Unbekannter gibt sich am Telefon als Chef aus

Polizei warnt vor neuer Betrugsmasche / Angestellte fällt nicht darauf hinein / Hinweise ins Ausland

Einen aktuellen Fall nimmt die Polizei Goslar zum Anlass, die Firmen im Landkreis Goslar vor einer Betrugsmasche zu warnen, mit der Kriminelle zurzeit versuchen, an Firmengelder zu gelangen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten „CEO-Fraud", frei übersetzt „Geschäftsführer-Betrug".

Am vergangenen Montag meldete sich der angebliche Geschäftsführer einer Goslarer Firma per E-Mail bei der Finanzbuchhalterin des Betriebes. Obwohl die verwendete Mail-Adresse auf den ersten Blick „echt" erschien, fiel der pfiffigen Angestellten recht schnell die andere Wortwahl ihres „Chefs" auf. Dieser versuchte, nach zunächst unverfänglichen Nachrichten, seine Mitarbeiterin zu überreden, eine Geldüberweisung in die Wege zu leiten. Hierbei bat der „Chef" um äußerste Diskretion. In einer weiteren E-Mail wurde über das externe Wachstum und eine Unternehmensübernahme gesprochen, welche über die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abgewickelt werden soll. Um die Bankverbindung zu erhalten, sollte Kontakt zu einer dritten Person, hier einem Franzosen, zu dem der „Chef" auch eine seriös klingende E-Mail Adresse mitteilte, aufgenommen werden. Es wurde ein ausländisches Bankkonto (China) benannt. Im Anschluss sollte ein ausgefüllter Überweisungsträger an den „Chef" übermittelt werden, damit dieser seine Unterschrift hinzufügen kann. Eine konkrete Summe wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt. Der Zeitpunkt der öffentlichen Bekanntgabe der Firmenübernahme sollte am 30. Juni erfolgen. Dies entlarvte den „Chef" endgültig als Betrüger, da der wirkliche Chef nämlich zu diesem Zeitpunkt Urlaub hätte.
Der Fall wurde laut Polizei am Dienstag angezeigt. Umfangreiche Ermittlungen führten schnell zu üblichen Servern im Ausland, über die kriminelle Organisationen im Internet ihre Identität verschleiern. Über verschiedene Anonymisierungsdienste ist es für diese Täter leicht möglich, Telefonnummern und E-Mail Adressen zu generieren, und gleichzeitig dabei unerkannt zu bleiben. In Telefongesprächen lassen sich Beschäftigte ausfragen und erteilen aus Unwissenheit oder mangelnder Sensibilität Auskünfte an Unberechtigte. Dabei missachten sie betriebliche Sicherheitsvorgaben und lassen sich manipulieren. Das Internet mit seinen Suchmaschinen, Berichte in Zeitungen, aber auch die Auskunftsfreudigkeit einiger Unternehmen auf ihren Webseiten oder in Werbebroschüren machen es den Tätern leicht, an teilweise interne Informationen, wie Personaldaten oder Telefonnummern, zu gelangen. Bei dieser Methode gaukeln sie den Mitarbeitern Autorität vor und versuchen, sie unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit und Vorgabe eines wichtigen Grundes zu einer zeitnahen finanziellen Transaktion zu bewegen.
Es kam in diesem beschriebenen Fall dank der aufmerksamen Mitarbeiterin zu keinem finanziellen Schaden. Bundesweit konnten Kriminelle mit dieser Masche jedoch bereits mehrere Millionen Euro ergaunern.