Wölfe unterliegen im Showdown den Beach Boys

Die Wölfe um Kapitän Stefan Bilstein (weiß) mussten sich trotz aller Bemühungen den Timmendorfer Beach Boys um Torschütze Moritz Meyer (rot) geschlagen geben.
 
Riesiger Jubel: Die Timmendorfer stürzen sich zum Jubeln auf Torwart Matthias Rieck.
Es hat nicht sollen sein... Den Harzer Wölfen blieb nach einer sensationellen Aufholjagd und 14 Siegen in Folge die Krönung verwehrt. Im „Showdown“ um den zweiten Meisterrundenplatz in der Eishockey-Oberliga Nord gegen den direkten Konkurrenten EHC Timmendorfer Strand 06 unterlagen die Wölfe vor weit über tausend Zuschauern mit 1:5 (0:3, 1:0, 0:2).
Die Rahmenbedingungen für das Endspiel um den zweiten Platz hätten besser nicht sein können. Das Wurmbergstadion war gefüllt wie schon lange nicht mehr, kurz vor Spielbeginn sorgte ein Schneeschauer für das richtige Harzer Eishockeygefühl, 1500 Wunderkerzen beim Mannschaftseinlauf sorgten für Gänsehautatmosphäre. Die Wölfe, bei denen Andreas Bippus aus beruflichen Gründen fehlte, ließen sich davon zunächst beflügeln und hatten in einer doppelten Überzahlsituation die Chance zur Führung. Dann aber folgte der erste Rückschlag für den ESC. Der überragende Timmendorfer Patrick Saggau angelte sich an der eigenen blauen Linie den Puck, zog davon und überwand Wölfe-Goalie Mario D'Antuono zum 0:1 (5.). Stefan Bilstein hatte kurz darauf die Chance zum Ausgleich, verpasste mit der Rückhand den Winkel jedoch um Zentimeter. Besser machten es die Gäste: Zwei Überzahlspiele münzten sie in zwei Tore um, Ralf Rinke (9.) und Saggau (12.) trafen. Beide Male wirkte der in dieser Saison so starke D'Antuono etwas unglücklich. Wölfe-Coach Bernd Wohlmann nahm umgehend eine Auszeit, seine Mannschaft kämpfte mit viel Herz um den Anschluss und hatte gute Möglichkeiten. Matthias Rieck im Timmendorfer Tor ließ sich jedoch nicht überwinden.
Auch im zweiten Drittel zeigten beide Teams weiterhin Play-Off-Eishockey mit hoher Intensität. Zuschauen musste zu diesem Zeitpunkt bereits ESC-Verteidiger Alois Öttl. Nach einem Foul von Rinke blieb Öttl mit einer Knieverletzung liegen, inzwischen wurde eine Beschädigung im Bereich des Innenbands diagnostiziert. Rinke kam nur mit einer Zwei-Minuten-Strafe davon, fällig wäre jedoch eine Spieldauerstrafe gewesen. Trotz der Schwächung drängten die Harzer auf den ersten Treffer. In der 33. Minute war es schließlich Nick Pitsikoulis, der das Stadion erbeben ließ. Dass das Glück an diesem Abend jedoch nicht mit den Wölfen im Bunde war, wurde in der 38. Minute deutlich. Benjamin Schulz hatte aus spitzem Winkel abgezogen, der Puck prallte an den Pfosten, sprang von dort Rieck an die Schoner, kullerte Richtung Tor und blieb praktisch auf der Linie liegen.

Statt auf ein Tor herangekommen zu sein wurden die Gastgeber zu Beginn des Schlussabschnitts kalt erwischt. Moritz Meyer verwertete nach 91 Sekunden einen Konter zum 1:4, als Marcus Klupp in Überzahl gar zum 1:5 traf (45.), war die Begegnung entschieden. Unter den Jubelgesängen ihrer über 150 mitgereisten Fans brachten die Beach Boys die Partie sicher nach Hause. Die Feier vor dem Gästeblock fiel mit dem Schlusspfiff entsprechend euphorisch aus, selbst Trainer Andris Bartkevics wagte einen Siegestanz. Den Harzern war die Enttäuschung dagegen ins Gesicht geschrieben, einige Spieler hatten gar mit den Tränen zu kämpfen. Die „Cinderella-Story“ der Saison, die unfassbare Aufholjagd des ESC mit 14 Siegen in Serie blieb am Ende ohne ihr Happy End.
„Die Sterne standen heute auf unserer Seite. Wir waren etwas cleverer und hatten das glücklichere Händchen. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir heute fast die komplette Mannschaft beisammen, das war eine der Grundvoraussetzungen“, sagte anschließend der vor Freude strahlende Timmendorfer Trainer Bartkevics. Wölfe-Trainer Wohlmann war trotz der Niederlage nicht völlig niedergeschlagen: „Wer den Showdown gewinnt, der hat den Einzug in die Endrunde auch verdient. Timmendorf hat es sich verdient! Das Spiel hat sich bei einigen Kleinigkeiten entschieden. Wir haben in Überzahl nicht getroffen, Timmendorf schon. Dennoch haben wir seit zwei Monaten überragendes Eishockey gezeigt, dass wir es überhaupt bis in dieses Endspiel geschafft haben, ist eine Riesenleistung der Mannschaft.“
Auch wenn die Wölfe die Meisterrunde verpasst haben, so ist die Saison noch nicht beendet. In der Relegationsrunde gibt es für den ESC noch ein großes Ziel zu erreichen: Der Sieger dieser Runde erhält einen Platz im DEB-Pokal. Die Braunlager spielen in einer Gruppe mit den Wedemark Scorpions, dem Hamburger SV und dem Adendorfer EC, ehe es im Anschluss im Vergleich mit den Besten der Parallelgruppe (Hannover Braves, Hamburg Crocodiles, Weser Stars Bremen) um den DEB-Pokal-Startplatz geht. Das erste Spiel bestreiten die Wölfe am Samstag bei den Wedemark Scorpions, der weitere Spielplan folgt.

Tore: 0:1 P. Saggau 4-5 4:43, 0:2 R. Rinke (T. Saggau, Klupp) 5-4 8:54, 0:3 P. Saggau (Maronese, T. Saggau) 5-3 11:12, 1:3 Pitsikoulis (Pipp, Fichtl) 32:04, 1:4 Mo. Meyer (P. Saggau, Herrmann) 41:31, 1:5 Klupp (Maronese, P. Saggau) 5-4 44:03
Strafen: Harzer Wölfe 24 + 10 Bilstein – EHC Timmendorfer Strand 20
Zuschauer: 1204

Harzer Wölfe: D'Antuono (T. Bannach) – Öttl, Fichtl, Noob, Hinz, Kähm – Schock, Pitsikoulis, Pipp, Schulz, Bilstein, Meridian, Bauer, Pape, Eichler, R. Bannach