Ohne Reformen keine Energiewende

Wie sieht der Strommarkt der Zukunft aus? Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf unseren Alltag? Welche Reformen müssen dringend eingeleitet werden um die gefassten politischen Ziele zu erreichen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich von Mittwoch bis Donnerstag rund 200 Teilnehmer bei den 6. Energietagen Niedersachsen in Goslar. (Foto: Michael Raab/pixelio.de)
 
Rund 200 Teilnehmer befassten sich an den vergangenen beiden Tagen mit der künftigen Stromerzeugung.

Rund 200 Teilnehmer gingen bei den 6. Energietagen der Frage nach der klimaneutralen Stromerzeugung nach

Mit der Zukunft der Stromversorgung beschäftigten sich Mittwoch und Donnerstag rund 200 Teilnehmer bei den 6. Niedersächsischen Energietagen in Goslar. Bei der Tagung, die vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) veranstaltet wurde, ging es im Kern um die Herausforderungen der Energiewende und den damit dringend verbundenen Reformbedarf.
Mit Vorträgen und der Arbeit in fünf Fachforen wurden bis gestern Abend die verschiedenen Problemstellungen der Energiewende diskutiert. Die behandelten Fragen zielten dabei auch auf die Gründe für die kritische Wahrnehmung der Energiewende in großen Teilen der Bevölkerung ab.
Die Niedersächsische Landesregierung nutzte die Energietage derweil, um ihr neues Konzept „Energiewende 2.0“ vorzustellen, was die Regierung Weil fast zeitgleich zu der Goslarer Veranstaltung am Mittwoch in Berlin präsentierte. Aus diesem Grund war es Umweltminister Stefan Wenzel auch nicht möglich, die Eröffnungsrede wie geplant zu halten. An seiner Stelle war Dr. Christian Jacobs, Referatsleiter für Klimaschutz im Hannoverschen Ministerium, angereist, um die Vorstellungen der Landesregierung kurz zu skizzieren.
Zunächst war es aber Professor Dr. Hans-Peter Beck, Vorstandvorsitzender des EFZN, der in seiner Begrüßung einigen Diskussionsstoff anregte. So fragte Beck, ob das EEG (Erneuerbare Energiengesetz) tatsächlich für die drastisch ansteigenden Strompreise verantwortlich gemacht werden kann. Dies veranschaulichte der Vorstandsvorsitzende mit einigen Zahlen. So standen im vergangenen Jahr 100 Milliarden Euro, die für fossile Brennstoffe ausgegeben wurden, 20 Milliarden Euro gegenüber, die in die Entwicklung und den Bau erneuerbarer Energiequellen geflossen sind.
Für ein weiteres Argument richtete Beck den Blick auf die Steigerung der Energiepreise zu einer Zeit, als es die viel gescholtene EEG-Umlage noch gar nicht gab. So sei der Strompreis in den Jahren von 2000 bis 2004 um 30 Prozent gestiegen. „Deshalb“, so Beck, „müssen wir uns fragen, ob die Energiewende tatsächlich Schuld an der aktuellen Preissteigerung ist.“
In diesem Zusammenhang berief sich Professor Beck auch auf eine Einschätzung des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), der dafür plädiert, „die stark verzerrte Kostendebatte“ auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Darüber hinaus, so die Einschätzung des SRU weiter „ist die aktuell stark diskutierte EEG Umlage ein ungeeigneter Indikator für die angeblich zu hohen Ausgaben, weil sie die Kosten der Energiewende überzeichnet“.
Referatsleiter Dr. Jacobs erklärte zu Beginn seiner Ausführungen, dass die klimaneutrale Energiegewinnung, sprich die Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraft, grundsätzlich möglich ist. „Auf dem Weg dorthin“, so Dr. Jacobs, „stellt sich deshalb vor allem die Frage der Wirtschaftlichkeit.“
Ein Festhalten an der mittelfristigen Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen bezeichnete der Ökonom aus dem Umweltministerium sogar als eine Gefährdung der Volkswirtschaft, da dies zu einer „Entreicherung“ führt, wie es Dr. Jacobs formulierte.
Die Niedersäschsische Landesregierung fordert in ihrem Konzept „Energiewende 2.0“ unter anderem die deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen (bis zum Jahr 2050 Nullemission von CO2), die Erhöhung der Energieeffizienz sowie die Neubelebung des Handels mit Luftverschmutzungsrechten, um hier nur einige der wichtigsten Punkte zu nennen.
Ferner plant die Regierung den Aufbau einer Energie- und Klimaagentur, die ab 2014 als Schnittstelle verschiedener Initiativen (bspw. Energiegenossenschaften) dienen soll. In diesem Zusammenhang erklärte Dr. Jacobs, dass der ländliche Raum einen großen Anteil bei der Gewinnung und Weiterverarbeitung regenerativer Energien schultern muss. Auch dabei soll die neue Agentur unterstützend tätig werden.
Eine ganz andere Sichtweise als Dr. Jacobs im Hinblick auf die klimaneutrale Energiegewinnung legte dann der erste Referent der Tagung Dr. Udo Niehage, Beauftragter für die Energiewende bei Siemens, dar. Nach Ansicht des Weltkonzerns kann die Energiewende nicht ohne die Unterstützung der tradierten Energieerzeugung erreicht werden. Und auch, dass die bisher von der Politik gefassten Schritte zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, an der Zielsetzung vorbeiführen. Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Energiewende, so Dr. Niehage, sei jedoch eine gemeinsame europäische Lösung. Deutschland allein, könne mit seinen Bemühungen die Folgen des Klimawandels nicht entscheidend beeinflussen.
Die Ergebnisse der 6. Niedersächsischen Energietage werden zeitnah in einer entsprechenden Broschüre veröffentlicht.