Unfallschwerpunkte nachhaltig entschärfen

Die Verkehrsunfallkommission hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwere Verkehrsunfälle zu vermeiden. Ihre Strategie ist langfristig angelegt, und hat vor allem auch notorische Raser im Blick.

Verkehrsunfallkommission des Landkreises Goslar mit ihrer Strategie sehr erfolgreich / Raserproblem bei Nauen

Schwere Verkehrsunfälle gehören mit zu den größten Gefahren in unserem Alltag. Alleine schon dadurch, dass wir uns täglich, beispielsweise für den Weg zur Arbeit, ans Steuer setzen, begeben wir uns in potentielle Gefahr.

Dies wissen auch die Mitglieder der Verkehrsunfallkommission des Landkreises Goslar, und arbeiten deshalb mit höchster Akribie an der Entschärfung so genannter Unfallhäufungsstellen, sprich Streckenabschnitten wo es besonders häufig kracht.
Die Arbeit dieser Kommission, die aus Vertretern der Polizei, des Landkreises, der Landesbehörde für Straßenbau sowie den beiden Städten Seesen und Goslar besteht, ist langfristig angelegt und vor allem erfolgreich.
In einem Pressegespräch am Dienstag informierten Mitglieder der Kommission welche Maßnahmen zur Entschärfung von Unfallschwerpunkten angewandt werden, und wo aktuell der größte Handlungsbedarf besteht. Ein besonderes Augenmerk legt die Verkehrsunfallkommission bei ihrer Arbeit auf die Motorradfahrer, da sie die größte Risikogruppe darstellen.
Polizeihauptkommissar Sigurd Breustedt, Geschäftsführer der Verkehrsunfallkommission, erklärte gegenüber den Pressevertretern: „Unser wichtigstes Werkzeug ist die Elektronische Unfalltypen-Steckkarte (EUSka), die der Erfassung aller Unfälle in unserem Zuständigkeitsbereich dient.“
Auf der EUSka werden alle Unfälle registriert. Kommt es an einer bestimmten Stelle in einem Jahr zu mindestens fünf, beziehungsweise über einen Zeitraum von drei Jahren zu mehreren Unfällen mit schweren Folgen, wird die Unfallkommission aktiv.
Als Beispiel erfolgreicher Maßnahmen nannte Breustedt unter anderem die Einmündung der B4 zur L600 bei Braunlage, wo der Bau eines Kreisels zu einer deutlichen Entschärfung geführt hat. „In der Regel analysieren wir die Gründe für Verkehrsunfälle auf bestimmten Streckenabschnitten ganz genau, um dann in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden eine praktikable Lösung zu finden“, so Breustedt. Bei den Straßenmeistereien haben die Vorschläge der Verkehrsunfallkommission stets Priorität, wie ein Mitarbeiter der entsprechenden Behörde erklärt.
Viel getan hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Sicherheit für Motorradfahrer. So wurden die Leitplanken entlang der Steilwandstraße bei Altenau, ein Eldorado für Kradfahrer, mit Unterfahrschutz versehen. Eine Maßnahme, die laut Breustedt dazu geführt hat, dass sich „die Verunfallten deutlich seltener schwer verletzt haben.
Große Sorgen bereitet der Verkehrsunfallkommission aber zur Zeit eine andere viel befahrene Strecke im Oberharz. Die Rede ist von der B4 am Kesselberg zwischen Braunlage und Hohegeiß. Dort ist es in jüngster Zeit vermehrt zu schweren Motorradunfällen gekommen, einige mit Todesfolge. Auch dort sollen die Leitplanken mit einem Unterfahrschutz versehen werden. Führt diese Maßnahme nicht zu einer signifikanten Verbesserung, so behält sich die Verkehrsunfallkommission vor, in diesem Streckenabschnitt mit Rüttelasphalt die Situation zu entschärfen. „Der Einbau von Rüttelasphalt, der eine Höchstgeschwindigkeit von rund 50 Stundenkilometern erlaubt, ist jedoch schon ein sehr drastischer Eingriff, und wird bei uns als letzte Maßnahme gesehen“, erklärt Breustedt. Am Kyffhäuser wurde diese Maßnahme übrigens schon erfolgreich verwirklicht. Schilder weisen dort frühzeitig auf diesen Streckenabschnitt hin, so dass die Biker ihr Tempo rechtzeitig drosseln können.
Polizeisprecher Sascha Göritz, ergänzte bezugnehmend auf die Situation mit den Motorradfahrern: „Motorradfahrer sind bei uns herzlich willkommen. Wir wollen mit unserer Arbeit niemanden schikanieren oder in eine bestimmte Ecke drängen. Uns geht es um die Sicherheit, und rund 95 Prozent der Kradfahrer haben dafür auch Verständnis.“
Ihr weiteres Augenmerk legt die Verkehrsunfallkommission auf Geschwindigkeitsüberschreitungen, die häufig ursächlich für schwere Verkehrsunfälle sind. Ins engere Blickfeld ist dabei in jüngster Zeit die B248 bei Nauen gerückt. Seitenradarmessungen in den letzten Wochen haben ergeben, dass sich rund 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer dort nicht an die vorgeschriebenen 100 Stundenkilometer halten. Der Schnellste war vor rund zwei Wochen mit sage und schreibe 216 km/h auf diesem Streckenabschnitt unterwegs. Folglich werden die Maßnahmen zur Geschwindigkeitsüberwachung dort künftig stark intensiviert.
Ein weiteres Problem sehen die Mitglieder der Unfallkommission im Kreuzungsbereich B6/Stapelner Straße. An der Kreuzung, die ins Goslarer Gewerbegebiet Baßgeige führt, häuften sich in letzter Zeit die Auffahrunfälle. Stärkere Kontrollen sollen für die Gefahr sensibilisieren.
Für die Stadt Seesen hatte Petra Borchert von der hiesigen Verkehrsbehörde übrigens äußerst erfreuliche Nachrichten im Gepäck. „Im Zuständigkeitsbereich der Seesener Verkehrsbehörde haben wir gegenwärtig keinen Unfallschwerpunkt zu beklagen“, so Borchert.
Auch einem weiteren Gebiet, den Wildunfällen, wollen die Verkehrsbeobachter künftig noch mehr Bedeutung beimessen. Die so genannte „Wildunfallkommission“ arbeitet eng mit der Jägerschaft zusammen. Ihr Ziel ist die gezielte Bejagung von Wild. Dass sie dabei erfolgreich sind zeigen zwei Drückjagden, die im vergangenen Jahr beim Krähenholz an der B241 durchgeführt wurden. Insgesamt wurden dort 100 Wildschweine erlegt. Seitdem hat sich in diesem Bereich kein einziger Wildunfall mehr ereignet.