Aus für den Herrhäuser Fußball

Ein Bild, das es so zumindest in näherer Zukunft beim TSV Herrhausen nicht mehr geben wird. Die letzte verbliebene Fußballmannschaft des TSV wurde vor Kurzem vom Spielbetrieb abgemeldet.

SG-Mannschaft wurde vom Spielbetrieb abgemeldet

Das Kapitel „Fußball“ beim TSV Herrhausen ist, zumindest vorerst, beendet. Am 7. November dieses Jahres mussten die Verantwortlichen ihre Fußballherren vom Spielbetrieb der 2. Nordharzklasse abmelden. Seit rund eineinhalb Jahren bestand bereits eine Spielgemeinschaft mit der ehemaligen 2. Herren des TSV Münchehof. Und die Zusammenarbeit lief zunächst auch gut. Auf Anhieb wurde der Aufstieg aus der 3. Nordharzliga geschafft. Doch nun machte der Mannschaft ein akuter Spielermangel Probleme. Drei Partien mussten bereits abgesagt werden. Es standen einfach nicht genügend Spieler zur Verfügung. In Absprache mit dem Partner vom TSV Münchehof wurde daher der Antrag auf Abmeldung vom Spielbetrieb beim NFV-Kreis Nordharz eingereicht.
Die Münchehöfer können die Abmeldung der SG sicher leichter verkraften als der Herrhäuser Sportverein. Denn: Auf dem Münchehofer Sportplatz gibt es weiterhin Fußball zu sehen – in Herrhausen dagegen endet die fast 70-jährige Ära des Fußballsportes nun, zumindest vorerst. Die Tendenz ist bereits in den letzten Jahren sichtbar geworden. Und das nicht nur in Herrhausen.

Zum Aus der Herrhäuser Fußballabteilung schreibt Frank Decker:
Nahezu jeden Fußballer der Region hat es entsetzt, als der VfL Seesen sich aus dem Fußballgeschehen zurückziehen musste. Und ohne hier jemandem zu nahe treten zu wollen, aber unser derzeitiger Kernstadtfußball lockt auch nicht unbedingt gefüllte Fanbusse nach Seesen. Eine traurige Entwicklung, die vermutlich nicht zu stoppen ist. Trotz Weltmeistertitel – Fußball ist uninteressanter geworden. Zumindest für die kleinen Vereine!
Früher gab es zwei Herrenmannschaften und eine „Alte Herren“ in Herrhausen. Und es waren fast alle Jugendspielklassen besetzt. Ohne Mitglied einer JSG zu sein(!). Heute schafft es die JSG Seesen-Süd nicht einmal, alle Altersspielklassen zu besetzen. Und das aus vier Dörfern (Münchehof, Kirchberg, Ildehausen und Herrhausen)!
Genug „Potenzial“ wäre vorhanden. Aber es fehlt oftmals die Lust! Die Lust auf Betreuung einer solchen Rasselbande. Die Lust der Eltern, ihre viel umsorgten Sprösslinge jeden zweiten Samstag durch den Landkreis zu chauffieren. Und nicht zuletzt die Lust der Kinder und Jugendlichen selbst! Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind riesig. Zur Not auch vorm PC, im warmen Kämmerlein – mindert zumindest das Verletzungsrisiko und die Gefahr des dreckig Werdens ungemein!
Aber nicht nur die Gesamtgesellschaft macht gerade einen Wandel durch. Auch persönliche Einstellungen zu dem Verein für den man das Trikot trägt, haben sich mächtig ins Negative gewandelt. Wenn man nicht gerade Geld für sein Hobby Fußball erhalten hat, so herrschte früher die Meinung vor: „Den Sportplatz meines Vereins verlasse ich nur für ein Auswärtsspiel!“ Heute spielen die Herrhäuser in Engelade, die Engeläder in Münchehof, die Seesener in Rhüden und so weiter und so fort. Verbundenheit zum eigenen Dorfverein? Fehlanzeige! Verbundenheit zum eigenen Dorf? Grenzwertig! Aber immerhin spielen sie überhaupt!
Nun geht es wohl zunächst den kleinen Vereinen an den sprichwörtlichen Kragen. Aber ich wage mal zu behaupten, dass mit „uns“, noch lange nicht Schluss ist. Leider! Und die Generation meiner Eltern oder gar Großeltern verstehen die ganze Entwicklung schon gar nicht. Tradition stirbt – und das bezieht sich leider nicht nur auf so „unwichtige“ Dinge wie Fußball! Gerade in den Dörfern merkt man das immer wieder deutlich, denn auch andere „unspektakuläre“ Aktivitäten leiden unter dieser Entwicklung. Auch etliche Feuerwehren und Gesang-/Musikvereine gehen wohl schweren Zeiten entgegen. Schade eigentlich.