Ein Rück- und Ausblick bei der 50. Sitzung

Voller Tatendrang seit 50 Sitzungen: Der Kulturbeirat des Landkreises tagt im Kulturbrunnen zu Algermissen. Stehend in der Mitte der Bockenemer Vorsitzende Claus-Ulrich Heinke.

Kulturbeirat des Landkreises hat im vergangenen Jahrzehnt viel erreicht / Auch überregional zur Kenntnis genommen

Da staunten die Mitglieder des Kulturbeirates des Landkreises Hildesheim nicht schlecht, als sie die Einladung zu dem für Mai verabredeten Treffen bekamen: „50. Kulturbeirats-Sitzung“ stand da Schwarz auf Weiß. „Dieses Datum können wir nicht einfach so vorbeigehen lassen“, waren sich der Bockenemer Vorsitzende Claus-Ulrich Heinke und der Leiter des Kulturbüros, Hans-Jürgen Driemel, einig.

Das sollte schon eine besondere Sitzung werden. Da traf es sich gut, dass den Mitgliedern des Beirates kurz vorher klar geworden war: nach nunmehr zwölf Jahren ist die Zeit reif für eine kritische Rückschau und Überprüfung derzeitiger und künftiger Planungsziele. Auslöser war das Unbehagen, welches den Beirat beim Bestreben beschlich, die Kriterien für die kulturelle Förderpraxis des Landkreises einer Überprüfung zu unterziehen.
Zwar stellt die jährliche Beratung über die zahlreichen Förderanträge nur einen Bruchteil der Aufgaben dar, die der Kreistag dem Kulturbeirat bei seiner Gründung mit auf den Weg gegeben hat „Aber gerade, wenn es ums Geld geht, kommt immer wieder die Tauglichkeit der von uns selbst formulierten Förderkriterien auf den Prüfstand. Wir wurden damit immer unzufriedener und haben uns gefragt, ob bei der Erarbeitung von Förderempfehlungen nicht neue Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssten. Zumal sich die kulturelle Szenerie innerhalb des vergangenen Jahrzehnts doch sehr verändert hat“, stellt Kristina Osmers, stellvertretende Vorsitzende, fest. Man merkte aber schnell: will man neue Entscheidungshilfen formulieren, muss man unter Umständen auch die Grundlagen bisheriger Denkgewohnheiten in Frage stellen. Und dazu sollte nun die 50. Sitzung dienen. So hieß es dann in der Einladung entsprechend „50 Sitzungen – und ein bisschen weiser?“
Passend zum Bestreben des Gremiums, anlässlich seiner Sitzungen immer wieder auch neue kulturelle Spielstätten kennenzulernen, hatte man sich diesmal an einem symbolträchtig lebensspendenden Ort getroffen – dem gerade eröffneten Algermissener Kulturbrunnen. Mit Niveau und klarer Sprache ging es dort zur Sache. Den Auftakt gab Dr. Götzky mit einem Rückblick auf zwölf Jahre Kulturbeirat. Ein wenig stolz waren die Beiratsmitglieder schon, als sie hörten, was sie alles in den Bereichen „Kultur und Wirtschaft“, „Kultur, Regionalmarketing und Tourismus“ sowie „Kultur und Regionalentwicklung“ bearbeitet und zum Teil auch auf den Weg gebracht hatten. Zu jedem dieser Hauptthemen gab es neben zahlreiche Treffen auch Workshops und Podiumsgespräche. Oft ließ sich der Kulturbeirat dabei auch von namhaften Fachleuten aus ganz Niedersachsen informieren und beraten.
„Landkreis Hildesheim – wo Kultur zu Hause ist“ – dieser Slogan könnte nicht zuletzt auch durch die Arbeit des Kulturbeirates zu einem Markenzeichen mausern und für einen Kulturentwicklungsprozess stehen, der auch überregional zunehmend aufmerksam zur Kenntnis genommen wird und dem Modellcharakter attestiert wird.
„Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Das Erreichte ist eine sehr gute Basis für die notwendige Weiterentwicklung“, so das Fazit der Kulturwissenschaftlerin Doreen Götzky. Dass Weiterentwicklung allerdings auch notwendig ist, zeigten dann die Themen und Fragen, die auf der Agenda der weiteren Beratung auftauchten. Schnell wurde den diskutierenden Mitgliedern des Beirates im Kulturbrunnen Algermissen klar, dass diese Fragen mehr als genug Stoff für weitere Diskussionen enthalten. So wird man sich am 10. Juli erneut treffen, um das Erörterte zu vertiefen.
Claus-Ulrich Heinke, seit Gründung des Beirates auch dessen Vorsitzender, erinnerte zum Schluss der Jubiläums-Konferenz an die lateinische Urbedeutung des Wortes „Kultur“, was laut Wikipedia so viel wie „pflegen, urbar machen und ausbilden“ bedeute. „Dem muss ich fast nichts hinzufügen,“ meinte er. „Außer vielleicht, dass hier auch die noch ältere indogermanische Bedeutung von ‘sich drehen und wenden’ mitschwinge. So hat die Kultur letztlich die Bedeutung von ‘emsig beschäftigt sein’. Wohl wahr! In diesem Sinne herzlichen Dank für zwölf Jahre tolle Arbeit, ein hohes Maß an Erkenntnisgewinn und Ermutigung für ein konstruktives Weitermachen!“