der zweite, umso tempermentvoller der dritte Satz. Virtuos und voller Hingabe interpretierten Solenne Paidassi und Natsumi Ohno das Werk, das auch in körperlicher Hinsicht einiges abverlangte. Paidassi ließ den Bogen tanzen, entwickelte sich zur „Teufelsgeigerin“. Passgenau dazu Natsumo Ohnos Klavierbegleitung. Die beiden machten aus der Sonate ein regelrechtes Zwiegespräch. Nicht umsonst ist Solenne Paidassi Preisträgerin des renommierten Wettbewerbes, den die Stiftung Niedersachsen vergibt. Dieser Preis ist dem großen Geiger und Dirigenten Joseph Joachim gewidmet, der unter anderem mit Johannes Brahms befreundet war und von 1852 bis 1866 als königlicher Konzertmeister in Hannover weilte. Paidassi gastierte schon öfter in der Region, ist international erfolgreich und trat auch in großen Häusern wie der Tonhalle Zürich oder der Carnegie Hall New York auf.
Natsumi Ohno musizierte kürzlich mit Silja Meyer-Zurwelle im Schwiecheldthaus und ist seit 2007 Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Womit die Verbindung zum großen Geiger Joseph Joachim hergestellt wäre. Am Freitagabend bekamen die beiden Musikerinnen für ihre großartige Leistung jede Menge Beifall. Sie verabschiedeten sich mit einem Blues von Maurice Ravels, den Solenne Paidassi mit viel Schmelz begann, dem Natsumi Ohno am Klavier jedoch eine gewisse Modernität und Frische verlieh. Dagmar Hoffmann