Pirouetten drehen im Stummelboot

Anspruchsvoll waren die Rennen im Rahmen des Okerrodeos. Foto: Kluge

Kanuten genießen bei Okerrodeo den hohen „Fun-Faktor“

Ein wenig wirkt es, als würden die Kanuten über den wilden Fluten der Oker schweben. Der Strömung trotzend werden in den kleinen wendigen Stummelbooten Pirouetten gedreht, rückwärts wieder die Strömung hinauf gefahren oder wilde Räder gedreht.

„Ein viel höherer Fun-Faktor als bei normalen Wildwasser-Rennen“, erklärt David Nauermann, was ihn in den Harz zum Okerrodeo gelockt hat.
Der Mittzwanziger ist zwar auch sonst im Kanusport aktiv, ist Sportwart des Kanu-Club Wiedenbrück-Rheda. Doch im beschaulichen Westen des Landes stehen eher Wanderfahrten auf dem Programm oder auch Kunststücke im stehenden Wasser. Da gab es beim Okerrodeo zwar auch einen passenden Wettbewerb, dennoch landete Nauermann beim „Flatwater-Rodeo“ „nur“ auf Platz acht. Letztlich aber tut dies seinem Engagement und seiner Begeisterung keinen Abbruch. „Das ist hier mal was anderes als nur geradeaus zu fahren“, sagt er. Zudem ist durch den doch recht kleinen Teilnehmerkreis in dieser Sportart der gesellige Faktor sehr hoch. „Man kennt sich, man trifft sich“, sagt er, „hier zählt der Spaßfaktor.“
Dementsprechend ausgiebig wurde auch am Samstag gefeiert. Im Kellerklub in Clausthal-Zellerfeld ging es lange und kräftig zur Sache. Damit bewiesen die Kanuten, dass sie auch reichlich Kondition haben. Schließlich hatten sie da bereits einen langen und Kräfte zehrenden Wettkampftag hinter sich.
Dementsprechend entspannt gingen die Sportler und Sportlerinnen dann auch das Boaters-Cross am Sonntag an. Erst einmal wurde ausgiebig gemeinsam gefrühstückt, in aller Ruhe zusammen gepackt und erst dann das Feld für den letzten Wettkampf zusammengestellt. Da meldeten sich allerdings nur noch 13 Fahrer, womit ein Massenstart-Rennen zur ersten Ausscheidung überflüssig wurde. Und bei den drei Dreier- und dem einen Vierer-Rennen, die zusammen gelost wurden, waren die Favoriten auch schnell klar. Denn wer mangels Platz im oder am Auto nur mit dem stummelnasigen Freestyle-Boot angereist war, hatte eigentlich gegen die Wildwasser-Kanus, die sich mit spitzerer Nase und schmalerem Rumpf deutlich schneller bewegen, keine Chance.
Doch dabei sein ist auch bei solch einem Spektakel alles. Dafür hatten die auf den hinteren Plätzen sicher die besten Videos mit ihren Helmkameras gedreht. Dabei ist auch das Alter kein Handicapt für den Sport, wie Ansgar Linder bestätigt. Mit 30 Jahren gehört der Essener zu den älteren Teilnehmern im Feld, aber „den Sport kann man auch noch mit 80 Jahren betreiben.“ Früher ist er viel Wildwasserrennen gefahren, doch da machen sich dann die Jahre doch bemerkbar. Das Verletzungsrisiko an sich „ist nicht groß“, so Linder, „höchstens mal eine verdrehte Schulter.“
Die Okerrodeo-Reiter an diesem Wochenende blieben davon jedenfalls verschont. Sie fanden ideale Bedingungen im Harz vor. „Und es waren auch sehr viele Zuschauer da“, freute sich Malte Schroeder, der sich um den Ablauf kümmerte. Die Rodeo-Kanuten werden also sicher bald wieder ein Wochenende auf den Fluten der Oker „reiten“.