Spannende Diskussionen sind garantiert

Die Frankenberger Winterabende in Goslar sind eine Institution. In diesem Jahr ist unter anderem Dr. Gregor Gysi zu Gast.

Frankenberger Winterabende: Prominente Gäste und brandaktuelle Themen auf der Agenda

Seit Jahren, genauer seit dem Winter 1996/97, sind die Frankenberger Winterabende in Goslar ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Kaiserstadt. Immer wieder gelingt es den Verantwortlichen hochkarätige Referenten aus Politik und Gesellschaft zu gewinnen.
Bereits am Mittwoch erfolgte nun die erste Veranstaltung der diesjährigen Winterabende. Als ersten Gast in diesem Jahr wurde die Buchautorin und Gründerin zahlreicher Projekte Sabriye Tenberken begrüßt. Sie nahm die Gäste mit auf einen Abend voller Ermutigungen der unter dem Titel „Kanthari - Von der Weitsicht der Blinden“ stand. Die Autorin selbst ist seit ihrem zwölften Lebensjahr blind und musste schmerzhaft erleben, wie sehr Menschen mit Beeinträchtigungen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden können. Dieser Abend war vor allem auch aufgrund der aktuellen Inklusions-Debatte in der Bundesrepublik ein interessanter Denkanstoß.
Mit politischer Prominenz geht es in der kommenden Woche weiter, denn am Mittwoch, 7. Oktober, gastiert Dr. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion und Oppositionsführer im Deutschen Bundestag, in Goslar. Der streitbare Rechtsanwalt und Politiker wird in seinem Vortrag auf den Pazifismus eingehen. So werden sich wahrscheinlich noch viele an den so wirkungsvollen und schlagkräftigen Slogan von dem Frieden, der nur ohne Waffen zu erreichen sei, erinnern. Gregor Gysi wird an diesem Abend darüber sprechen, ob diese Aussage inzwischen in die Mottenkiste der ewig Gestrigen zu schieben ist, und es heute nicht heißen müsste: „Frieden schaffen nur mit Waffen - Hat sich der Pazifismus historisch erledigt?“ Dieser Abend und diese Fragestellung dürfte vor allem vor dem Hintergrund der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen sein, die die Weltgemeinschaft aktuell in Atem hält. Am Montag, 16. November wird Miriam Gebhardt von der Universität Konstanz zu Gast sein. In ihrem Buch hat sie festgestellt, dass in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg und an dessen Ende Vergewaltigungen von allen Soldaten vorgenommen wurden. Lange wurde angenommen, dass Vergewaltigungen nur durch Soldaten der Sowjetunion geschehen seien. Das sei jedoch ein großer Irrtum, wie es Gebhardt in ihrem Buch beschreibt. Am Abend des 16. November wird sie der Fragestellung nachgehen: Als die Soldaten kamen - Vergewaltigung als Kriegswaffe.
Den vorläufigen Abschluss der Frankenberger Winterabende bildet am Donnerstag, 26. November, der Besuch von Professor Dr. Eliso Macamo. Der aus Afrika stammende Professor lehrt an der Universität Basel und hat deswegen eine so faszinierende Ausstrahlung, weil er Sprachen und Kulturen nicht nur oberflächlich kennt und versteht sondern in ihrer Tiefe auslotet. Professor Dr. Eliso Macamo wird über die Situation der afrikanischen Flüchtlinge informieren, die unter Todesgefahr nach Europa kommen. Die Europäische Union will das Problem in den Herkunftsländern lösen, aber ist diese Aussage angesichts der Wirtschaftspolitik Europas ehrlich gemeint? Das Thema von Professor Dr. Eliso Macamo an diesem Abend lautet: „Wo Europa die Märkte zerstört - Hintergründe der Flüchtlingstragödie“.
Die Winterabende beginnen jeweils um 20 Uhr im „Kleinen Heiligen Kreuz“, Frankenberger Plan 8. Bei großem Andrang werden die Veranstaltungen in die Kirche verlegt. Ein Eintrittspreis wird nicht erhoben, und auch eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Interessierte können sich einfach zu den jeweiligen Veranstaltungen einfinden.