Theateraufführung in freier Natur

Bis in die Dunkelheit ging die Vorführung.

„Die Innerste“ nach Wilhelm Raabe wird direkt vor Ort aufgeführt

Die Formulierung „überraschend großartig“, die Leo Fuhrmann wählte, trifft wohl ziemlich genau die Meinung der meisten Besucher, die sich auf das „abenteuerliche Theater in der Landschaft“ mit dem Titel „Die Innerste“ nach Wilhelm Raabe eingelassen hatten. Der Student aus Clausthal-Zellerfeld, mit Kommilitone Tobias Seidler zu dieser ungewöhnlichen Inszenierung angerückt, „wusste nicht, was uns erwartet.“

Eine schaurig, schöne Geschichte aus alter Zeit war es, die das aus professionellen und Laien-Schauspielern aufführte, eine Geschichte mit Mystik und Magie, mit Gier, Rachsucht und viel Tod. Doch gelang es den Darstellern doch zumeist und ganz besonders im ersten Teil des Stücks immer wieder eine lustige Seite aufzuwerfen. „Auch Raabe hatte viel Humor“, meinte Ortrud Krause, Museumsleiterin des HöhlenErlebnisZentrums, die sich ebenfalls im Publikum befand, „ich habe die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen.“
Das endete erst zum Finale, das nach einer lustigen Rodelpartie samt Schneeballschlacht dramatisch zuschlug. Mittlerweile war es dunkel, Lichteffekte und die eingespielten Geräusche umso wirkungsvoller. Ganz ohne Effekt allerdings agierte Antonia Tittel, eine der gelernten Schauspieler. Als ihre Figur stirbt, stürzt sie sich mutig in die Innerste und rührt sich nicht mehr im kalten Wasser, bis tatsächlich das Stück zu Ende ist.
„Ganz super“, findet Helga Mai aus Wildemann die Inszenierung. Kulisse und Idee findet sie toll, zudem „hat das eine enorme Vorbereitung benötigt“, wie ihre Begleiterin Inge Hus weiß. Denn mit Klaus Petersen ist ein Bekannter unter den Laiendarstellern. „Seit Mai haben wir bis auf eine Urlaubspause regelmäßig geprobt“, berichtet er, und „das mit steigender Intensität.“ Doch den Aufwand bereut er nicht, denn „es macht uns allen jede Menge Spaß.“
Jetzt starten die Proben für die Aufführungen am 6. und 7. September in Hockeln. Text und Handlung ändern sich zwar nicht, aber „es ist eine ganz andere Location“, weiß Petersen. Wie viel Spaß die Teamarbeit bereitete, belegt nicht zuletzt der Einsatz einer Darstellerin, die sich am Tag der Aufführung den Arm gebrochen hat, am Abend aber dennoch mit Gips in ihre Rollen schlüpfte.
Insofern darf dieses Experiment als durchaus gelungen betrachtet werden. Sicher „herrscht hier eine perfekt passende Atmosphäre und es ist ein idealer Spielort“, wie Leo Fuhrmann meint. Doch gilt das nicht nur für ein Stück, das auch an der Innerste spielt. Vielleicht wird ja noch einmal eine andere Aufführung gewagt und der Platz kann sich für außergewöhnliche Aufführungen etablieren. Es muss ja nicht gleich ein neues Bad Segeberg werden, wie Schauspieler Oliver Dressel in Anlehnung an die Karl-May-Festspiele orakelte.