„Sehr gut aussehendes Genie“

Auch als Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk den Ring übergibt, lässt Helge Schneider den Komiker in sich erkennen. (Foto: Stadt Goslar)
 
Helge Schneider enthüllt seine CD-Autogrammplatte. (Foto: Stadt Goslar)

Helge Schneider mit Paul-Lincke-Ring 2016 ausgezeichnet

Der Sänger und Multiinstrumentalist Helge Schneider erhielt im Rahmen eines Festaktes im Kurhaus von Goslar-Hahnenklee den Paul-Lincke-Ring 2016 der Stadt Goslar.

Die Auszeichnung wird seit 1955 an Künstler verliehen, die sich um die deutsche Unterhaltungsmusik verdient gemacht haben. Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk sagte in seiner Festrede, dass Helge Schneider der wahrscheinlich außergewöhnlichste und interessanteste Entertainer Deutschlands sei. An seinem Humor mögen sich die Geister scheiden. Gleichzeitig habe seine Musik mehr als Hand und Fuß. „Unsere Kulturszene in Deutschland braucht mehr so verrückte Leute wie Helge Schneider“, so Junk.
Musiker, Poet, Humorist, Kabarettist, Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller und Quatschmacher – Helge Schneider entzieht sich jeder Kategorisierung. Die „singende Herrentorte“ ist der kauzig-kluge Matador der improvisierten Absurdität“, so beschreibt die Paul-Lincke-Ring- Jury die Kultfigur Helge Schneider. „Seine unvergleichliche Komik beweist seit mehr als drei Jahrzehnten, dass Witz und Weisheit eng verwandt sind. Schneider kämpft mit Quatsch gegen Krampf. Für jedes Kind im Manne sind seine Lieder der Soundtrack des Lebens, seine Texte verspielte Kunstwerke des Uneigentlichen. Seine Musik ist Unterhaltungskunst im besten Sinne – ganz in der Tradition von Paul Lincke. Mit feinem Grinsen feiert er die Freude am doppelbödigen Unsinn, der die Zumutungen des Erwachsenseins erst erträglich macht.“
Schon in der Pressekonferenz zeigte Schneider seinen Humor. „Paul-Lincke-Ring. Was ist das?“ Ein Hefezopf vielleicht, ein Ring für den Finger oder eine Verkehrsader? Paul Lincke sei ein ganz berühmter Komponist, „heute könnte man sagen: Songwriter“. „Man ist natürlich geehrt“, sagte Schneider in seinen Dankesworten. Und der Ring passte wie angegossen, obwohl sein Management zuvor bei der Frage nach der Ringgröße des Preisträgers geantwortet hatte, die kenne man nicht. Aber Helge Schneider sei ein durchschnittlich großer Mann, daher sei auch von einer durchschnittlich großen Männerhand auszugehen.
Die Verleihung des diesjährigen Paul-Lincke-Rings beinhaltete gleich zwei Premieren: Zum einen wurde damit der dank Sponsorenunterstützung mögliche neue jährliche Verleihungsrhythmus eingeläutet, zum anderen hielt Helge Schneider seine Laudatio selbst – über ein „sehr gut aussehendes Genie“. Er kam letztlich zu dem Schluss, dass man über sich selbst keine Laudatio halten könne. „Aber ich habe mir gedacht, bevor das jemand macht, der langweilt...“ Als kleine Überraschung hatte der Preisträger außerdem einen Kurzfilm mitgebracht.
Im Anschluss an die Verleihung enthüllte Helge Schneider auf dem Paul-Lincke-Platz in Hahnenklee seine in den Boden eingelassene CD-Autogrammplatte. Obwohl in den Tagen zuvor noch von Zahnschmerzen, Bandscheibenvorfall und Grippe geplagt, ließ er es sich nicht nehmen, am Abend ein spontanes Konzert in Goslar zu geben. „Das hat mir hier jetzt so viel Spaß gemacht, dass ich heute Abend noch mal auf dem Museumsufer spiele“, kündigte Helge Schneider am Ende der Verleihung an und hielt ein kleines Loblied auf Goslar („du Kleinod im Harz“) und den Harz: „Der Harz, der Harz, der hat’s.“