Zeitungszustellerin wird zur Lebensretterin

Von links: Aktionsfotografin Heike Göttert, Polizeichef Thomas Brych, Preisträger Uwe Skupin, Polizeipräsident Harry Döring, Preisträgerin Gisela Herrmann, Geretteter Jens Hellstöm, GZK-Koordinator Günter Koschig und Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk.

Goslarer Zivilcouragepreis 2011 verliehen / Gisela Herrmann und Uwe Skupin sind die beiden Preisträger

Goslar (bo). Wieder einmal hieß es in der Kaiserstadt: Goslar zeigt Gesicht! In einer beeindruckenden Feierstunde in der Hauptschule Kaiserpfalz wurde nun bereits zum zweiten Mal der Goslarer Zivilcouragepreis verliehen. Damit wurde erfolgreich die Goslarer Zivilcouragekampagne (GZK) fortgesetzt. Diese war mit einer Auftaktveranstaltung im Oktober 2010 gestartet worden. Seitdem läuft die Kampagne mit ihren 55 Aktionsteilnehmenden, Kinospots, Plakaten und Filmen. Diese sei bundesweit einmalig und werde durch Projekte in Schulen, unter anderem mit Zivilcouragetrainings, begleitet, sagte der Braunschweiger Polizeipräsident Harry Döring. Er ließ es sich nicht nehmen, der Aktionsfotografin Heike Göttert vom Photogeno-Studio Goslar mit einem Blumenstrauß für ihr ehrenamtliches Engagement zu danken.
Als Austragungsort für die Preisverleihung hatte sich die Jury der GZK bewusst eine Schule ausgesucht, denn Zivilcourage sei eine Aufgabe aller Generationen, der Großen wie der Kleinen.
Schon durch die einleitenden Worte Gerd Niehus’ von der Goslarschen Zeitung wurde den zahlreich erschienenen Schulkindern der sechsten Klasse der Hauptschule klar: „Nein zu sagen ist viel mutiger als mitzumachen! Zivilcourage – das ist, sich einzumischen, freiwillig zu helfen, und das ganz ohne Eigensinn.“
Für diese Zivilcourage wurden für 2011 zwei mutige Goslarer durch Thomas Brych, Leiter der Polizeiinspektion Goslar, der Goslarer Zivilcouragepreis verliehen: Gisela Herrmann hatte einem Schwerverletzten das Leben gerettet. Als Zeitungszustellerin hatte sie in den frühen Morgenstunden auf der Mühlenstraße in Goslar den gestürzten Jens Hellström aufgefunden und über Notruf 110 Hilfe organisiert. Aufgrund seiner lebensbedrohlichen Kopfverletzung musste er mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden. Ohne das schnelle Eingreifen der Preisträgerin wäre er laut Ärzten wohl gestorben.
Der zweite Preisträger, Uwe Skupin, hatte maßgeblich geholfen, einen Bankraub aufzuklären. Im Juni hatte Skupin beobachtet, wie ein Bankräuber in ein Fluchtfahrzeug gestiegen war. Über die Nennung des Autokennzeichens hatte er der Polizei den entscheidenden Täterhinweis gegeben.
„Mit diesen zwei geehrten Preisträgern wird mir nicht nur warm ums Herz, sondern es zeigt auch: hier in Goslar wohnen Menschen, die helfen, die sich engagieren, und das macht unsere Stadt auch aus“, so Polizeichef Brych.
Zum Abschluss der Feierstunde konnte das neueste Mitglied der Kampagne vorgestellt werden. Auch der frisch gewählte Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk zeigt nun Gesicht, denn „Zivilcourage ist unabhängig vom Zeitalter“. Junk bei der Bildübergabe: „Diese Kampagne hat soviel Kraft und hat mich sehr beeindruckt. Ihre bundesweite Wirkung sorgt außerdem dafür, dass Goslar eine positive Ausstrahlung entfaltet.“
Spontan ergriffen schließlich die Schüler die Möglichkeit, ihrem Oberbürgermeister Fragen zu stellen und machten damit deutlich: Auch die Kleineren in Goslar haben Zivilcourage und scheuen sich nicht, vor versammelter Mannschaft das Wort zu ergreifen.
Die Polizeiinspektion Goslar hatte in Kooperation mit dem Weißen Ring, namentlich Außenstellenleiter Günter Koschig, Partner für ihre Zivilcouragekampagne gefunden. Gemeinsam wurde eine Fotoserie aufgelegt, die prominente Gesichter der Stadt, aber auch überregionale Vertreter mit der eingehenden Forderung abbildet: „Schau nicht weg, zeig’ Gesicht und ruft bei Gefahr 110!
Die Initiatoren zeigen sich nach wie vor davon überzeugt, dass diese öffentlichkeitswirksame Maßnahme zur Stärkung der Zivilcourage im Landkreis Goslar dient. Dabei werden auch die Inhalte der Initiative der Polizei www.aktion-tu-was.de transportiert.