„Willkommen im Land der Bekloppten“

Der FFN-Comedystar Dietmar Wischemeyer gastierte bereits zum zweiten Mal in Bad Harzburg. Mit seinem neuen Programm „Deutsche Helden“ holte er zu einem klischeebeladenen Rundumschlag aus. (Foto: Hoffmann)

FFN-Comedystar Dietmar Wischmeyer begeistert Publikum in Bad Harzburg mit neuen Solo-Programm

Der FFN-Comedystar Dietmar Wischmeyer gas­­­tierte auf Einladung des Kulturklubs zum zweiten Mal in Bad Harzburgs guter Stube. Im Rahmen seines Soloprogramms „Deutsche Helden“ vergoss er Spott und Häme über alles politisch Korrekte und Gutmenschentum.
Schon der harmlose Julio Eglesias-Song mit seltsamen Untertönen versetzte das Publikum im ausverkauften Schloss in allerhöchste Erwartung. Dann kam Wischmeyer auf die Bühne, verlas sein Programm mit herrlich dröger Stimme. „Willkommen im Land der Bekloppten“.
Er räsoniert darüber, dass es keine Utopien mehr gibt. Dennoch steuern wir einem großen Ideal entgegen. Es ist alles reglementiert. Kein Ort, wo nicht irgendwo eine Drohne schwebt und uns überwacht.
Dann ein Hieb gegen die moderne Welt des Managements. Was machst du, wenn du rausgeflogen bist? Du wirst Power-Seller bei Ebay für Whiskas-Rückläufer. Die Freizeit verbringt man in irgendwelchen Selbsterfahrungskursen. „Lebe wild und unersättlich“. Karl-Theodor zu Guttenberg trinkt zum Frühstück nur ökologisch korrekten Kaffee. Otto Normalverbraucher führt auf dem Supermarktparkplatz tiefschürfende Gespräche mit 60-jährigen Frührentnern über Geländewagen. „Mein Bengel hat den gebaut“. Stimmt nicht, der ist in Argentinien gebaut. Tja, dann entgeht man nicht dem Terror beim Einkaufen, nichts geht ohne Zusatzangebote. „Brauchen Sie einen Stift zur Karte?“, flötet ein gepiercter Schnabel bei McPaper. Bald gibt es hoffentlich nur noch Kassen ohne Bio-Adapter.
Alice Schwartzer putzt in ihrem Frauenturm ein MG 42, um schnell noch in der Kölner Südstadt ein paar Männer umzulegen. Das Gefühl der guten alten Zeit retten. Selbst die Rocker brauchen irgendwann einen Rollator.
Zwischendurch setzte sich Wischmeyer Motorradhelm und Brille auf, erzählte nuschelnd Geschichten aus dem kleinen Tierfreund. Das Rotkehlchen Jürgen steht im Garten und erwehrt sich der streunenden Katze. Rehbock Dietrich findet die Kleine ziemlich scharf, und Oberförsters Drahthaar guckt hinterher. Die passenden Bilder gab´s via PowerPoint.
Nach der Pause kam Wischmeyer als Treckerfahrer Günter auf die Bühne. In entsprechendem Outfit. Das Publikum war restlos begeistert. Heute ist der erste Frühlingstag, da werden die Synapsen der rechten Gehirnhälfte ausgeknipst. Auf dem Campingplatz Eichelhähergrung herrscht Ordnung. Über den herrscht Gauleiter Horst-Adolf mit seinen zwei Rottweilern Heckler und Koch.
Niedersachsen ist plötzlich so groß wie Vorderasien, der Nil wird zur A7. Als Bauer kannst du die Gülle in die Grube schütten, kannst machen was du willst und bekommst dafür Geld aus Brüssel.
Der heilige Vater ist Gott, nicht etwa der Spuckopa, der gekündigt hat. Jesus verliebt sich in Nina Hagen. Die ist zwar von der Resterampe der Sinnsuchenden, darf trotzdem offizielles Mitglied werden. Wer ist gut, wer ist böse? Irgendwie ist jeder ein deutscher Held.
Wischmeyer bediente alle Klischees. Die Zuschauer applaudierten frenetisch, forderten eine Zugabe. Die kam in Form eines kleinen Films von Kurt und Ferkel. Einen Gag hatte Wischmeyer zum Schluss parat. Mit der usbekischen Nationalhymne verabschiedete er sich und gab anschließend Autogramme.