Eine urchristliche Aufgabe

Pastorin Claudia Falkenreck-Wünsche (rechts im Bild) referierte beim Hahäuser Frauenfrühstück am Samstagmorgen über die Besonderheiten, Chancen und Grenzen seelsorgischer Begleitung.

Pastorin Claudia Falkenreck-Wünsche referiert beim Frauenfrühstück über Seelsorge im Krankenhaus

Für Claudia Falkenreck-Wünsche war es eine etwas ungewohnte Situation beim Frauenfrühstück in Hahausen. Sie war als Referentin geladen und räumte gleich zu Beginn ihres Vortrages ein, dass sie etwas nervös sei. Zwar ist sie es gewohnt vor großem Publikum zu sprechen, schließlich ist sie Pastorin in den evangelischen Kirchengemeinden Bornhausen, Mechtshausen und Bilderlahe, doch war das Thema zu dem sie am Samstagmorgen sprach ein besonders sensibles und intimes.

Neben ihrer Arbeit als Pastorin ist Claudia Falkenreck-Wünsche nämlich noch als Seelsorgerin mit einer halben Stelle in den Seesener Asklepios-Kliniken aktiv. Und genau über diese Arbeit referierte sie an diesem Morgen. Im Vorgespräch mit dem „Beobachter“ verriet die dreifache Mutter, dass ihre Arbeit im Krankenhaus der Schweigepflicht unterliege, sie eigentlich im Stillen arbeite, und es deshalb ungewohnt ist über diese Tätigkeit zu sprechen. Freilich gab sie keine Details über Patienten oder bestimmte Schicksale preis, vielmehr referierte sie über die Besonderheiten, Chancen und Grenzen die diese Aufgabe der seelsorgischen Begleitung mit sich bringen. Zur optischen Unterstützung dieses komplexen Themenbereichs hatte die Pastorin das Internationale Logo der Krankenhausseelsorge mitgebracht. Das Logo, ein sanftes Kreuz in dessen Zentrum aus dem abgeschnittenen Spross eine Blume erwächst symbolisiert Leben und Gesundheit. „Ein Zeichen der Hoffnung“, wie es Falkenreck-Wünsche beschreibt.
Gespannt lauschten die zahlreichen Frauen, die sich zuvor an einem großzügigen Frühstücksbuffet gestärkt hatten, den mit bedacht gewählten Worten der Bornhäuser Pastorin. Claudia Falkenreck-Wünsche begann ihren Vortrag mit einigen Fakten zum Seesenser Krankenhaus. Sie berichtete, dass das Einzugsgebiet der Klinik sehr groß sei und sogar schon Patienten aus Dubai die Reha-Abteilung des Hauses nutzten.
Und natürlich sind in den Asklepios-Kliniken nicht nur Menschen evangelischen Glaubens anzutreffen, sondern auch Juden, Muslime oder Katholiken. Aus diesem Grund arbeitet Falkenreck-Wünsche konfessionsübergreifend und spendet auch Menschen anderer Religionen Zuversicht, Trost und Hoffnung.
Die Grenzen der seelsorgischen Begleitung nahmen einen großen Teil des Vortrages ein. „Mit dem Tod“, so die Pastorin, „ende zwar etwas, dieses Ende beinhalte aber auch immer die Chance für etwas Neues.“ Ähnlich verhalte es sich auch mit dem Neustart nach schwerer Krankheit. Mit solchen Aussagen richtete die Referentin auch immer wieder den Blick auf das Symbol der Krankenhausseelsorge, das auf ihrem Rednerpult Platz fand.
Ein weiterer besonderer Teil ihrer Aufgabe als Krankenhausseelsorgerin, die in den Asklepios-Kliniken von Belegschaft und Chefetage hoch angesehen ist und unterstützt wird, ist nach Aussage der Pastorin, die Erkenntnis das Menschen in schweren Lebenslagen viel Kraft und Zuversicht aus dem Glauben schöpfen. Dieses Bekenntnis zum Glauben deutet Falkenreck-Wünsche als Gottesbeweis. „In schweren Situationen gibt der Glaube an Gott den Menschen Halt. Der Glaube stärkt sie, gibt der Seele Kraft“, erläuterte die Seelsorgerin.
In den Asklepios-Kliniken ist die Bornhäuserin nicht nur Ansprechpartnerin für die Patienten sondern auch für die Mitarbeiter. So kommt es vor, dass Krankenschwestern oder Pfleger von einem Schicksal derart berührt sind, dass sie Unterstützung oder Rat suchen. Die hohe Anerkennung, die der Arbeit von Claudia Falkenreck-Wünsche beigemessen wird, zeigt sich beispielsweise auch daran, dass eine Chefarztvisite nach hinten verschoben wird, damit ein vertrauliches Gespräch in Ruhe zu Ende geführt wird. „Ein Umstand, der in vielen Häuser anders ausfallen würde“, so die Aussage der Pastorin.
Grundsätzlich, und das strahlte die Pastorin beim Frauenfrühstück im Gemeinderaum auch aus, gibt ihr die Arbeit in den Asklepios-Kliniken genauso viel zurück, wie sie hineinsteckt. „Viele eigene Probleme relativieren sich, erlebt man, mit welchen Schicksale andere Familien und Menschen zu kämpfen haben. Zudem ist die Seelsorge eine urchristliche Aufgabe und wichtiger Bestandteil meiner gesamten Arbeit“, sagt Claudia Falkenreck-Wünsche.
Das Thema beim ersten Frauenfrühstück im neuen Jahr war mit Sicherheit kein leicht verdauliches. Doch mit der großen Empathie, mit der Falkenreck-Wünsche ihren Vortrag hielt, war es zuweilen nicht nur sehr erkenntnisreich sondern auch unterhaltsam.