Viele Musikfreunde in der Stephanikirche

Die jungen Musiker begeisterten ihre Zuhörer in der Stephanikirche.

Nachwuchsmusiker begeistern Zuhörer

Trotz Niedersachsentag hatten sich in der Stephanikirche viele Musikfreunde eingefunden. Neun ausgewählte Nachwuchsmusiker, die sich bei Prof. Elisabeth Kufferath und Prof. Arie Vardi neuen Schliff geholt hatten, erlebten ihre Sternstunde.

Mit dabei Nick Weiler am Akkordeon als Preisträger des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“. Er eröffnete ein ganz besonderes Programm mit Astor Piazollas „Libertango“. Einen Aussetzer an seinem Instrument kommentierte Weiler mit einem charmanten Lächeln. Dann zeigte er, was mit dem Akkordeon alles möglich ist. Noch einmal den Libertango. Mit Eberhard Ludwig Wittmers „In einem alten Dom“, erzeugte Weiler einen schönen Orgelton. Flott musizierte er auch Paul Desmonds „Take five“, ein oft gehörtes Stück.
Die dreizehnjährige Tanja Zhou an der Violine und Hiroko Arimoto am Klavier gestalteten „Introduction et Rondo Capriccioso op. 28“ von Camille Saint-Saens. Zhou verlieh dem kleinen Werk durch sehr differenziertes Spiel etwas Luftig-Heiteres, zuweilen Verspieltes. Wäre nicht Arimotos solider Klavierpart gewesen, hätte das Stück zu kapriziös ausfallen können. István Lajkós Beitrag war Kontrastprogramm. Wuchtig und mit viel Pathos interpretierte der Pianist Franz Liszts „Legende Nr. 2“. Er verinnerlichte damit sehr überzeugend den religösen Grundgedanken, der dem Komponisten wichtig war. Mit einem strahlenden Lächeln verbeugte sich Quilin Sun, ehe sie am Klavier Frédéric Chopins „Berceuse op. 57“ zu Gehör brachte. Sie gestaltete es als kleine Träumerei mit vielen Trillern.
Ein wenig Kirmesatmosphäre gab es dann doch noch. Konstanca Dyulgerova, Francesca Fierro, Heejun Han und Weixin Zhou spielten zu acht Händen Albert Lavigancs „Galop Marche für Klavier“. Das gab es noch nie. Die vier Musiker hatten sichtlichen Spaß und erhielten viele Bravorufe und Applaus. Nach der Pause bedankte sich Musikfestchefin Dagmar Grasemann bei ihrem Team Elisabeth Keese, Monika und Gert Wölfert und Astrid Lenger sowie bei den Damen vom Zonta-Club St. Barbara ganz offiziell mit einem Blumenstrauß. Eine tolle Geste, die viel Beifall fand.
Norbert Anger brillierte am Violoncello mit Johannes Brahms viersätziger Sonate für Klavier und Violoncello in F-Dur op. 99. Energisch und vehement im ersten Satz über einen etwas ruhigeren zweiten, dann mit den lebhaften Allegri passionate und molto interpretierte er das Werk in seiner ganzen Farbigkeit. Als nächstes kam Claude Debussys Sonate für Klavier und Violoncello mit ruhigem erstem Satz, unruhig flirrendem zweiten und leidenschaftlichem Finale ganz klassisch daher. Pianistin Julia Golkhovaya unterlegte Angers lebhaftes Spiel mit ausgeprägter Harmonik. Der Abend endete, wie er begonnen hatte, mit einem Tango. Norbert Anger und Julia Golkhovaya spielten Astor Piazollas wohl berühmtesten, den Grand Tango mit viel Leidenschaft und Tiefe.
Bravo-Rufe und viel Applaus gab´s für die beiden wie auch alle anderen Musiker. Alle traten zum Finale noch einmal vor das Publikum. Anger spielte auf einem Violoncello von Andrea Guarneri, auf dem einst Ludwig Hoelscher gespielt hatte. Es ist das Auswahlinstrument, auf dem er sich für den ARD-Wettbewerb im nächsten Jahr vorbereitet. Seit diesem Jahr unterrichtet er als Assistent von Prof. W. E. Schmidt an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Julia Golkhovaya errang 2010 das begehrte Stipendium des Deutschen Musikwettbewerbs und wurde in die 55. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler aufgenommen. Zurzeit ist sie Lehrbeauftragte für Korreptition an der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf.