Alkoholprobleme in der Familie

Besprechung der Akte eines Patienten: Dr. med. Iris Messerschmidt (rechts), Fachärztin für Innere Medizin, Suchttherapie und Rettungsmedizin und die Suchttherapeutin VDR Mayra Signore, Dipl. Sozialarbeiterin/ Sozialpädagogin FH im Stationszimmer des Qualifizierten Alkoholentzuges im AMEOS Klinikum Alfeld

AMEOS Klinikum Alfeld holt Angehörige in den Blickpunkt / Pro Alkoholabhängigem sind drei Angehörige betroffen

Das Zusammenleben mit Alkoholabhängigen wird oft von deren Stimmungsschwankungen, Heimlichkeiten oder Desinteresse geprägt. Häufige Auseinandersetzungen in den Familien sind die Folge. Aber es gibt auch Anlaufstellen, in denen Angehörigen geholfen wird. Das AMEOS Klinikum Alfeld gehört dazu.

Während nach dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2013 etwa 1,3 Millionen Bundesbürger alkoholkrank sind, überschreiten 9,5 Millionen die empfohlene Konsummenge. Auch im internationalen Vergleich stellt die Alkoholmenge von umgerechnet jährlich 9,6 Liter reinen Alkohols pro Einwohner einen hohen Wert dar.
Dabei ist der Konsum alkoholischer Getränke in Deutschland alltäglich. In der Gesellschaft anerkannt, werden „rituell“ zu vielen Gelegenheiten Bier oder Schaps, Wein oder alkoholische Mixgetränke getrunken. „Der Übergang zwischen riskantem und abhängigem Konsum ist fließend“, sagt Dr. Iris Messerschmidt, Fachärztin für Innere Medizin und Suchttherapie im AMEOS Klinikum Alfeld. Eine Suchtproblematik entwickele sich in der Regel über viele Jahre.
„Die Alkoholabhängigkeit eines Menschen betrifft nicht nur ihn allein, sondern immer auch sein soziales Umfeld“, ergänzt Mayra Signore, Suchttherapeutin und Sozialarbeiterin am Alfelder Klinikum. Immer sei die Familie mitbetroffen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm geht davon aus, dass zu jedem Alkoholabhängigen schätzungsweise drei Angehörige zu zählen sind.
Angehörige fragen sich mit der Zeit zunehmend: Was kann ich tun, damit er oder sie nicht mehr weiter trinkt? Wie verheimliche ich unser Problem vor Nachbarn, Freunden und Kollegen? Was machen wir, wenn er oder sie die Arbeit verliert? Wo hat er oder sie noch Alkohol versteckt?
Zu den Sorgen um die Gesundheit des Trinkenden kommen Hilflosigkeit, Überforderung und eine fortschreitende Vereinsamung. Die Folgen der ständigen Überlastung und des kräftezehrenden Kampfes um den Alkoholkonsum des Betroffenen führen Angehörige oftmals selbst in Krankheiten wie Depressionen, verschiedenen psychosomatische Erkrankungen oder letztlich in eine eigene Abhängigkeitserkrankung.
Der wichtigste Schritt, den Angehörige tun können, ist die Verantwortung für das eigene Leben wieder zu übernehmen. „Es ist mittlerweile unbestritten, dass Angehörige alkoholkranker Menschen häufig Unterstützung brauchen, um die eigene Kraft zu erhalten und nicht selbst zu erkranken“, so Mayra Signore. Auch Angehörige haben ein Recht auf Hilfe. In Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen können sie sich informieren, austauschen und beraten lassen,
Angehörige leben zumeist schon mehrere Jahre in der belasteten Familiensituation, bevor sie selbst Hilfe suchen. Erfolglose Bemühungen um den Betroffenen haben unter diesen Bedingungen sehr viel Kraft gekostet. Die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe bedeutet, aktiv zu werden und die eigene Lebenssituation, die des Betroffenen und der Familie, zum Besseren hin zu wenden.

Kontaktadressen

AMEOS Klinikum Alfeld, Qualifizierter Alkoholentzug in der Inneren Medizin, Landrat-Beushausen-Straße 26, Alfeld, Telefonnummer: (05181) 7079387
Verantwortliche Oberärztin: Dr. med. Iris Messerschmidt, Fachärztin für Innere Medizin, Suchttherapie und Rettungsmedizin
Suchttherapeutin VDR: Mayra Signore, Diplom Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin FH

Suchthilfe Caritas, Angehörigenberatung, Pfaffenstieg 12, Hildesheim, Telefonnummer: (05121) 1677230
Suchtberatung Alfeld, Brunnenweg 9, Alfeld, Telefonnummer (05181) 828966
Sucht- und Drogenberatung Diakonie, Münsterkirchweg 10, Hameln, Tel.: (05151) 7667

Selbsthilfegruppen:
Al-Anon, Kaiserstraße 80, Hameln, Treffen: donnerstags, 19.30 Uhr
Kreuzbund Hildesheim, Berliner Allee, Hildesheim, Telefonnummer: (05121) 167730
USSG Brüggen, Kirchstr. 18, Brüggen, Telefonnummer: 0160/1029394
AWO, Heinzestraße 38, Alfeld, Telefonnummer: 0160/5246934