Neue Regeln bei Erste-Hilfe-Ausbildung

Bei Erste-Hilfe-Lehrgängen geht es nun deutlich praxisorientierter zu. (Foto: Pischke)

Lehrgänge wurden deutlich gestrafft und orientieren sich näher an der Praxis

Erste-Hilfe-Lehrgänge werden zum 1. April dieses Jahres inhaltlich gestrafft und praxisnaher. Damit sind von diesem Zeitpunkt an für alle Erste-Hilfe-Lehrgänge einheitlich neun Unterrichtsstunden geplant.

„Sie werden mehr Praxisübungen und weniger Theorie beinhalten“, so Susanne Müller, Ausbildungsleiterin im Kreisverband Goslar des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Im Rahmen einer Vereinheitlichung der Erste-Hilfe-Ausbildung soll das ab diesem Zeitpunkt auch für Führerscheinbewerber (PKW und LKW) gelten.
Der bisherige Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ mit acht Unterrichtseinheiten wird ersetzt. Angehende Kraftfahrer müssen dann neun Unterrichtsstunden aufwenden für die Erste-Hilfe-Ausbildung, also 45 Minuten mehr (Eine Unterrichtseinheit entspricht 45 Minuten). „Das Deutsche Rote Kreuz begrüßt diese Änderungen und auch der Kreisverband Goslar hat sich mit einem entsprechenden Lehrgangsangebot auf die Änderungen eingestellt“, so die Ausbildungsleiterin vom Kreisverband Goslar. Ihr Stellvertreter Dirk Noll wurde bereits im Rahmen einer Fortbildung des DRK Landesverbandes Niedersachsen geschult, um jetzt sein Wissen an die Erste-Hilfe-Ausbilder hier vor Ort weitergeben zu können.
Für Ersthelfer in den Betrieben wird die Ausbildung ab April von bisher 16 auf neun Unterrichtseinheiten verkürzt. Betriebe müssen ihre Mitarbeiter nur noch einen Tag statt bisher zwei Tage für die Teilnahme an der Erste-Hilfe-Ausbildung freistellen. Dafür wurden wichtige Inhalte auf das Wesentliche reduziert. „Die lebensrettenden Maßnahmen sind natürlich auch weiterhin wichtigster Bestandteil der Erste-Hilfe-Aus- und Fortbildung“, erklärt Müller. „Der theoretische Anteil der Kurse wird zugunsten der praktischen Ausbildung künftig deutlich geringer ausfallen. Die Teilnehmer bekommen erheblich mehr Gelegenheiten die Maßnahmen praktisch zu üben. Hierbei wird berücksichtigt, dass in Deutschland in der Regel spätestens nach 15 Minuten professionelle Hilfe eintrifft.“
Mit der Straffung und der Orientierung auf Praxisnähe soll die Hemmschwelle für den Besuch einer Erste-Hilfe-Ausbildung gesenkt werden – eine Voraussetzungen dafür, dass Erste Hilfe von jedem einzelnen öfter trainiert wird. Außerdem nähere sich Deutschland damit den europäischen Standards für die Erste-Hilfe-Ausbildung an.
Zusätzlich wird es sicherlich auch weiterhin Nachfragen nach den „großen“ Erste-Hilfe-Kursen mit 16 Unterrichtseinheiten für bestimmte Berufsgruppen und Bereiche geben. Diese werden nach wie vor durch den DRK Kreisverband Goslar angeboten.
Das Deutsche Rote Kreuz bildet im gesamten Bundesgebiet jährlich fast 1,2 Millionen Menschen als Ersthelfer aus. Eine Übersicht aller Erste-Hilfe-Lehrgangsangebote im Landkreis Goslar finden Sie unter http://www.drk-goslar.de. Weitere Informationen gibt Ihnen das DRK-Zentrum in Goslar unter der Telefonnummer (05321) 370017.

Info

Sieben Tipps zur Ersten Hilfe

1. Auf Sicherheit achten;
An Unfallorten im Straßenverkehr unbedingt eine Warnweste tragen, Unfallstelle absichern (Warndreieck); zuerst Gefahren für Sie und andere einschätzen. Nur wenn Sie selbst nicht in Gefahr geraten, können Sie helfen.

2. Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über die Situation:
Wer ist verletzt? Wer braucht als Erster Hilfe? Verletzte sollten aus der Gefahrenzone gebracht werden, wenn dies kein unnötiges Risiko darstellt.

3. Erste Hilfe ist Teamarbeit: Laut „Hilfe“ rufen:
Die Umgebung deutlich auf den Notfall aufmerksam machen: „Scheuen Sie sich nicht davor, Anweisungen zu geben. Meist sind die Beteiligten froh, wenn jemand das Ruder in die Hand nimmt“, so Müller. Also direkt ansprechen und die notwendigen Maßnahmen durch konkrete Ansagen verteilen (zum Beispiel „Sie im roten Pulli, wählen Sie schnell den Notruf 112!“).

4. Sofort Notruf veranlassen – 112 gilt europaweit, überall und kostenlos:
Möglichst schnell den Rettungsdienst verständigen: Wo hat sich der Notfall ereignet? Den Standort möglichst exakt angeben und auf weitere Fragen vorbereitet sein, wie z. B.: Was ist geschehen? Wie viele Personen sind betroffen? Unbedingt abwarten, bis die Rettungsleitstelle alle wichtigen Informationen abgefragt hat und das Gespräch beendet.

5. Kontakt zum Betroffenen aufnehmen und halten:
Auf Augenhöhe zum Betroffenen begeben, stellen Sie sich vor, sagen Sie, dass Sie helfen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei ihm bleiben werden. Erklären Sie immer, was Sie tun. Zuhören und die Wünsche des Betroffenen beachten. „Einfach nur da sein‘, hilft schon, eine Hand, ein tröstendes Wort, Abschirmen gegen neugierige Blicke.“, so Müller.

6. Betroffene medizinisch versorgen:
- Wunden verbinden (Einmalhandschuhe benutzen!)
- Bewusstlose in die Seitenlage bringen, Atmung kontrollieren und gegebenenfalls mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen
- Betroffenen möglichst zudecken (In jedem Verbandskasten ist eine Rettungsdecke enthalten, die mit der goldenen Seite nach außen die Körperwärme gut erhält.)
- Bei Betroffenen mit Atemnot Oberkörper hochlagern

7. Vorbereitet sein:
Überprüfen Sie Ihren Verbandskasten im Auto: ist er vollständig, das Verbrauchsdatum nicht überschritten? Am besten auch für zu Hause und für Rad- und Wandertouren einen bereithalten. Befindet sich einer an Ihrem Arbeitsplatz?“