Viele Privathaushalte von Schulden geplagt

Im Landkreis Goslar wissen überdurchschnittlich viele Privathaushalte nicht mehr wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. (Foto: Gabi Eder / Pixelio)

Schuldnerquote liegt im Kreis Goslar deutlich über Bundesdurchschnitt / Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden

Die Überschuldung der Bundesbürger stagniert laut einem aktuellen Bericht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf einem sehr hohen Niveau. Im Landkreis Goslar ist jeder zehnte Haushalt betroffen und die Tendenz weist sogar eine leichte Steigerung auf.
Die Gründe für Schulden sind vielfältig. Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder ein überbordendes Konsumverhalten bringen viele Menschen in finanziell schwierige Situationen, aus der sie sich ab einem bestimmten Zeitpunkt beziehungsweise Schuldenstand nicht mehr aus eigener Kraft befreien können.
Bundesweit liegt die Schuldnerquote bei 9,8 Prozent. In vielen Ortschaften der Landkreise Goslar und Osterode wird diese Quote aber deutlich überboten. Absolute Spitzenreiter sind die Orte Braunlage, Zorge und Teilbereiche der Kaiserstadt Goslar. In Braunlage sind laut den Daten der Creditreform Goslar 18,23 Prozent der Haushalte überschuldet. Ähnlich gestaltet sich die Lage auch in Zorge (15,83 Prozent), Wieda (14,75 Prozent), Wildemann (14,74 Prozent) und Altenau, wo 14,76 Prozent der Haushalte überschuldet sind.
Die Lage in der Stadt Seesen ist zwar auch nicht rosig, doch mit 12,78 Prozent überschuldeter Haushalte, liegt die Sehusastadt im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis noch im Mittelfeld. Auch die Samtgemeinde Lutter steht mit einer Schuldnerquote von 10,1 Prozent noch verhältnismäßig gut da. Die geringsten Schulden hat die Wirtschaftsauskunftei für Liebenburg errechnet. Dort wird mit rund 9,4 Prozent sogar der Bundesschnitt unterboten.
Im Landkreis Osterode ist es die Ortschaft Badenhausen, die den niedrigsten Schuldenstand aufweist. Dort sind 9,9 Prozent der Haushalte nicht mehr in der Lage ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. In der Kreisstadt Osterode liegt die Schuldnerquote bei 11 Prozent. In Bad Grund liegt sie mit 13,87 Prozent wieder etwas höher.
Grundsätzlich zeigt die aktuelle Studie, dass sich die Belastungen durch Schulden in den vergangenen Jahren erhöht haben. Dies beobachtet auch die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks in Goslar. Wie Schuldnerberater Stefan Matwijiszyn gegenüber der Goslarschen Zeitung erklärte ist die Beratungsnachfrage unverändert hoch. Rund 850 Schuldner suchen die Einrichtung pro Jahr auf.
Bei den Gründen für die Überschuldung sieht Matwijiszyn laut Bericht der GZ aber nicht allein die Schuldner in der Pflicht. „Die Aggressivität des Verkaufens wird immer größer, es wird maßlos verkauft.“ Deshalb sieht er auch den Handel und die Banken, die mit attraktiven Finanzierungsangeboten zum Kauf verführen in der Pflicht.
Häufig sei es nämlich, dass vermeintlich geringen monatliche Raten die Konsumenten überhaupt erst dazu verleiten sich für ein Produkt zu entscheiden, was eigentlich ihren finanziellen Spielraum übersteigt.
Die Schuldnerberatung beim Diakonischen Werk ist für Ratsuchende unter der Rufnummer (05321) 393610 erreichbar.