Politsatire im Goslarer Salon

Das Publikum beim Goslarer Salon hatte seinen Spaß.

Bernd Krage-Sieber bringt Zuschauer zum Lachen / Behagliche Atmosphäre

Sonntagabend im wunderschönen Jagdzimmer des Schwiecheldt-Hauses. Salonzeit. Ein ansehnliches Auditorium lauschte Bernd Krage-Siebers vergnüglichen Politsatiren.
Die waren in der Tat zum Wundern und Wiehern. Locker, in rotem Hemd und grünem Pullunder stand er da. Sein Outfit hatte durchaus politische Bezüge. Was kommt jetzt? Rot-Grün oder Schwarz-Gelb? Gemäß Obamas Ausruf nach seiner erfolgreichen Wiederwahl: „Das Beste kommt noch“ durften sich die Zuhörer an herrlichen Wortspielereien freuen. Sieber erzählte, wie er mit seiner Mutter interaktiv interaktierte. Seine Mutter, die mit 87 Jahren noch richtig gut drauf ist. Dabei steigt die Zahl der über 70-Jährigen dramatisch. Dramatisch? Wo doch die Leute immer gesünder, der medizinische Fortschritt immer größer wird. Da braucht man eine Sonderkommission zur Gerontopopulation. Er jedenfalls hat eine Credit Default Swaps auf Mutters Tod abgeschlossen. Fallen Krage-Sieber noch Spottliedchen ein, wenn Hollande tatsächlich eine Reichensteuer einführt, bei uns die Praxisgebühr abgeschafft wird oder das Betreuungsgeld kommt. Worauf soll man sich da noch verlassen? Wo kämen wir hin, wenn alle Politiker die Wahrheit sagen. Krage-Sieber setzte sich ans Klavier, adaptierte teilweise Kinderliedchen für seine Texte und schlüpfte danach in die Rolle von Peer Steinbrücks Wahlberater. Ein imaginäres Telefongespräch rechnete mit dessen Nebenverdiensten ab, und das nicht mit einem modernen Apparat sondern einem richtig Altmodischen mit Hörer und Gabel. Angela Merkel, die ins christlich-konservative etwas völlig Neues gebracht hat wie Atomausstieg und anderes. Rösler und seine FDP, die einstige 18%-Spaßpartei bekam ebenfalls ihr Fett weg. Ein Streifzug führte durch Griechenlands Schulden. Dabei haben die Griechen viel mehr zu bieten. Wie wär’s mit den Mathematikern Thales oder Pythagoras? Oder den trojanischen Pferden? Von da ist’s nur ein kleiner Schritt zu den Bundes­trojanern. Krage-Sieber bezog das Publikum mit ein. Zwei stellten sich gar einem kleinen Quiz, das sie bravourös lösten und selbst Beifall bekamen.
Gegen Ende sang Bernd Krage-Sieber einen nachdenklichen Text zum Thema NSU. „Ich würde gern mein volles Leben leben“. Wie jeder weiß, hatte die Terrorzelle nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund im Visier. Viel Applaus bekam Krage-Sieber für sein Programm. Kabarett macht er schon lange, im Hauptberuf unterrichtet er am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg.
Den Salon gibt es seit 2009, rückt aber erst in jüngerer Zeit so richtig in den kulturellen Fokus. Wie in früheren Salons trifft man sich künftig einmal im Monat, um sich über Kulturelles und Wissenschaftliches auszutauschen. Kulturreferentin Eveline Möller spannte einen Bogen vom Pariser Salon der George Sand ins heutige Goslar. Themen gibt es genug, man darf auf weitere interessante Abende gespannt sein.