Pflanzen, Pflege und Holzernte

Tom Heinrichs entastet den gefällten Baum
 
Rainer Hildebrand begradigt die Schnittstelle am Baumstumpf.

Holzfällern der Niedersächsischen Landesforsten über die Schulter geblickt / TAG im Einsatz

„Achtung! Baum fällt!“ Der Ruf von Rainer „Schnuff“ Hildebrand hallt durch den Harly. Er warnt vor einem umstürzenden Baum, den Kollege Andreas Lader gerade fällt. Zwar ist weit und breit außer der TAG, die hier Holz schlägt, kein Mensch zu sehen, aber man kann ja nie wissen.

Und Sicherheit wird groß geschrieben. TAG steht für „teilautonome Gruppe“, entschlüsselt „Schnuff“ die moderne Bezeichnung für das Team der Niedersächsischen Landesforsten, „früher hieß das Rotte.“
Vier Mann stark ist diese TAG üblicherweise. Neben Hildebrand und Lader gehören Tom Heinrichs und Ingolf Fiedler dazu, doch hat Letzterer einen freien Tag. So müssen sie eben zu dritt ihrer Aufgabe nachkommen und das Gebiet am Harly läutern. Da müssen einige Bäume gefällt werden, um den Wuchs anderer nicht zu stören. Die Läuterung „hat keinen direkten Ertrag an Holzgewinn“, betont Heinrichs. Es wird einfach Bäumen, die einen besonders guten Wuchs haben, Platz geschaffen, damit sie sich weiter gut entwickeln und somit in einigen Jahrzehnten ein entsprechend höherer Ertrag für ihr Holz erzielt werden kann.
Die Tätigkeiten einer Rotte fasst Hildebrand in drei Schlagworten zusammen. „Pflanzen, Pflege und Holzernte“, nennt er die Aufgaben. Beim Pflanzen sind es in der Regel vorgezogene etwa zwei Jahre alte Jungbäume. „Derzeit ist das vermehrt Buche und Douglasie“, sagt Lader, denn „da geht der Borkenkäfer nicht ran.“ Das Ziel der Landesforsten „ist eben im Sinne der Nachhaltigkeit ein gesunder Mischwald“, sagt Hildebrand.
Etwa 20 bis 30 Zentimeter tief müssen die Männer graben, um solch einen jungen Baum zu setzen. „Die Wurzeln brauchen Luft, müssen locker sitzen“, nennt Heinrichs den Grund. Die Pflanzzeit ist üblicherweise im Frühjahr und Herbst, „aber solange kein Frost und Schnee liegt“, so Heinrichs, können im Prinzip die jungen Bäume gesetzt werden.
Im Rahmen der Pflege werden den potenziell besten Bäumen möglichst ideale Bedingungen geschaffen, damit sie sich optimal entwickeln können. Bei der Fichte werde zum Beispiel bis zu einer Höhe von etwa 3,50 Metern geläutert. Die Douglasien-Pflege sei ungleich intensiver, zumal sie auch beim Rehbock sehr beliebt ist. Zum einen lieben die Rehe die Borke der jungen Douglasien, später wetzt der Rehbock sein Geweih gerne an diesem Baum. „Der gute Geruch und das Harz ziehen ihn wohl an“, schmunzelt Lader. Insofern wird die Douglasie meist großflächig ausgesetzt, damit auch entsprechend viele Bäume durchkommen.
Hier am Harly durchforsten sie den Wald und fällen mittelstarke, von Förster Jörg Schlabitz entsprechend ausgezeichnete, Bäume. „Hauptsächlich Buche, Esche und Eiche“, sagt Hildebrand, manches ist für Parkett nutzbar, aber „vorrangig ist das Brennholz.“ Dabei geht das Fällen eines Baumes ruckzuck von statten. Zunächst wird die ideale Fallrichtung ausgeguckt, dann sägt Lader einen Keil, der genau in diese Richtung weist. Der Keil geht etwa bis zu einem Drittel durch den Stamm.
Dann wechselt Lader auf die Rückseite des Baumes. Bis auf eine Bruchleiste, die ein vorzeitiges Kippen des Baumes verhindert, sägt er bis auf einen schmalen Streifen den Baum durch. Hildebrand bekommt ein Zeichen, blickt sich noch einmal um, dass sich auch niemand im Gefahrenbereich befindet, und brüllt dann laut „Achtung“, während Lader die haltende Bruchleiste kappt. Langsam kippt der Baumriese und knallt dann lautstark auf den Boden.
Man muss auch sehr auf zurückschnellende andere Bäume und herab fallende Äste aufpassen. Denn im Fallen reißt der Baum so manch anderen ein Stück mit. Und wenn die dann zurückschnellen, ist das nicht ungefährlich. „Jetzt ist die beste Zeit zum Fällen“, sagt Lader, „gerade bei den Laubbäume.“ Denn es ist Saftruhe, das Holz ist relativ trocken.
Dass der Harvester ihren Job einmal übernehmen wird, davor muss die TAG keine Angst haben. „Steilhänge und alles ist ja heute schon kein Problem mehr für die Maschinen“, sagt „Schnuff“. Doch wenn die Bäume zu stark sind, Hildebrand spricht von einem Brusthöhendurchmesser (BHD) von mehr als 50 Zentimetern, wird es für die Vollerntemaschine schon schwer. „Das kriegt er vielleicht noch hin, aber beansprucht die Maschine über Gebühr“, meint Hildebrand, dass solche Einsätze auf Dauer unrentabel sind angesichts üppiger Anschaffungs- und Wartungskosten. Zudem ist der Harvester sehr schwer und klobig, richtet somit Schäden an umstehenden Bäumen und am Waldboden an. Und noch etwas kann der Harvester nicht, was Hildebrand und seine TAG noch einige Jahren machen werden, nämlich rufen „Achtung! Baum fällt!“