Bekommt der Harz eine zweite Chance?

Ob es im kommenden Winter wieder ein hochklassiges Skispringen gibt, ist äußerst fraglich

Keine Frage, das COC-Springen der Damen am Wochenende auf der Wurmbergschanze war ein Erfolg. Zuschauer und Athleten waren genauso begeistert wie auch der internationale Skiverband FIS. „Die haben uns und die Veranstaltung sehr gelobt“, verriet Eckard Friedrich, 1. Vorsitzender des Ausrichters WSV Braunlage. Auch die Helfer waren zwar alle sehr müde, aber auch sehr zufrieden. Und dennoch: Ob es kommenden Winter wieder ein hochklassiges Springen im Harz geben wird, ist äußerst fraglich.

Von Camillo Kluge

Braunlage. „Es wird zwei Damen-Weltcupspringen in Deutschland geben“, verrät Friedrich den Stand der Dinge, „am 6. und 8. Januar.“ Ob dieser Termin, der nur in einigen Bundesländern noch in den Weihnachtsferien liegt, geeignet ist, mehr als die insgesamt nur knapp 1200 zahlenden Zuschauer auf den Wurmberg zu locken? Teams und Athletinnen waren zwar auch von dieser Kulisse und dem gesamten Drumherum sehr begeistert, doch springen die Damen ja sonst auch vor nahezu leeren Rängen. Was nicht unbedingt verwundert, wenn man das extreme Leistungsgefälle bedenkt. Zwischen den Weiten der besten und der schwächsten Springerin liegen pro Sprung gut und gerne 30 Meter. „In Hinterzarten sprangen die Damen an einem Mittwoch, und trotz freiem Eintritt verloren sich nur etwa 200 Zuschauer an der Schanze“, weiß Friedrich zu berichten.
2009 fand das letzte Herrenspringen am ersten Wochenende im Januar statt und lockte an einem Tag um die 3000 Zuschauer an. Die Frage ist, ob dies für ein Weltcupspringen ausreichen würde, denn die Kosten steigen gleich um ein Vielfaches. „Selbst in diesem Jahr war es für den Verein ein Minusgeschäft“, sagt Friedrich. Ein Weltcupspringen würde die Kosten explosionsartig nach oben treiben. Als Beispiel nennt Friedrich die Kosten für das Fernsehen. Die Produktion der bewegten Bilder muss der Ausrichter nicht nur selbst organisieren, er muss auch selbst für den Vertrieb der Fernsehbilder sorgen. „Dafür werden Fachleute mit speziellem Material benötigt, die entsprechende Kosten verursachen“, weiß Friedrich. Auch das Athletenzelt würde den dann steigenden Anforderungen nicht mehr entsprechen. Die Zufahrt für die Zuschauer müsste besser werden, genauso müsste für die Medien viel mehr Platz geschaffen werden.
Dass der Verein dafür die eigenen Reserven angreift, kommt nicht in Frage. „Die Beiträge und sonstigen Einnahmen sind vor allem für die Jugendarbeit bestimmt, da gibt es keine Diskussionen“, so Friedrich. Anfang April will der WSV endgültig mitteilen, ob kommenden Winter ein hochklassiges Skispringen auf dem Wurmberg über den Bakken gehen wird. Bis dahin wird noch nach einem oder mehreren Sponsoren gesucht, die sich bereit erklären, das am Ende klaffende finanzielle Loch zu stopfen. Zudem kommt eben auch ein großer Mehraufwand in der Organisation, und ein größerer Helferstab würde auch benötigt. Insofern verwundert es nicht, dass Friedrich sagt: „Im Moment sieht es nicht so aus, als würden wir ein Weltcup-Springen austragen.“
Alternativ bliebe lediglich ein größeres Jugendspringen oder ein Springen aus der Deutschland-Pokal-Serie. Das wäre dann mit minimalem Aufwand zu stemmen, würde allerdings auch weder Zuschauer noch großartig neue Sponsoren locken. So ist im Moment zu befürchten, dass in naher Zukunft kein hochklassiges Springen mehr auf dem Wurmberg zu bestaunen sein wird, denn, so Friedrich, „Was man nicht bezahlen kann, kann man nicht durchführen.“