Ko-Schlag in der 90. Minute

Moslehe lässt sich zu weit abdrängen anstatt früher den Abschluss zu suchen.

Regionalliga Nord: Goslarer SC unterliegt zu Hause FC St. Pauli II mit 0:1

In der 90. Minute den Ko-Schlag zu bekommen, ist bitter. Besonders, wenn selbst vorher die Riesenchance da war, die Partie zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Diese harte Erfahrung machte jetzt in der Regionalliga der Goslarer SC gegen den FC St. Pauli II, wo Gäste-Stürmer Lennart Thy in der Schlussminute per Kopf die drei Punkte aus der S-Arena entführte.
Dabei fing der GSC gut an, legte gleich los wie die Feuerwehr. Die Partie war keine 30 Sekunden alt, da hatte Corvin Behrens, einer der besten beim GSC an diesem Tag, gleich die erste große Chance. Doch sein Schuss aus der Drehung strich etwa einen halben Meter über das Tor. Eine gute Viertelstunde konnte der GSC den Druck aufrecht halten, ehe die Zweitliga-Reserve das Spiel weiter vom eigenen Strafraum fernhalten konnte. „Da fehlte der letzte Pass, das Quäntchen Glück“, monierte GSC-Trainer Frank Eulberg später. Vor allem Justin Eilers machte viele Meter umsonst in der Spitze, weil eben die Pässe etwas zu lang oder zu ungenau kamen und auch die Hamburger Hintermannschaft um Hauke Brückner gut aufpasste.
So blieben packende Torraumszenen in der Partie absolute Mangelware. Der Gast hatte sogar seine erste echte Torchance erst in der 40. Minute. Die Abwehr bekam den Ball nicht sauber geklärt, fast von der Torauslinie kam die Flanke halbhoch, doch Thy am kurzen Pfosten setzte den Kopfball knapp daneben, Nico Lauenstein im GSC-Kasten wäre machtlos gewesen.
Doch im Gegenzug hatten die gut 200 Anhänger der Kaiserstadt-Kicker den Torschrei schon auf den Lippen. Robin Himmelmann im Tor der Gäste konnte einen verdeckten Schuss von Behrens nur nach vorne abklatschen, Mazan Moslehe bekam den Ball direkt auf den Kopf, doch passend zu seiner Leistung an diesem Tag setzte er den Ball neben den Kasten. Insgesamt auf drei Positionen versuchte Eulberg Moslehe in der Partie in Szene zu setzen. Im Hinspiel war er der entscheidende Mann gewesen, hatte sogar vom St.-Pauli-Anhang Szenenapplaus erhalten, diesmal lief nichts zusammen. Als Rechtsaußen rannte er sich immer wieder fest, später im offensiven Mittelfeld agierte er ebenso unglücklich, traf falsche Entscheidungen, und am Ende in der Spitze hatte er auch noch einmal eine Großchance, ließ sich aber nach außen drängen und vergab.
In der zweiten Hälfte übernahm St. Pauli mehr und mehr das Heft. Doch die gute Innenverteidigung mit Kai-Fabian Schulz und Blerim Rrustemi ließ wenig zu. Auch Slavomir Lukac machte, zumindest was die Defensiv-Arbeit angeht, einen guten Job als Vertretung von Tim Rubink. Dennoch „Pauli hat das gut gemacht, uns immer mehr unter Druck gesetzt“, zollte Eulberg der Gästeleistung Respekt. So konnte auch Lauenstein zwei Mal sein Können beweisen. Das wollte Justin Eilers in der 75. Minute auch. Aus der eigenen Hälfte gestartet marschierte er mit Ball auf Himmelmann zu, Garrit Golombek lief rechts mit. Der Pauli-Keeper wartete an der Strafraumgrenze auf Eilers, der mit einem Lupfer den Keeper düpieren wollte. Doch statt ins Tor schippte er den Ball in des Torwarts Arme. „Eine völlig falsche Entscheidung“, war Eulberg noch Stunden später sauer. Ausspielen oder Abspielen hätten wohl zum Erfolg geführt, aber „nicht ein Lupfer auf so einem Platz.“
Und so kam es, wie es kommen musste. Konter in der Schlussminute der Hamburger, eine schöne Flanke des starken Rechtsverteidigers Christopher Braun auf Thy, der per Kopf ins lange Eck traf. In der Nachspielzeit hatte zwar Behrens die letzte Chance, aber wie schon bei der allerersten strich sein Schuss über das Pauli-Tor. „Eine bittere Niederlage, die tut richtig weh“, klagte Eulberg, der sich auch bestätigt sah, „dass der Klassenverbleib noch lange nicht sicher ist.“

Ergebnis: Goslarer SC – FC St. Pauli II 0:1 (0:0)
Goslarer SC: Nico Lauenstein – Slavomir Lukac, Kai-Fabian Schulz, Blerim Rrustemi, Peter Endres – Mirhudin Kacar – Mazan Moslehe, Karsten Fischer, Tezcan Karabulut (55. Garrit Golombek), Corvin Behrens – Justin Eilers (78. Steve Ridder)
FC St. Pauli II: Robin Himmelmann – Christopher Braun, Hauke Brückner, Steffen Heinemann, Lasse Schlüter – Dennis Duve, Marcel Andrijanic – Marco-Kemo Kranich, Andre Michael Lämmerhirt (59. Erdogan Pini), Robert Subasic – Lennart Thy.
Tore: 0:1 Thy (90.)
Beste Spieler: Schulz, Behrens – Thy, Braun, Duve
Schiedsrichter: Frederik Listner (Mielkendorf), Henning Deeg, Malte Göttsch
Zuschauer: 230
Gelbe Karten: Eilers, Kacar - Pini