Viel Klärungsbedarf bei der Energiewende

Die Energiewende ist auch in Seesen zu sehen. Am Schildberg steht seit einiger Zeit ein großer Solarpark. Doch trotz dieser Fortschritte ist die Energiewende noch lange nicht geschafft. Bei den 6. Niedersächsischen Energietagen sollen weitere Strategien erörtert werden.

6. Niedersächsische Energietage starten am 16. Oktober in Goslar mit dem Thema „Welche Weichen müssen gestellt werden?“

Drei Jahre nach der verheerenden Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, und der damit von Kanzlerin Angela Merkel eingeleiteten Kehrtwende bei der Energiewende, ist dieses Thema fest in unserem Alltag verankert.

Befürworter und Kritiker streiten sich seitdem über Sinn und Unsinn der gefassten Beschlüsse oder Letztere behaupten stoisch, dass der zeitlich gesteckte Rahmen für die Umsetzung der Vorhaben nicht ausreicht. Dass diese zum Teil unsachliche Diskussion aber vornehmlich durch verschiedene Interessengruppen (beispielsweise Energieunternehmen) angeheizt wird, fällt unter den Tisch.
Die letzten drei Jahre haben aber nämlich vor allem gezeigt, dass die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende erst nach und nach zu Tage treten, und die mit dem Umbau verbundenen Kosten in der Öffentlichkeit zunehmend kritischer gesehen werden.
In diesem Zusammenhang passt das Thema der 6. Niedersächsischen Energietage, die in der kommenden Woche am 16. und 17. Oktober in Goslar veranstaltet werden, sehr gut zur aktuellen Debatte. In zahlreichen Fachvorträgen und der Arbeit in fünf Fachforen beschäftigen sich die Experten, die auf Einladung des Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) nach Goslar kommen, mit der Energiewende unter dem Titel „Alltag Energiewende – Welche Weichen müssen gestellt werden?“
Schon die Ergebnisse der 5. Energietage, die ebenfalls in Goslar veranstaltet wurden, zeigten, dass die anstehenden langfristigen Investitionsentscheidungen bereits heute einen möglichst sicheren und langfristig stabilen Rahmen erfordern, in welchem die effektivsten und effizientesten Technologien ihren Platz finden können. Ferner waren sich die Teilnehmer schon 2012 darüber einig, dass das Erneuerbare-Energie-Gesetz in seiner jetzigen Form den Übergangsprozess zu einem „neuen“ Energiesystem nicht alleine gestalten kann.
Aus dieser Erkenntnis wurde unter anderem der Schluss gezogen, die bisherige Förderung durch marktwirtschaftliche Elemente zu ergänzen. Die bisherigen Entwicklungen zeigen deutlich auf, dass das deutsche Energiewirtschaftssystem ein umfangreiches neues Design auf allen Ebenen erfordert. Es offenbaren sich immer stärker die vorhandenen Fehlanreize einer stets punktuell, und damit nicht systemisch weiterentwickelten Marktumgebung: Die immer günstiger gewordenen Erneuerbaren verdrängen beispielsweise hocheffiziente GuD-Kraftwerke vom Markt, so dass die erforderliche Reservehaltung mehr und mehr von wirtschaftlich attraktiven Kohlekraftwerken erbracht wird. Ein nicht funktionierender Handel mit CO-2-Verschmutzungszertifikaten verstärkt die Entwicklung in diese der eigentlichen Energiewende nicht förderlichen Richtung.
An dieser Stelle setzen die 6. Niedersächsischen Energietage mit dem Titel „Alltag Energiewende – Welche Weichen müssen gestellt werden?“ an. Mit dem Ziel der weiteren Förderung des erforderlichen gesellschaftsübergreifenden Dialogs sind im Rahmen des Plenums am 16. Oktober Redner der Landespolitik, der Wirtschaft und der Wissenschaft geladen, die aus ihrer jeweiligen Sicht anstehende Herausforderungen und dringende Weichenstellungen der Energiewende darlegen. Hier steht unter anderem die Frage im Vordergrund, welche marktlichen Elemente in das Energiewirtschaftssystem integriert werden müssen. Abgerundet wird der erste Tag durch einen Abendvortrag des Ehrenpräsidenten der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.
Vertiefend finden am 17. Oktober Fachforen zu den Themen Offshore-Windenergie, Gasnetze und Integration erneuerbarer Energien, Energiewende zu Hause und vor Ort, Geothermie und Untergrundspeicher sowie zur deutschen Energiewende im europäischen Kontext statt. Im Sinne der Förderung eines gesellschaftsübergreifenden Dialogs kommen auch hier jeweils Redner aus den unterschiedlichen, von der Energiewende betroffenen Bereichen zu Wort.
Die Niedersächsischen Energietage werden seit 2007 durchgeführt und haben das Ziel, Fachleute und Interessenten aus Gesellschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzuführen, um den transdisziplinären Dialog zur Energiepolitik zu fördern.
Das ausführliche Programm und weitere Informationen rund um die 6. Niedersächsischen Energietage sind im Internet unter www.energietage-niedersachsen.de einsehbar.