Wenn Jäger nicht schießen dürfen

Wenn Füchse an Räude erkranken deutet dies darauf, dass es eine Überpopulation gibt. In der Gemeinde Hahausen macht nun ein „Räudiger Fuchs“ von sich Reden.

Räudiger Fuchs sorgt in Hahausen für Aufregung / Sabine Pohl kann den Fuchs nicht leiden sehen

Sabine Pohl aus Hahausen hat seit einigen Tagen ein Problem mit einem Fuchs. Das Tier besucht sie fast täglich, streunt durch ihren Garten oder sitzt auf dem Balkon. Grundsätzlich wäre das nicht schlimm. Das Tier wirkt nicht aggressiv und es ist nicht ungewöhnlich, dass Füchse im Winter auf der Suche nach Ess­barem oder einem warmen Plätzchen in Wohnsiedlungen herumlaufen, wie Peter Hoffmann, Mitglied in der Jägerschaft Seesen auf Nachfrage bestätigte.
Das Problem mit dem Fuchs, das Sabine Pohl umtreibt, ist eine vermutlich schwere Erkrankung des Tieres. Der Fuchs hat Räude, eine Milbenerkrankung, die schweren Juckreiz hervorruft und zum vollständigen Ausfall des Fellkleides führt. Im kalten Winter, wenn die Wildtiere umso mehr auf ihr wärmendes Fell angewiesen sind, verenden die Tiere an dieser Krankheit kläglich.
Die ersten Symptome zeigen sich durch Haarausfall an der Rute des Fuchses. Sabine Pohl hat diese Anzeichen bei ihrem tierischen Besucher entdeckt und deshalb den Kontakt zur Hahäuser Tierärztin Simone Klatt aufgenommen. Gemeinsam haben sie überlegt, wie der Fuchs von seinem Leid erlöst werden kann.

In Wohnsiedlungen ruht das Jagdrecht

Ihren ersten Anlauf unternahmen sie bei der Seesener Polizei. Diese teilte den beiden Frauen mit, dass der Jagdpächter für das Erlegen oder das Einfangen des Fuchses zuständig sei. Da Hahausen ein relativ kleiner Ort ist, wo eigentlich jeder jeden kennt, nahmen Klatt und Pohl Kontakt zu Karl-Friedrich Flügge, einem bekannten Jäger in der Ortschaft auf.
Flügge teilte den besorgten Frauen mit, dass in einer bebauten Ortschaft das Jagdrecht ruht, und er deshalb nicht einfach mit dem Gewehr losziehen kann. Die gleiche Information erhielt Sabine Pohl auch beim Ordnungsamt des Landkreises Goslar, was dazu führte, dass sie sich nicht verstanden fühlte. Simone Klatt wendete sich schließlich an den „Beobachter“ um klären zu lassen, wer in solchen Fällen zuständig ist und wer die Kosten für die Beseitigung des Fuchses am Ende zu tragen hat.
Eine Anfrage bei Landkreis-Pressesprecher Dirk Lienkamp, der daraufhin die Vorgänge in der Verwaltung überprüfte, ergab, dass alle bisher Beteiligten, also die Beamten der Polizei, der Mitarbeiter vom Ordnungsamt sowie Karl-Friedrich Flügge richtig gehandelt haben.
„Der Bereich ist ein so genannter befriedeter Bezirk. Dort ruht das Jagdrecht. Eine Ausnahmegenehmigung ist aufgrund der nicht abschätzbaren Gefahren die vom Schuss­waffengebrauch ausgehen können nicht zulässig“, so Lienkamp. Ausnahmen können bei Grundstücken die an Waldrändern liegen erteilt werden. Beispielsweise bei einer Wildschweinplage.
Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren aber nicht, wie es Sabine Pohl zunächst vermeintlich zu Recht vermutete, untätig. Der zuständige Mitarbeiter setzte sich, so skizzierte es Dirk Lienkamp, mit Karl-Friedrich Flügge und Dieter Voskuhle, dem verantwortlichen Jagdpächter, in Verbindung. Letzterer sagte nun zu, Fallen zu besorgen, mit denen der Fuchs eingefangen werden kann um ihn anschließend zu töten.

Über 50 Füchse
wurden bereits erlegt


Im Gespräch mit dieser Zeitung machte Peter Hoffmann, stellvertretender Hegeringsleiter Seesen/Langelsheim und Luchsbeauftragter in der Jägerschaft Seesen deutlich, dass es die Jäger im Bereich Hahausen gegenwärtig mit einer Überpopulation an Füchsen zu tun haben. „Wir haben bereits über 50 Füchse auf den Feldern und im Wald geschossen. Trotzdem konnten wir die Lage noch nicht vollständig unter Kontrolle bringen“, erklärt Hoffmann.

Räude deutet auf Überpopulation hin

„Räude“, das schildert Dieter Voskuhle, „ist immer ein klares Zeichen dafür, dass es zu viele Füchse gibt. Gerät die Population aus dem Ruder tritt Räude vermehrt auf.“ „Das Problem, so der Jagdpächter weiter, „hängt auch mit den Interessen der Forst zusammen.“ Die Forst befürwortet eine Vielzahl an Füchsen. Diese dezimieren nämlich die Anzahl der Mäuse, die Buch­eckern und Eicheln fressen, und so der gewünschten Verjüngung des Waldes im Weg stehen.
Das Problem mit den an Räude erkrankten Füchsen zieht aber noch weitere Kreise. Fallen die Füchse der Krankheit zum Opfer, ist der Luchs zur Stelle und frisst die kranken Tiere auf. In der Folge wird auch er mit der Milbenerkrankung infiziert. Ein Teufelskreis.
Nun soll aber zumindest Sabine Pohl mit ihrem Problem geholfen werden. Der Fuchs soll eingefangen werden. Ein schwierige Aufgabe, da es der Fuchs vermutlich vorzieht sich einen warmen Platz in einer Scheune oder ähnlichem zu suchen. Sollte er aber auf weiter Flur entdeckt werden, dann können die Jäger auch wieder zum Gewehr greifen.
Die Kosten des Falleneinsatzes und die Beseitigung des Kadavers muss Sabine Pohl auf jeden Fall nicht fürchten.