„Hartstein-Reserve“ für den Straßenbau

Der CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Götz spendierte Kuchen und informierte über Steinbruch-Pläne am Krautliet.
 
Ein kritisches und gut informiertes Publikum: Die Mitglieder des Harzklub-Zweigvereins Neuekrug-Hahausen.

HZV Neuekrug-Hahausen erörtert möglichen Steinabbau am Krautliet mit MdL Rudolf Götz

Dass die Harzklub-Zweigvereine nicht nur eine Ansammlung wanderfreudiger Senioren sind, sondern sich auch für den Schutz und Erhalt der Natur stark machen, bewies am Donnerstag der Harzklub-Zweigverein Neuekrug-Hahausen. Im Café Harzblick der kleinen Gemeinde ließen sich die Vereinsmitglieder von dem CDU-Landtagsabgeordneten Rudolf Götz über den aktuellen Stand eines möglichen Steinbruchs am Krautliet informieren.
Dieses Thema erhitzt schon seit geraumer Zeit die Gemüter der Harzklub-Mitglieder, da sie fürchten, dass die Natur durch die Eröffnung eines Steinbruchs nachhaltig beschädigt wird, und der Abbau-Lärm und Lkw-Verkehr die Ruhe stört.
Rudolf Götz erklärte den zahlreichen Teilnehmern der Informationsveranstaltung, dass die Hartsteinindustrie an das Land Niedersachsen herangetreten ist, damit ermittelt wird, in welchen Bereichen des Landes, brauchbare Abbaugebiete liegen. Im Zuge dieser Suche wurden auch am Krautliet bei Hahausen Probebohrungen durchgeführt. Diese lieferten als Ergebnis, dass 80 Prozent der dortigen Vorkommen für die Hartsteinindustrie nutzbar sind. Im Landes-Raumordnungsprogramm wurde der Bereich dann als so- genanntes Vorranggebiet für den Gesteinsabbau vermerkt. Das heißt zunächst nichts weiter, als dass dort keine anderweitigen Nutzungsmodelle vorangetrieben werden dürfen. Das Land behält sich also vor, den Bereich am Krautliet als eine Art „Hartstein-Reserve“ in der Hinterhand zu behalten.
Hartgestein wird vorrangig für den Ausbau der Infrastruktur benötigt. Es wird beim Bau von Straßen eingesetzt, hat aber beispielsweise auch Bedeutung für den Küstenschutz. Rudolf Götz machte in seinen gut 30-minütigen Ausführungen deutlich, dass eine Industrienation wie die Bundesrepublik Deutschland auf eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur angewiesen ist, und für diesen Zweck Material benötigt. „Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, Hartgestein aus anderen Ländern zu importieren. Das verursacht jedoch hohe Kosten, die auch den Ausbau der Infrastruktur verteuern. Deshalb ist es wichtig, dass die Ressourcen vor der eigenen Haustür nutzbar gemacht werden können“, so Götz.
Diese Aussage unterstrich der Engeläder Berufspolitiker zudem mit dem Hinweis auf die Historie des Harzes: „Der Harz war schon immer industriell geprägt. Die Menschen haben sich hier niedergelassen, weil sie die natürlichen Vorkommnisse der Region gewinnbringend ausbeuten konnten“. „Dies“, so Götz weiter, „ist eine Tatsache, die auch bei einem möglichen Gesteinsabbau am Krautliet Berücksichtigung finden muss.“
Um den Steinabbau bei Hahausen zu ermöglichen, wären jedoch zunächst Investitionen in Höhe von 25 Millionen Euro notwendig. „Eine Summe“, so der Landtagsabgeordnete, „die eine gewaltige Hürde darstellt“.
Diese Meinung teilten seine Zuhörer jedoch nicht. Die Harzklubler äußerten die Ansicht, dass eine Summe von 25 Millionen Euro im Bereich des Bergbaus „ein Witz“ seien. Ein potenzieller Investor, der mit dem Gesteinsabbau am Krautliet, die Aussicht auf saftige Gewinne verbindet, ließe sich nicht von dieser Investition abschrecken. Dies lasse sich schon allein mit dem unternehmerischen Risiko plausibel erklären.
Darauf erwiderte Götz, dass, sollte sich ein Interesent finden, der auch bereit ist die kolportierte Investitionssumme aufzubringen, noch weitere Hürden überwunden werden müssen. So ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend vorgeschrieben. Dies kann sich, so skizzierte es Götz, über Jahre hinziehen.
Die Tatsache, dass sich der potenzielle Steinbruch in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, ist kein wirkliches Hindernis. „Eine Entlassung aus dem Landschaftsschutzgesetz ist möglich“, sagt Götz.
Dennoch machte sich unlängst der Landkreis Goslar in einer Stellungnahme stark für den Erhalt der Natur am Krautliet. Die Verantwortlichen erklärten, dass die Natur schutzwürdig ist und erhalten werden muss. Die Landesforsten als Eigentümer sehen das anders. „Ein möglicher Steinbruch“, so aus Kreisen der Landesforsten, „ist ein Segen für einen Waldbesitzer. Das bringt jede Menge Geld.“

Landesraumordnungsprogramm
Das Landes-Raumordnungsprogramm ist der Raumordnungsplan für das Land Niedersachsen. Das Landes-Raumordnungsprogramm in der jetzigen Fassung basiert auf einer Verordnung aus dem Jahre 1994. Es wurde seitdem mehrfach aktualisiert, im Jahr 2007/2008 grundlegend novelliert und in 2011/2012 fortgeschrieben. Die aktuelle Fassung der LROP-Änderungsverordnung ist seit dem 3. Oktober 2012 wirksam. Mit verbindlichen Aussagen zu raumbedeutsamen Nutzungen (Siedlung, Verkehrswege, Rohstoffgewinnung und anderem) und deren Entwicklungen dient das Landes-Raumordnungsprogramm dazu, die oftmals widerstreitenden wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Interessen an den Raum aufeinander abzustimmen. Es stellt so die planerische Konzeption für eine zukunftsfähige Landesentwicklung dar.