Thomas Reis begeistert im Bündheimer Schloss

Der Kabarettist Thomas Reis. (Foto: Hoffmann)

Kabarettist nimmt fast die komplette politische Prominenz aufs Korn / Viel Beifall vom Publikum

Willkommen zum ersten „Reis-Parteitag“ in Bad Harzburg. Das war Programm am Samstagabend im Bündheimer Schloss. Der Kabarettist Thomas Reis zündete ein über zweistündiges Wort-Feuerwerk durch sämtliche tages- und weltpolitischen Ereignisse. Gleich, ob es um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ging – was, ich habe ein Haus? - oder um den aktuellen, Joachim Gauck, den Django der Stasi. Ein Politiker ist immer selbstlos, denkt nie an sich. Berlusconi, der schon im Amt war, als einige seiner Mädels noch nicht geboren waren. Aber er hat geblutet – am Kopf. Reis verfiel als nächstes ins Schwäbeln. Schließlich bekommt der erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann einen ganz großen Bahnhof. Der endet 2038 eingleisig. Dazu muss das schöne Stuttgart erst umgesiedelt werden. Dann ist es da, wo heute Pforzheim liegt. Als nächstes nahm sich Reis die katholische Kirche vor.
Ratzinger kämpft inzwischen für Kondome, allerdings noch nicht in voller Länge. Eine Fronleichnamsprozession ist wie ein Christopher-Street-Day. Da laufen Männer mit brennenden Handtäschchen herum. Weihnachten haben uns die Ausländer gebracht. Nikolaus ist ein Türke, Jesus ein Palästinenser. Bitterböser Humor zog sich durch einige Beiträge wie den über Amerikas Art, Energie zu sparen. Als Trost nahm sich der Kabarettist der bald aussterbenden Gattung der Liberalen an. Guido Westerwelle leuchtet irgendwann als Glühwürmchen umher, Möllemann hatte immerhin den Mut zum Fallschirmspringen. Ein wenig streifte Reis auch die Niederungen des normalen Alltags. Egal, ob es sich um Bärchen-Wurst im Cellophansarg oder um angehende Führungskräfte handelt, die mit Buntstiften und Flip-Chart spielen. König Fussball regiert uns. Yogi, der Magier. Das 4:4 gegen Schweden war Magie. Reis verlangte sich und seinen Gästen viel ab.
Ein Mammutprogramm, wie man es von wirklichen Parteitagen her kennt. Ganz unspektakulär stand er da und begleitete seine Reden mit einer unglaublich ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Der Rhetoriker par exellence. Dazu sah er gut aus, würde glatt als Frauenschwarm durchgehen. Jede Pointe saß. Zum Schluss ließ er den großen Vorsitzenden Mao Tse Tung und das DDR-Urgestein Erich Honecker wieder auferstehen. Das Publikum hatte viel zu lachen. Wie im richtigen Leben, gab es auch hier einen Beschluß. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, wir sind Gott. Unser Kabarett ist das Who is Who des Antidiskriminierungsgesetzes. Das Publikum entließ Thomas Reis mit viel Applaus Dagmar Hoffmann