„Vergangene Saison hätten wir verloren“

GSC-Keeper Nico Lauenstein hatte nur wenig Gelegenheiten, sich auszuzeichnen und musste dafür auch schon mal weit aus seinem Kasten. (Foto: Kluge)

Oberliga Niedersachsen: Goslarer SC bezwingt Eintracht Nordhorn mit 2:1 Toren

VonCamillo Kluge,Goslar

Routinier Slavomir Lukac brachte auf den Punkt, warum der Goslarer SC am Samstag wenigstens für 24 Stunden die Tabellenspitze der Oberliga erobert hatte. „Vergangene Saison hätten wir solch ein Spiel verloren, diese Saison gewinnen wir sie“, brachte er das Beste am 2:1 (0:0) über Eintracht Nordhorn auf den Punkt. Auch die etwa 200 Zuschauer dürften GSC-Trainer Manfred Wölpper nicht widersprechen, der vom „schmutzigen Sieg“ sprach.
Dabei deutete im Vorfeld alles auf einen klaren Erfolg der Kaiserstadt-Kicker. Nordhorn auswärts erschreckend harmlos, der GSC zuletzt spielerisch vom Feinsten und auch in der Spitze treffsicher. Vielleicht wäre die Partie ja auch diesen Vorstellungen gemäß verlaufen, hätte Tim Rubink seinen Kopfball in der dritten Minuten zehn Zentimeter tiefer gedrückt bekommen, statt der Latte somit ins Netz getroffen. So aber rannte Goslar gegen eine dichte Nordhorner Abwehr an, die sich offensichtlich fest vorgenommen hatte, die rekordverdächtige Serie von 1:17 Tore aus den letzten vier Auswärtsspielen nicht in die Höhe zu schrauben. Das gelang den Gästen auch ganz gut, und zu allem Überfluss konnten sie auch noch vereinzelt Nadelstiche gegen die Hausherren setzen.
Der GSC wurde an diesem sonnigen Nachmittag hingegen immer unruhiger, fahriger und hektischer. Von dem zuletzt so brillanten Kombinationsfußball war herzlich wenig zu sehen. Von der allgemeinen Hektik ließ sich zu allem Überfluss auch die eigentlich sattelfeste Abwehr anstecken und brockte sich durch Unachtsamkeit, Lässigkeit oder auch nur Unkonzentriertheit einige gefährliche Situationen selbst ein.
Normalform erreichte eigentlich nur Mirhudin Kacar, dem es trotz seiner Ballsicherheit, seiner meist guten Übersicht in der Spieleröffnung und seiner Zweikampfstärke dennoch nicht gelang, das auf seine Mitspieler zu übertragen. Wille und Ehrgeiz waren zwar da, doch das reichte nicht.
„Da ist zu wenig Biss“, maulte Wölpper von der Bank seine Mannen an. Auch Alawie bekam seinen persönlichen Raunzer vom Trainer. „Machst du noch mit?“ rief er dem bulligen Stürmer zu, als er einen Weg zu wenig machte. Vielleicht hatte er sich da für den kurzen Sprint geschont, der nur drei Minuten später zum 1:0 führte. Nach einem Freistoß landete der Ball nach Kopfballduell genau in den Lauf von Alawie, der sich nicht nur durch zwei Gegenspieler auf dem Weg zum Tor nicht aufhalten ließ, sondern auch raffiniert an dem guten Gästekeeper André Lange vorbei einschob (62.).
Das Déjà-vu der tristen Nullnummer wie gegen Langenhagen war also abgewendet, doch Sicherheit und Ruhe brachte die Führung nicht. Und dann erzielte Nils Höting mit einem Schuss aus 18 Metern auch noch den Ausgleich. Ein Treffer, der haltbar schien, als wäre er dem sonst so sicheren Nico Lauenstein unter dem Körper durchgerutscht. Genau gesehen hatte es niemand, da Lauenstein im Schatten stand während kurz hinter seinem Fünf-Meter-Raum der Platz in gleißendem Sonnenschein lag. „Er schien haltbar“, mutmaßte auch Lukac. Auch das Lauenstein nach dem Schlusspfiff schnell in der Kabine verschwand, sprach für diese Theorie.
So war alles wieder auf Anfang gesetzt und letztlich war es nur dem unbedingten Willen und enormen Einsatz von Filip Sajbidor zu verdanken, dass doch noch der Sieg gelang. Einen eigentlich verlorenen Ball erkämpfte er sich auf dem Boden liegend vom Gegner, behauptete die Kugel und drang vom linken Flügel in den Strafraum der Gäste ein. Dort bediente er überlegt den mitgelaufenen und blank stehenden Jörn Winkler, der zum Siegtreffer in den Ball rutschte. „Ohne Filips Einsatz hätten wir das nicht mehr gewonnen“, war auch Wölpper überzeugt. Jetzt freuen sich alle auf das Spitzenspiel kommenden Freitag in Cloppenburg.


Goslarer SC: Nico Lauenstein – Tim Rubink, Slavomir Lukac, Alessandro Caruso, Peter Endres (60. Nils Pölzing) – Mirhudin Kacar, Blerim Rrustemi (53. Tezcan Karabulut) – Filip Sajbidor, Muhamed Alawie, Corvin Behrens – Justin Eilers (80. Winkler).

Tore: 1:0 Alawie (62.), 1:1 Höting (72.), 2:1 Winkler (85.)

Schiedsrichter: Stefan Haupt (Wennigsen)

Zuschauer: 200