Alles steht bereit für die fliegenden Damen

Skisprungexperten: Eckard Friedrich Heike Horack (Skiclub Wernigerode und Europameisterin Skispringen der Ü30) Dennis Weilmann Joachim Krebs sowie sowie Nachwuchsspringerin Annika Rüscher, die hier auf den Händen von Helmut Reichertz die korrekte Haltung (Foto: Kluge)

In Braunlage findet am 15. und 16. Januar der Continental-Skisprung-Cup statt

Braunlage. Strahlender Sonnenschein, kaum Wind und Temperaturen im einstelligen Minusbereich: Am Fuße des Wurmbergs in Braunlage herrschten Freitag ideale Bedingungen zum Skifliegen. Doch stand dort erst die Präsentation einer Kooperation zwischen dem Continental-Cup Damen-Skispringen und der Frauen-Fußball-WM statt.

Von Camillo Kluge

„Beide Sportarten stehen im Schatten der Herren-Disziplinen“, so Joachim Krebs, Pressesprecher des Continental-Cups. Doch nehme bei beiden die Akzeptanz der Medien und der Öffentlichkeit weiter zu. Das war auch der Auslöser für Krebs, sich an den Deutschen Fußball-Bund zu wenden und die Idee einer Kooperation aufzubringen. Mit dem WM-Spielort Wolfsburg, der neben einem Viertelfinale und der Vorrundenpartie Mexiko gegen England auch die Topspiele zwischen Brasilien und Norwegen sowie den USA und Schweden zugelost bekam, stellte sich nun ein Kooperationspartner vor.
Mit Dennis Weilmann war der Leiter des WM-Büros Wolfsburg vor Ort. „Wir wollen beim Skispringen Werbung für die WM machen“, ist klar, wie eine Richtung der Kooperation fruchtet. „Wir überlegen derzeit, wie wir in Wolfsburg und in der VW-Arena auf das Damenspringen aufmerksam machen können“, gestand er aber auch, dass es nicht ganz so einfach sei, sich gegenseitig zu fördern.
Frauenfußball und das Damenspringen seien nicht nur Frauensportarten, die immer mehr in den Fokus rücken, sondern hätten vergleichbare Zielgruppen. In Braunlage fand nun der Auftakt der gemeinsamen Auftritte statt. Zur Après-Ski-Party wird das WM-Büro Wolfsburg einen WM-Kampagnen-Pavillion mit Aktionen wie Torwandschießen aufbauen.
Das Damenspringen selbst, das im letzten Jahr vom Sturmtief Daisy bis auf ein paar Trainingssprünge verweht wurde, soll am 15. und 16. Januar über die Wurmbergschanze gehen. Dabei werden die Helfer erstmals entlastet. Denn der Landkreis Goslar hat dank der Initiative von Landrat Stephan Manke, der gemeinsam mit Osterodes Landrat Bernhard Reuter die Schirmherrschaft für das Damenspringen hat, dem ausrichten WSV Braunlage einen Pistenbully zur Verfügung gestellt. „Dieser spezielle Bully kann den Steilhang präparieren, was wir sonst mühsam mit 40 Helfern in Handarbeit erledigen mussten“, freute sich WSV-Vorsitzender Eckard Friedrich. Zudem verriet Friedrich, sollte auch in der Saison 2011/12, in der auch bei den Damen der Weltcup eingeführt wird, Braunlage ein Springen ausrichten, dies dann automatisch ein Weltcup-Springen würde.
Braunlages Sprungtrainer Helmut Reichertz hält das Damenspringen für sportlich gleichwertig zu den Herren. „Technisch sind die nicht schlechter“, ist er überzeugt. Im vergangenen Winter wagten sich einige Damen trotz des Sturms an einen Trainingssprung, erzielten dabei sogar Weiten von über 90 Metern. „Ich glaube, das hätten sich einige Männer nicht getraut“, so Reichertz. Mit Annika Rüscher war in Ermangelung aktueller Athleten, die derzeit in Skandinavien springen, ein Nachwuchstalent des WSV vor Ort. Während die Neunjährige darauf hoffen darf, dass sie einmal, so sie erfolgreich im Damenspringen wird, bei Olympischen Winterspielen starten darf, ist dieser Zug für Heike Horack abgefahren. Doch die Springerin des SC Wernigerode, die diesen Sport erst seit vier Jahren betreibt, ist immerhin Ü30-Europameisterin und beweist, dass man für das Skispringen nie zu alt ist.
Optimismus herrscht beim WSV bezüglich des Wetters am Springwochenende. Und sollte es tatsächlich wieder Wetterkapriolen geben und das Springen ausfallen, ist der WSV jedoch abgesichert. „Wir haben Rückhalt in Gemeinde und Kreis, sonst könnten wir das nicht riskieren“, so Friedrich, der den „Rückhalt“ einer Bürgschaft ähnlich beschreibt. Ideal wäre Wetter wie gestern: Sonnenschein und kaum Wind.