Unfallschwerpunkten den Kampf angesagt

Die Verkehrsunfallkommission hat es sich seit Jahren zum Ziel gesetzt, sogenannte Unfallhäufungsstellen zu entschärfen. Hier sitzen die Mitglieder der Kommission vor der Elektronischen Unfalltypensteckkarte (EUSka), das wichtigste Arbeitsinstrument. (Linke Seite): Uwe Zimmermann (Stadt Seesen) und Wolfgang Müller (Stadt Goslar), (rechte Seite): PHK Sigurd Breustedt, Tobias Knak (Verkehrsbehörde des Landkreises) und Thomas Waßmus (Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Verkehrsunfallkommission setzt mit konsequenter Arbeit auf Vermeidung schwerer Unfälle

Die Wahrscheinlichkeit bei einem Flugzeugabsturz oder einer Zugkatastrophe ums Leben zu kommen ist um ein vielfaches geringer als bei einem Verkehrsunfall mit Auto oder Motorrad. Zwar lösen Flugzeugkatastrophen und Zugunglücke in der Regel ein sehr viel größeres Medienecho aus, doch dabei ist es vor allem die tägliche Nutzung von Auto oder Motorrad mit der wir uns in Gefahr begeben.

Gezeigt haben das gerade in der letzten Woche zwei schwere Verkehrsunfälle im Bereich Langelsheim/Lutter auf der Bundesstraße 82 beziehungsweise der Seesener Straße im Verlauf der K 73. Die Folge waren zwei Verkehrstote und ein schwer verletztes Rentnerehepaar.
Aufgrund solch tragischer Unglücke ist die Polizei bestrebt regelmäßig über die Gefahren im täglichen Straßenverkehr zu informieren und sogenannte Unfallhäufungsstellen zu entschärfen. Für letzteres ist seit Jahrzehnten die Verkehrsunfallkommission zuständig, die aus Vertretern der Polizei, des Landkreises, der Landesbehörde für Straßenbau sowie den Verkehrsbehörden der Städte Seesen und Goslar besteht.
Wie Polizeihauptkommissar Sigurd Breustedt, Leiter der Kommission erklärt, stehen die einzelnen Mitglieder über das gesamte Jahr hinweg in regem Kontakt. Einmal jährlich werden dann in einer zweitägigen Sitzung alle Ergebnisse zusammengetragen und ausgewertet. Das wichtigste Werkzeug dabei ist die Elektronische Unfalltypensteckkarte (EUSka), die der Erfassung aller Unfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Goslar dient. Kommt es an einer bestimmten Stelle in einem Jahr zu mindestens fünf Unfällen oder über einen Zeitraum von drei Jahren zu mehreren Unfällen mit schweren Folgen wird die Kommission aktiv.
Im Landkreis Goslar gibt es insgesamt 15 solcher Unfallhäufungsstellen. Im Bereich Seesen ist das die K 58 zwischen Bilderlahe und Rhüden. Dort ist es in den vergangenen Jahren zu drei Unfällen mit Schwerverletzten und sogar einem Unfall mit Todesfolge gekommen. Breustedt sieht die Gefahr auf diesem Streckenabschnitt im dichten Baumbestand: „Wenn ein Autofahrer dort von der Fahrbahn abkommt geht es schon mit einem Wunder zu, wenn er einen Baum verfehlt.“ Aus diesem Grund hat die Unfallkommission beschlossen in diesem Bereich ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern einzuführen und an den Fahrbahnseiten Schutzplanken zu installieren. Darüber hinaus soll die Anzahl der Geschwindigkeitskontrollen erhöht werden. Von diesen Maßnahmen erhofft sich die Kommission eine deutliche Reduzierung der Unfallzahlen. Das Tempolimit beschreibt Breustedt als unausweichlich, da es schon „einen riesigen Unterschied ausmachen kann, ob man mit 100 oder nur 80 Stundenkilometern gegen einen Baum kracht“.
Der Aufbau der Schutzplanken entlang der K 58 soll nach Aussage von Thomas Waßmus von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im kommenden Frühjahr erfolgen.
Sorgen bereitet der Kommission auch weiterhin die B 248 in der Gemarkung Nauen. Zwar sind die Unfallzahlen dort rückläufig, dennoch soll an den Geschwindigkeitskontrollen festgehalten und auch die Beschilderung verbessert werden.
Besonders große Fortschritte wurden im Bereich der Stapelner Straße (B 6) an der Einfahrt ins Gewerbegebiet Baßgeige in Goslar gemacht. Dort hat der neu gebaute Kreisel zu einer deutlichen Reduzierung der Auffahrunfälle geführt und das für die Unfälle ursächliche Staurisiko minimiert.
Rückläufig sind die Unfallzahlen auch auf der Immenröder Straße im Verlauf der B 82. Dort war es regelmäßig zu schweren Abbiegeunfällen gekommen. Wolfgang Müller von der Verkehrsbehörde der Stadt Goslar merkte in diesem Zusammenhang jedoch an, dass die schwindende Zahl der Unfälle auch mit der zwischenzeitlichen Sperrung der Abfahrt von der B 6 zusammenhängen könnte. Unabhängig davon hat die Kommission als Reaktion auf die Unfälle mit Geschwindigkeitskontrollen und einer deutlicheren Beschilderung des Tempolimits geantwortet.
Das besondere Augenmerk der Verkehrsexperten liegt jedoch weiterhin auf der Hauptrisikogruppe – der Motorradfahrer. Gerade im Oberharz kommt es immer wieder zu schweren Unfällen mit Schwerverletzten oder Toten. In den meisten Fällen ist überhöhte Geschwindigkeit die Ursache. Als besonders gefährlich stuft die Kommission dabei die B 4 im Bereich Kesselberg und Torfhausberg, die B 498 im Okertal, die B 242 von Clausthal nach Bad Grund sowie die L 504 von Altenau nach Torfhaus ein. Auf vielen dieser Streckenabschnitte beobachtet die Kommission jedoch einen erfreulichen Unfallrückgang. Dies führt Breustedt unter anderem auf Maßnahmen wie die Installation eines Schutzplankenunterfahrschutzes, die Verbesserung des optischen Verlaufs und Tempokontrollen zurück.
Grundsätzlich werten alle Beteiligten die Arbeit der Unfallkommission als großen Erfolg. So erklärte beispielsweise Uwe Zimmermann, Leiter der Seesener Verkehrsbehörde, dass es zu seiner Anfangszeit in der 80er Jahren im Bereich der Stadt Seesen noch mindestens vier Unfallhäufungsstellen gegeben habe und die Zahl inzwischen auf nur eine reduziert werden konnte. Eine ähnliche Entwicklung skizziert auch Wolfgang Müller aus Goslar. Von ehemals 16 Stellen sind dank der konsequenten Arbeit nur wenige geblieben.
Wie sich das Verkehrsunfall­aufkommen in diesem Jahr entwickelt hat, wird erst im Frühjahr öffentlich. Dann präsentiert die Polizei die Verkehrsunfallstatistik.