Wenig junge, dafür viele alte Menschen

Im Landkreis Goslar ist jeder vierte Bewohner über 65 Jahre alt. Ein Trend, der den Kreis vor große Probleme stellen wird. (Foto: Rainer Sturm /pixelio.de)

Im Landkreis Goslar ist jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt

Es ist nicht neu, dass der Landkreis Goslar besonders stark vom demografischen Wandel betroffen ist. Kreis auf kreis ab bilden sich nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Vereinsfunktionären tiefe Sorgenfalten auf der Stirn, blicken sie auf die Altersstruktur in ihren Kommunen respektive Vereinen.
Diese besorgniserregende Entwicklung beschreibt nun auch eine Auswertung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen auf Grundlage der Daten des Zensus 2011 für die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen und Wolfsburg.
In ihrer Untersuchung haben die Experten vom statistischen Landesamt zentrale Merkmale zur Bevölkerung sowie zu Gebäuden und Wohnungen in der Metropolregion gemacht. In der Metropolregion leben demnach knapp 3,8 Millionen Menschen. Das entspricht annähernd der Hälfte der gesamten niedersächsischen Bevölkerung.
Wie das Landesamt für Statistik in diesem Zusammenhang weiter mitteilt, gehören neben den namensgebenden Zentren weitere 15 niedersächsische Landkreise, darunter auch der Kreis Goslar, sowie die Region Hannover und die kreisfreie Stadt Salzgitter der Metropolregion an.
Laut den Auswertungen der Statistiker sind im Landkreis Goslar 26,3 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Dies wird nur noch vom Kreis Osterode getoppt, wo die Zahl der über 65-Jährigen bei 26,6 Prozent liegt. Demnach ist jeder vierte Einwohner in den Regionen Goslar oder Osterode älter als 65 Jahre.
Auf der anderen Seite sieht das Bild auch nicht besser aus. So liegt die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Landkreis, ebenfalls bezogen auf die Metropolregion, rund 2,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt (16,5 Prozent). In den Gemeinden und Städten des Kreises sind nur 14,2 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahren.
Im Landkreis Gifhorn zählten die Experten hingegen den höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen. Dort haben 19,1 Prozent der Einwohner das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet.
Auch bei den Wohngebäuden liegt der Landkreis in Sachen Alter vorne. So wurden rund 37 Prozent aller Wohngebäude vor dem Jahr 1950 erbaut. Der Kreis Northeim liegt mit 37,3 Prozent nur knapp dahinter. Insgesamt gibt es im Bereich Goslar 40.485 Wohngebäude, die in der Regel ein bis zwei Wohnungen enthalten.
Die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund im LK Goslar liegt bei 4,9 Prozent und unterscheidet somit nicht von Zahlen vegleichbarer Verwaltungseinheiten.
Recht positiv ist die Erwerbsstatistik im Kreis Goslar. Von den 140.137 Einwohner sind 67.310 Personen im erwerbsfähigen Alter. Gemessen an der Gesamteinwohnerzahl sind demnach 45,1 Prozent der Menschen in Lohn und Brot. 4.600 Einwohner haben aktuell keinen Job. Mit 71.850 Menschen (51,6 Prozent) ist die Mehrheit der Bevölkerung noch nicht beziehungsweise nicht mehr im erwerbsfähigen Alter.



Kommentar: Der Landkreis steht vor kaum lösbaren Problemen

Das nun unter neuer Betrachtungsweise aufbereitete Zahlenmaterial des Landesamtes für Statistik Niedersachsen vom Zensus 2011 fördert keine wirklich neuen Erkenntnisse zutage. Dennoch zeigen die Daten, dass der Landkreis Goslar in puncto demografischer Wandel besonders arg gebeutelt ist. Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Vielmehr ist schon jetzt davon auszugehen, dass die Schere zwischen jungen und alten Menschen immer weiter auseinanderklaffen wird.
Der Landkreis steht deshalb vor kaum lösbaren Problemen. Zum einen, weil eine alternde Bevölkerung ganz andere Bedürfnisse hat als eine junge, und die für diese Bedürfnisse erforderlichen Strukturen in den kommenden Jahren erst noch geschaffen werden müssen. Zum anderen, weil durch den fehlenden Nachwuchs das gesellschaftliche Leben nach und nach vollständig zum Erliegen kommen wird. Schon heute haben beispielsweise viele Feuerwehren das Problem, geeigneten Nachwuchs zu finden, den sie nach Durchlaufen von Kinder- und Jugendwehr auch langfristig an sich binden können. Dies wird zwangsläufig dazu führen, dass Ortsfeuerwehren entweder aufgelöst beziehungsweise mit denen aus Nachbarorten zusammengelegt werden. Welche Auswirkungen dies im Einsatzfall haben wird, möchte ich mir heute noch gar nicht ausmalen. Des Weiteren werden die örtlichen Strukturen noch stärker verfallen. Sporthallen werden verwaisen, Spielplätze vergammeln, Schulen schließen und die letzten verbliebenen Läden ihre Schotten dicht machen. Diese Entwicklung wird auch nicht von einer noch so gut gemeinten Politik gestoppt werden können, die immer wieder versucht, Aufbruchsstimmung zu erzeugen.
Denn wenn wir ehrlich sind, helfen uns bei diesen düsteren Aussichten auch langfristig keine Fusionen, sondern es bleibt nur die Hoffnung, dass uns der Himmel ganz viele Arbeitsplätze schickt, Fachkräfte zu uns pilgern, die so fertil sind und der Region einen nachhaltigen Kinderboom bescheren.


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