Guter Zuckergehalt, schlechterer Ertrag

Vorsitzender Ralf Tegtmeyer aus Hary zog Bilanz.

Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen-Mitte zog Bilanz

Veränderte Rahmenbedingungen in der Europäischen Union setzen die Rübenanbauer ab 2017 stärkeren Marktschwankungen aus. Der Zuckerrübenanbauerverband werde als Vertreter der Rübenanbauer gegenüber Nordzucker einen Weg finden, der auch zukünftig einen erfolgreichen Zuckerrübenanbau ermögliche.

Der Vorsitzende des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte e.V., Ralf Tegtmeyer aus Hary, stellt fest: „Unsere Landwirte haben sich vor einigen Jahren aktiv für den Rübenanbau entschieden und bauen engagiert und erfolgreich Zuckerrüben für Nordzucker an. Wir wollen, dass dies weiterhin möglich ist.“ Dazu gehöre, dass Nordzucker allen Mitgliedern auch weiterhin eine Perspektive im Rübenanbau biete.
Tegtmeyer äußerte sich anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes vor etwa 200 Mitgliedern und Gästen in Peine. Der Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen-Mitte e.V. vertritt rund 2500 Zuckerrübenanbauer im Einzugsbereich der Zuckerfabriken Clauen, Nordstemmen und Schladen mit einer Rübenanbaufläche von etwa 42.000 Hektar.
Die Landwirte fahren in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Rübenernte ein. Während der Zuckergehalt mit rund 18 Prozent zufriedenstellend sei, fehle es an Rübenertrag. Tegtmeyer stellt fest: „Nach zwei hervorragenden Rübenjahren in Folge rechnen wir in diesem Jahr mit einem Zuckerertrag von etwa zehn Prozent unter dem Durchschnitt.“ Die niedrigen Erträge sind wohl die Folge einer sehr späten Aussaat und der sehr nassen Bodenbedingungen mit teilweiser Überflutung Ende Mai. Im Sommer hat die langanhaltende Trockenheit zu unterdurchschnittlichem Wachstum geführt. „Mit diesen Ertragsschwankungen müssen wir Landwirte aber leben, denn wir wirtschaften unter freiem Himmel“, ergänzte Tegtmeyer. Positiv sind dagegen die Preisaussichten. Tegtmeyer: „Zucker sowie die Futtermittel aus Rüben zeigen gute Preise, so dass mit rentablen Rübenpreisen zu rechnen ist.“
Wertvoll war, dass Nordzucker den Beginn der Rübenverarbeitung auf Ende September geschoben habe, damit die Rüben so lange wie möglich wachsen konnten. Bisher haben die Zuckerfabriken im Verbandsgebiet durchweg auf hohem Niveau verarbeitet und die Rübenanbauer hoffen, dass dies auch bis zum Ende der Kampagne so bleibt. Die Rüben lagern teilweise noch bis Anfang Januar am Feldrand, bis sie in der Zuckerfabrik verarbeitet werden.
Einen Rückblick zur Verbandsarbeit gab der Geschäftsführer des Verbandes Dr. Clemens Becker, Hildesheim. Dazu gehören beispielsweise die Kontrollen auf den Rübenhöfen bei der Bewertung der angelieferten Zuckerrüben und das Angebot von Informationsveranstaltungen für die Rübenanbauer. Viel Arbeit investierte der Verband auch in die Prüfung von weiterentwickelter Erntetechnik. Außerdem wurde die gesamte Logistikkette von der Ernte, über die Lagerung bis zur Verladung auf Verlustquellen durchleuchtet. Becker beschreibt als wichtiges Ziel: „Wir wollen den gewachsenen Zuckerertrag mit möglichst geringen Ernte- und Lagerverlusten erfolgreich vermarkten.“ Bei den Wahlen wurden die Herren Jan-Hendrik Bues (Klein Denkte), Burkhard Köhler (Ohlendorf), Christian Reimann (Peine) und Maik Wiedemann (Bettmar) in ihrem Amt als Vorstandsmitglied bestätigt. Zum Kassenprüfer wählten die Verbandsmitglieder Carsten Fricke (Schwüblingsen).
Das bisherige Vorstandsmitglied Heinz-Jürgen Ahrens (Walsrode) schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus, um einem jüngeren Mitglied die Mitarbeit im Vorstand zu ermöglichen. Der Verbandsvorsitzende Ralf Tegtmeyer bedankte sich bei Heinz-Jürgen Ahrens für 17 Jahre engagierte Verbandsarbeit im Sinne der Rübenanbauer. Neu in den Vorstand wurde Mario Nebel-Engehausen gewählt. Der 44-jährige Landwirt bewirtschaftet einen Betrieb in Stöckendrebber im Aller-Leine-Tal zwischen Hannover und Walsrode.
Einen aktuellen Gastvortrag hielt Raphael Albrecht vom Institut für Betriebswirtschaft des Thünen-Instituts in Braunschweig zur Wettbewerbsfähigkeit des norddeutschen Zuckerrübenanbaus. Im Vergleich mit verschiedenen europäischen Rübenanbauregionen wie Rheinland, Süd-West-Holland oder England schneidet die Hildesheimer Börde mit den angrenzenden intensiven Ackerbaustandorten insgesamt positiv ab. Albrecht geht aufgrund der guten natürlichen Voraussetzungen davon aus, dass der Zuckerrübenanbau in der Region auch langfristig eine bedeutende Stellung einnehmen wird. Ob dies dazu führen wird, dass der Rübenanbau langfristig rentabel ausgeweitet werden könne oder die Rübenproduktion auf dem jetzigen Niveau verbleibe sei derzeit noch nicht abzuschätzen.