Winterzeit ist Einbruchszeit

Das gekippte Fenster oder die Terrassentür sind beliebt bei Einbrechern, um sich Zugang zu verschaffen. (Foto: Polizeiliche Kriminalprävention)

Goslarer Polizei klärt über Gefahren auf und rät im Zweifel immer den Notruf 110 zu wählen

Jetzt in der Winterzeit, wenn bereits gegen 17 Uhr die Dämmerung einsetzt, steigt gewöhnlich auch die Zahl der Wohnungs- und Hauseinbrüche. Wenngleich die Bürger im Landkreis Goslar relativ sicher leben, so kommt es auch hier immer wieder zu Einbrüchen, die den Opfern schwer zusetzen und ihnen das Gefühl von großer Unsicherheit bescheren.

Diesem Unsicherheitsgefühl möchten die Beamten der Polizeiinspektion Goslar entschlossen entgegentreten, weshalb sie sich zum wiederholten Mal am bereits vierten Tag des Einbruchsschutzes beteiligen, der am Sonntag bundesweit veranstaltet wurde. Das Präventionsteam der Goslarer Polizei um Günter Koschig möchte es aber nicht bei einer eintägigen Aktion belassen, sondern über einen längeren Zeitraum über die Möglichkeiten des Einbruchsschutzes informieren. Zu diesem Zweck haben die Polizisten im Eingangsbereich des Cineplex in Goslar einen Informationsstand eingerichtet. Unterstützung erfahren die Beamten dabei von Jill und Florian Wildmann, Betreiber des Kinos.
Günter Koschig und Polizeipressesprecher Reiner Siemers standen am Freitag der Presse für Fragen zur Verfügung und erklärten, dass es der Polizei vor allem darum gehe „Sicherheit zu verkaufen“. „Mit der Aktion im Kino wollen wir Hemmschwellen abbauen, wir wollen die Bürger in einer entspannten Freizeitsituation auf unsere Arbeit aufmerksam machen, und ihnen verdeutlichen, dass wir auf ihrer Seite stehen und sie sich mit ihren Ängsten und Sorgen an uns wenden können“, skizziert Präventionsexperte Günter Koschig die Intention.
An dem Informationsstand im Cineplex, der dort die nächsten drei Wochen stehen wird, liegen für die Bürger Informationsbroschüren bereit, die erklären wie man sich vor Einbrüchen schützen kann. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es natürlich nicht, es gibt aber durchaus Mittel, die auch mit einem schmaleren Geldbeutel zu realisieren sind“, erklärt Koschig.
Es muss also nicht gleich die teure Alarmanlage mit Aufschaltung zur Polizei für mehrere Tausend Euro sein. Sehr effektiv seien beispielsweise Absprachen mit den Nachbarn. „Es hat sich bewährt, Nachbarn mit der Beaufsichtigung der Wohnung oder des Hauses zu beauftragen, wenn man beispielsweise im Urlaub weilt. So etwas kann aber natürlich auch im Alltag nützlich sein. In der Regel wissen die Nachbarn, wer in die Straße gehört und wer nicht. Bei Unregelmäßigkeiten kann ein Anruf bei der Polizei nie schaden. Wir werden das in jedem Fall überprüfen“, sagt Polizeisprecher Siemers.
Koschig gibt über die Nachbarschaftshilfe hinaus den Ratschlag, niemals Fenster geöffnet oder gekippt zu lassen, sobald die Wohnung oder das Haus verlassen wird. „In der Hauptsache verschaffen sich Einbrecher über gekippte Fenster oder Terrassentüren Zugang. Es kommt nur sehr selten vor, dass Scheiben eingeschlagen werden, da in solchen Fällen das Verletzungsrisiko zu hoch ist“, erklärt Günter Koschig.
Hilfreich sei es auch, das Radio laufen zu lassen oder akustische Signale, die für wenig Geld im Fachhandel gekauft werden können, einzusetzen. „Ein laufendes Radio oder das Bellen eines Hundes, dafür gibt es spezielle Geräte, können Einbrecher von ihrem Vorhaben bereits abschrecken. So etwas vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und ist auch nachweislich effektiv“, erläutert der Goslarer Präventionsprofi.
Hoch im Kurs in Sachen Einbruchsschutz stehen auch verschließbare Fenster, obwohl das eher in die Kategorie der teuren Sicherheitsmaßnahmen eingeordnet werden kann, und vor allem in Mietwohnungen mitunter nur schwer umzusetzen sein dürfte. „Ein verschließbares Fenster bietet relativ verlässlichen Schutz“, sagt Siemers, „da Statistiken zeigen, dass Einbrecher, haben sie ein Schloss oder ein Fenster nicht binnen fünf Minuten überwunden, von ihrem Vorhaben ablassen und das Weite suchen.“
Sinnvoll ist nach Aussage Koschigs auch das Erstellen einer Inventarliste: „Können Einbruchsopfer mit Fotos dokumentieren, was ihnen abhanden gekommen ist, ist auch eine Regulierung durch die Versicherung oder im Idealfall auch ein Auffinden der Beute einfacher“.
Dennoch seien es in erster Linie nicht die materiellen Schäden, die Einbruchsopfer belasten. „Der gestohlene Fernseher oder das geklaute Bargeld sind ersetzbar. Die Opfer quält meist die Vorstellung, dass ein Fremder in ihren persönlichen Räumen war und persönliche Dinge durchwühlt hat. Dieses Gefühl des Unbehagens kann sogar so weit führen, dass es für die Opfer unerträglich ist, weiterhin in ihren vier Wänden zu leben.“
Auch in solchen Fällen steht die Polizei mit Rat und Tat zur Seite. Koschig in seiner Funktion als Opferhelfer beim „Weißen Ring“ steht gerne für persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung.
Grundsätzlich, und das ist wohl der allerwichtigste Hinweis von Koschig und Siemers, ist der beste Schritt stets der Anruf bei der Polizei. „Wenn sie etwas komisches beobachten, einen Einbrecher in ihrer Wohnung haben oder Opfer eines Einbruchs geworden sind, versuchen sie es nicht auf eigene Faust. Wählen sie in jedem Fall den Notruf 110, so dass sich die Profis der Polizei um die Sache kümmern können. Dafür sind wir da “, so der klare Appell von Koschig und Siemers.
Einbrüche treffen übrigens alle Schichten der Gesellschaft. Dabei spielt es keine Rolle, ob vor dem Haus der Porsche oder ein Polo geparkt wurde. In der Regel werden Einbrüche von ausländischen, organisierten Verbrecherbanden durchgeführt. Nur sehr selten machen sich Gelegenheitsdiebe an Häusern oder Wohnungen zu schaffen. Aus diesem Grund haben die Polizisten auch relativ geringe Fahndungserfolge vorzuweisen. „Nach einer Einbruchsserie setzen sich die Banden wieder schnell ins Ausland ab, was einen Zugriff der Polizei erschwert“, so Koschig.