Ventus-Quartett aus Salzburg beschert neues Hörerlebnis

Begeisterte: das Ventus-Quartett aus Salzburg. (Foto: Hoffmann)
Die einen fröhnten dem Karneval, die anderen hatten den Weg ins Goslarer Kreishaus zu einem musikalischen Leckerbissen gefunden.
Auf Einladung der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Internationalen Musikfestes gastierte das Ventus-Quartett aus Salzburg. Flötist Moritz Plasse, Isabella Unterer an der Oboe, Markus Hauser am Horn und Christoph Hipper am Fagott präsentierten gemeinsam mit Klarinettist Gábor Lieli einen Querschnitt durch alle Epochen. Gábor Lieli moderierte das Programm.
Das Quartett spielte Joseph Haydns „Choral St.Antoni“ heiter und spritzig. Das bei einem Choral, der doch Ernsthaftigkeit ausstrahlen soll. Haydn schrieb als einer der ersten Komponisten kammermusikalische Werke speziell für Bläserensembles. Sie wurden im 18. Jahrhundert populär, weil Fürsten und Herzöge nach ausdrucksvollerer Musik verlangten. Claude Debussy komponierte seine Pétite Suite ursprünglich für zwei Klaviere.
Das Ventus-Quartett ließ die vier Sätze in wunderschönen Klangfarben entstehen. Hornist Markus Hauser setzte mit seinem Instrument Akzente, Moritz Plasse verlieh einigen Passagen mit seiner Querflöte etwas Keckes. Ferenc Farkas Alte Ungarische Tänze aus dem 17. Jahrhundert gehören zu den am meisten gespielten Werken. Das Ensemble gestaltete diese Tänze flott und beschwingt. Das Beste kam nach der Pause. Die Musiker entfalteten ihr ganzes Können mit Ástor Piazollas Suite aus „Vier Jahreszeiten“ und „Histoires du Tango“. Bekannt ist es als Akkordeon-Version. Das Bläserensemble musizierte die Suite sehr jazzig mit Fingerschnipsen. Ástor Piazolla tauchte vor zwanzig Jahren allenfalls als Zugabe auf. Nun fehlt er bei kaum einem Programm. George Bizets Carmen-Suite war einst schwer auf die Bühne zu bekommen. Die fünf Musiker vom Ventus-Quartett schafften es und machten daraus ein lebhaftes Stück. Rassig der erste Satz, voller Spannung und fast lasziv die berühmte Habanera. Beim letzten Satz, einem Marsch, hätte das Quartett ein ganzes Orchester ersetzen können. Alle haben eine überragende Ausbildung bei renomierten Musikdozenten und teilweise im Salzburger Mozarteum genossen und internationales Ansehen errungen.
Isabella Unterer spielte unter bekannten Dirigenten wie Sergiu Celibidache oder Claudio Abbado. Hornist Markus Hauser ist seit 1997 Mitglied des Mozarteumorchesters und zweiter Hornist in der Salzburger Kammerphilharmonie. Er musizierte mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Kent Nagano oder Laurin Maazel. Christoph Hipper bekam das Diplom mit Auszeichnung und Würdigungspreis des Österreichischen Staates und ist seit 1988 Fagottist der Camerata Salzburg. Die fünf Musiker bescherten dem Publikum ein völlig neues Hörerlebnis. Dafür bekamen sie viel Beifall. Sie bedankten sich mit einer flotten Polka von Benesch Argui. Dagmar Grasemann war mit dem Ventus-Quartett ein großer Wurf gelungen. Sie selbst wurde kürzlich mit dem mit Zehntausend Euro dotierten Ehrenamtspreis der Tess­ner-Stiftung ausgezeichnet.

Dagmar Hoffmann