Pfand gehört daneben

„Pfand gehört daneben“. An zwölf Stationen in Goslar wurden die Sammelboxen für Pfandflaschen angebracht. Für die Verwaltung war es dabei besonders wichtig, dass das Aufstellen der Behälter noch vor dem Altstadtfest am kommenden Wochenende erfolgte.

In Goslar sollen Pfandflaschen künftig nicht mehr im Müll landen / Kampagne läuft bereits in Städten wie Berlin

Jährlich landen deutschlandweit Pfandflaschen im Wert von 172 Millionen Euro im Müll. Das entspricht dem Pfand auf fast unglaubliche 1,15 Milliarden Mineralwasserflaschen. Und zahlreiche Menschen in der Bundesrepublik haben es genau auf diese Flaschen abgesehen, da sie ihnen bares Geld bringen.

Die so genannten „Pfand-“ oder „Flaschensammler“ sind aber in der Regel nicht freiwillig auf der Suche nach dem Geld in Plastik- oder Glasform, sondern sie sind darauf angewiesen, weil ihre Einkünfte nicht zum Leben reichen.
In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Hannover wurde deshalb schon vor einigen Jahren das Projekt „Pfand gehört daneben“ gestartet. Bei dieser Aktion werden Behälter neben Mülleimer gestellt oder an diesen angebracht. Ziel ist es, dass die Pfandflaschen dann künftig nicht mehr im Mülleimer, sondern eben in den dafür gedachten Behältnissen landen. Für die Flaschensammler hat das auf der einen Seite den Vorteil, dass sie nicht mehr im Müll nach den kostbaren Flaschen wühlen müssen, und zum anderen, dass ihnen die Suche nach dieser wichtigen Einkommensquelle erleichtert wird.
In der Welterbestadt Goslar wurde diese Kampagne nun auch umgesetzt. Ratsherr Giovanni Graziano (SPD) hatte die Idee ins Spiel gebracht und mit einem entsprechenden Antrag durchs Stadtparlament geboxt. Gestern erfolgte nun der offizielle Start von „Pfand gehört daneben“.
An insgesamt zwölf Standorten in und rund um die Innenstadt haben Mitarbeiter des Bauhofs extra dafür angefertigte Pfandsammelboxen aufgestellt, die künftig zum Sammeln der wertvollen Flaschen genutzt werden sollen.
Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk hatte schon bevor SPD-Mann Graziano das Projekt auf die politische Agenda brachte, in einer Zeitung über die Aktion gelesen. „Als ich zum ersten Mal davon hörte, habe ich mir gedacht, dass wir so etwas der Stadt Goslar nicht zumuten können. Nun bin ich aber wirklich gespannt, wie das Ganze anläuft“, so Goslars OB Dr. Junk.
Die Pfandbehälter sehen aus, als wenn Regenrohre an eine Stange geschraubt wurden. Und ziemlich ähnlich ist die Entstehungsgeschichte tatsächlich auch gelaufen, wie Carla Gräfin von Hardenberg, Mitarbeiterin des Goslarer Bauamtes erklärt. „Die Rohre und Stangen haben wir noch auf dem Bauhof liegen gehabt. Zusammen haben wir dann ausgetüftelt wie wir die Sache am besten umsetzen.“
An vorhandenen Mülleimern, Straßen- oder Verkehrsschildern, wie es in anderen Städten unter anderem gehandhabt wird, dürfen die neuen Pfandsammelstationen in Goslar allerdings nicht angebracht werden. „Die Eurawasser hätte dann Probleme mit dem Leeren der Abfalleimer“, erklärt die Gräfin. Aus diesem Grund nun die für Goslar eigens entworfenen Behälter.
Und dass auch in einer Welterbestadt und Touristenhochburg wie Goslar täglich dutzende Bürger auf der Suche nach Pfandflaschen die Mülleimer durchkämmen, davon konnten sich Oberbürgermeister Junk, Gräfin von Hardenberg, Stadtsprecher Christian Burgart sowie Tiefbauamt-Leiter Klaus Krogel sowie die versammelten Pressevertreter gleich vor Ort ein Bild machen. Denn noch bevor OB Dr. Junk die erste Pfandflasche, quasi als Startschuss in den Röhren versenken konnte, kam ein Flaschensammler vorbei und fragte ob er diese haben könne.
Der obdachlose Pfandjäger, der seinen Namen nicht verraten wollte, erklärte im Gespräch mit dem „Beobachter“, dass er täglich auf der Suche nach Pfandflaschen durch die Stadt streift. Die neue Aktion hält er jedoch für überflüssig, da er dadurch einen erhöhten Konkurrenzkampf unter den Flaschensammlern fürchtet. „Wenn die Leute wissen, dass es hier was zu holen gibt, dann warten die bis jemand etwas hineinwirft. Und stellen sie sich vor, hier warten dann gleich drei Pfandsammler, dann ist Streit aber vorprogrammiert.“ Zwar will auch der Obdachlose künftig die Pfandboxen absuchen, von seiner angestammten Route will er sich aber nicht verabschieden. „Ich lebe seit zweieinhalb Jahren auf der Straße. Ohne das Geld vom Flaschensammeln käme ich nicht über die Runden“, so der Mann.
Zu Beginn eines jeden Monats, so schilderte es der Flaschensammler weiter, würde er an guten Tagen bis zu acht Euro einnehmen. Zum Ende des Monats würde es jedoch immer weniger. In Mülleimer zu greifen mache ihm nach eigener Aussage nichts aus: „Wenn ich mich dabei verletze oder schmutzig mache bin ich selber schuld. Ich muss halt aufpassen.“