Sigmar Gabriel besucht Hahäuser Kindergarten

Bundestagsabgeordneter Sigmar Gabriel, Ortsbürgermeister Henry Hoffmeister, SG-Bürgermeister Peter Kühlewindt, Kirchvorstand Siegfried Herzog und Kiga-Ausschussmitglied Klaus-Dirk Schumann (von links).

Bundestagsabgeordneter widmet sich drängenden Fragen der Einrichtung

Bundestagsabgeordneter und Bundesvorsitzender der SPD, Sigmar Gabriel besuchte gestern den evangelischen Kindergarten St. Romanus in Hahausen um mit der Kindergartenleitung, den Elternvertretern, Repräsentanten der Kirche und den Kommunalpolitikern über die zukünftige Ausrichtung der Einrichtung zu sprechen.

Von Maximilian Strache

Hahausen. Das rund einstündige Gespräch drehte sich im Kern um die Frage, „Warum ist es nicht selbstverständlich, dass alle Kinder mit sprachlichen und / oder motorischen Auffälligkeiten von Therapeuten in unserer Einrichtung gefördert werden können?“
Zum Hintergrund: Der Hahäuser Kindergarten hat eine sogenannte integrative Gruppe. Das heißt, dass in dieser Gruppe Kinder mit ärztlich diagnostizierten Entwicklungsverzögerungen eine auf ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmte Betreuung erhalten. Teil dieser Betreuung sind seit längerem Logo- und Ergotherapien, die von der Logopädin Susanne von der Ehe und ihrem Team vor Ort durchgeführt werden. Nun stellen jedoch die Pädagoginnen vor Ort – federführend die Kindergartenleiterin Else Eilers und die Heilpädagogin Dagmar Altmann – fest, dass bei vielen Kindern ein solcher Therapiebedarf vorliegt. Das Problem in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass diese Kinder nicht in der Einrichtung, also dem Hahäuser Kindergarten, therapiert werden dürfen. Grund dafür ist, so Dieter Kaiser (Geschäftsführer der Geschäftsstelle der Barmer GEK Goslar), dass die Heilmittelverordnung dies verbietet. Kinder, die auch als sogenannte „Regelkinder“ bezeichnet werden, können zwar Sprach und Bewegungsförderung erhalten, dürfen jedoch nicht zu Hause oder in einem Kindergarten therapiert werden. Diese Kinder müssen den Therapeuten in seiner Praxis aufsuchen.
Ein Umstand, der für das Team des Hahäuser Kindergartens unverständlich ist. „Wir sehen hier täglich, dass Kinder dringend professionelle Förderung benötigen. Doch uns sind von Seiten des Gesetzgebers die Hände gebunden“, sagt Else Eilers. Als Vorteile der Therapie im Kindergarten hat die Elternvertreterin Natalie Schilling einleuchtende Argumente parat. „Eine Therapie im Kindergarten hat vielfältige Vorteile. In einer Praxis sind die Kinder mit einer neuen Umgebung konfrontiert und müssen sich erst in einem langwierigen Prozess eingewöhnen. Den Kindergarten kennen sie. Hier fühlen sie sich sicher und geborgen.“
Ein Argument, dass auch Sigmar Gabriel einleuchtet. Dennoch sieht der Berufspolitiker Probleme, die mit einer Lockerung der Heilmittelverordnung in diesem Punkt zusammenhängen. „Die Krankenkassen sprechen in diesem Fall von einer Angebots induzierten Mengenausweitung“, so der SPD-Parteivorsitzende. Soll heißen, es besteht die Gefahr, dass viele Eltern dieses Angebot wahrnehmen würden, weil für sie damit keine weiteren Aufgaben verbunden sind. Fahrten zum Therapeuten fielen beispielsweise weg. Ferner würden auch die Ärzte ihr Budget ausweiten müssen. Denn die Anwesenheit einer Therapeutin im Kindergarten setzt im Vorfeld einen vom Arzt diagnostizierten Therapiebedarf voraus.
Gabriel sieht bei diesem Thema dennoch politischen Handlungsbedarf. „Das Parlament muss sich mit einer Veränderung der Heilmittelrichtlinien befassen“, erläutert der Bundestagsabgeordnete. Samtgemeinde Bürgermeister Peter Kühlewindt sieht noch weiteren Handlungsbedarf in Bezug auf Entwicklungsverzögerungen bei Kindern. „Der Bedarf an einer breiten Grundversorgung ist sehr groß. Es muss gewährleistet sein, dass alle Kinder potenziell in den Genuss von Förderung kommen können“, so der Verwaltungschef der SG Lutter. Gabriel sagt, dass er die Anliegen des Kindergartens, also die Möglichkeit die Therapie der Kinder in der Einrichtung durchführen zu können, in den Bundestag und in die zuständigen Ausschüsse einbringen wird. Ein Vorhaben, das vor allem bei Pfarrer Martin Stützer, Else Eilers, Ortsbürgermeister Henri Hoffmeister und Klaus-Dirk Schumann (Kirchenvorstand) großen Anklang findet.