Sehr große Fußstapfen

Thomas Bryh beim SPD Ortsverein Seesen
 
Urte Schwerdtner kandidiert will die Nachfolgerin von Stephan Manke werden.

Sozialdemokratische Anwärter auf das Landratsamt stellen sich in den Ortsvereinen vor

Seesen / Lutter. Urte Schwerdtner und Thomas Brych, die beiden SPD internen Anwärter auf das Landratsamt, haben aktuell viel Gelegenheit den Landkreis Goslar kennenzulernen. Die Jugendrichterin und der Polizeidirektor sind nämlich aktuell auf Vorstellungsreise. In den SPD-Ortsvereinen präsentieren sie sich den Mitgliedern und skizzieren ihre politischen Vorstellungen. Gestern besuchten Schwerdtner und Brych die Ortsvereine in Lutter und Seesen.
Das Interesse der Lutteraner Sozialdemokraten an den potenziellen Nachfolgern von Stephan Manke fiel jedoch äußerst gering aus. Gerade mal sieben Parteimitglieder fanden den Weg ins Restaurant „Blickpunkt“, wo der 53-jährige Leiter der Polizeiinspektion Goslar und die 49-jährige Jugendrichterin am Goslarer Amtsgericht, Einblicke in ihr Leben, ihre berufliche Laufbahn und politischen Überzeugungen gaben.
In Seesen zeigten deutlich mehr Mitglieder Interesse an den beiden Bewerbern. In den Räumen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Seesener Bürgerhaus lauschten rund 20 Sozialdemokraten den Ausführungen der beiden Kandidaten.
Brych und Schwerdtner wissen, dass der von Goslars ehemaligen Landrat Stephan Manke hinterlassene Fußabdruck nicht leicht auszufüllen ist. Das ändert aber nichts an ihren Ambitionen auf das höchste Verwaltungsamt im Kreis. Parteiintern haben die beiden bereits elf Bewerber hinter sich gelassen, und sind guter Dinge, dass, egal wer von ihnen letztlich für das Amt kandidieren wird, die Sozialdemokraten gute Chance haben den Posten des Landrates weiterhin für sich zu beanspruchen.
Dabei erweckte gestern aber keiner der beiden Bewerber den Eindruck, dass es ihnen ausschließlich um das Streben nach Macht beziehungsweise dessen Erhalt geht. Thomas Brych bezeichnet das Landratsamt vielmehr als „eine sehr interessante Herausforderung“, und Schwerdtner „als Möglichkeit schon sehr früh korrigierend eingreifen zu können“. Damit spielte die Juristen auf ihre bisherige Tätigkeit als Jugendrichterin an. „Ich bekomme die Jugendlichen erst zu sehen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Als Landrätin würde ich versuchen schon deutlich früher anzusetzen, um die Straffälligkeit zu verhindern“, so Schwerdtner.
Thomas Brych möchte als Landrat vor allem für die Region und ihre Bürger da sein. Er will gemeinsam mit allen zuständigen Akteuren die Wirtschaft stärken, das kulturelle Angebot erweitern und dem demografischen Wandel begegnen um so für eine lebens- und liebenswerte Region zu sorgen. In diesem Zusammenhang thematisierte der 53-Jährige beispielsweise die geplante Trennung des Asklepios Klinikkonzerns von der Harzklinik in Goslar. „Da hängen sehr viele Arbeitsplätze dran. Dort muss schnell eine Lösungen gefunden werden“, so Brych.
Gebürtig stammt der heutige Polizeidirektor übrigens aus Juliushütte bei Astfeld, wo er als Sohn einer Näherin und eines Bergmannes aufgewachsen ist. Schwerdtner ist gebürtige Goslarerin und hat die Region nur für ihr Studium verlassen
Brych und Schwerdtner ist klar, dass ihre Pläne auch finanziell realisierbar sein müssen. In puncto Zukunftsfähigkeit des Landkreises sind sie deshalb auch der Überzeugung, dass mittelfristig ein geeigneter Fusionspartner gefunden werden muss. Brych warnt in diesem Zusammenhang aber davor „die Nerven zu verlieren“. In seinen Augen muss eine Fusion gut überlegt sein und der Partner zum Landkreis passen. Beide tendieren dabei in Richtung Norden, also nach Wolfenbüttel und Salzgitter. Festlegen wollen sie sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.
Die Fähigkeit, eine derart große Verwaltung zu führen, trauen sich beide zu. In der Kreisverwaltung sind aktuell 754 Personen beschäftigt, deren Chef der Landrat beziehungsweise die Landrätin ist. Führungsqualitäten können die Anwärter vorweisen. Brych leitet seit zehn Jahren die Polizeiinspektion und Schwerdtner nimmt Behördenleiterfunktionen im Amtsgericht wahr.
Die Entscheidung, wer am Ende für das Landratsamt kandidieren wird, soll am Montag, 8. April, im Zuge einer vom SPD-Unterbezirk initiierten Vorwahl ausgelotet werden. Dabei sollen Bürger aus Seesen und Lutter im Rahmen der Vorwahl gleichberechtigt mit den SPD- Mitgliedern ihr Votum abgeben. Jeder Wahlberechtigte hat dabei eine Stimme. Die Veranstaltung dient erneut auch der Vorstellung der Kandidaten. Die Bürger haben ab 18 Uhr die Möglichkeit die Kandidaten der SPD im Bürgerhaus unter die Lupe zu nehmen.
Die endgültige, formale Abstimmung über den Landratskandidaten wird die SPD am 13. April auf einem Unterbezirksparteitag fällen. Schon jetzt versprechen die Sozialdemokraten, dass das Votum der Bürger in die Entscheidung mit einfließen soll.