Hildesheimer Region ist schöner als Mallorca

Pressekonferenz im Atelier des Hildesheimer Künstlers Burkhard Aickele (links): Wilhelm Schröder von der Sparkasse Hildesheim, die das Projekt mit 2000 Euro fördert, Marion Schorrlepp, Sabine Zimmermann, Dorothee Lindemann vom Kulturbüro des Landkreises und Christoph Grasse stellten das Programm der Tage der offenen Ateliers vor. (Foto: bo)

Zum dritten Mal ermöglichen die Tage der offenen Ateliers Entdeckungen der besonderen Art

Hildesheim (bo). „Klar, Mallorca ist schön, aber die Hildesheimer Region ist vielleicht noch schöner“, sagt Sabine Zimmermann vom Netzwerk Kultur & Heimat Börde-Leinetal. „Es gibt so viele Perlen, und die gilt es zu entdecken.“ Am 13. und 14. August tritt das Netzwerk erneut zum Beweis an, wenn es zum dritten Mal die Tage der offenen Ateliers veranstaltet. Rund 100 Künstlerinnen und Künstler zwischen Mehrum im Norden und Bad Gandersheim im Süden öffnen ihre Türen und lassen sich bei der Arbeit über die Schultern schauen.
So vollmundig der Mallorca-Vergleich klingen mag: Viele der 3000 Besucherinnen und Besucher bei der Premiere im Jahr 2005 und 5000 Menschen bei der 2008er Zweitauflage werden ihn bestätigen. Der Reiz der Tage der offenen Ateliers besteht genau in dieser Kombination: neue Orte und neue Menschen kennenzulernen – und dabei hautnah die Kunst von Profis und leidenschaftlichen Laien zu erleben.
„Viele denken bei Kunst nur ans Malen“, sagt Projektleiter Christoph Grasse. Bei den Atelier-Tagen werden auch Skulpturen, Fotografien, Buchbinderei, Schmuck-, Schmiede- und Modekunstwerke präsentiert. „Es ist uns wichtig, dass wir eine große Bandbreite zeigen“, erläutert Christoph Grasse das Konzept. Dazu werden auch viele Workshops und Mitmachaktionen vor allem für Familien mit Kindern beitragen.
Es gibt ein paar Änderungen im Vergleich zum letzten Mal. Die wichtigste: Der Eintritt ist diesmal frei. Die Künstlerinnen und Künstler hatten es sich gewünscht. Denn 2008 sind sie so überrannt worden, dass sie überfordert damit waren, nebenher noch Eintrittsbänder zu verkaufen. Diesmal werden die Kosten in Höhe von 16.000 Euro komplett durch Sponsorengelder und Beiträge der Mitwirkenden getragen.
Die Orientierung zwischen den 78 Anlaufstellen in der Region – zum Teil haben sich Künstler/innen zu Ateliergemeinschaften zusammengeschlossen – verschafft wie gewohnt ein Faltplan, der ebenfalls kostenlos ist und ab Anfang Juli beim Landkreis, in Gemeindeverwaltungen, Tourist-Infos und an anderen wichtigen Stellen ausliegt. Er bietet eine Übersicht über alle Termine zwischen der Eröffnungsveranstaltung am 13. August um 9.30 Uhr im Sorsumer „Afrika Manyatta“ und der Abschlussveranstaltung am 19. August in Deilmissen, enthält Adressen und Kurzbeschreibungen zu allen Mitwirkenden, dazu Café- und Restaurant-Tips für die Reisenden. 15.000 Faltpläne werden gedruckt, damit alle Interessierten sich damit versorgen können, ausführlichere Infos zu den Künstler/innen finden sie im Internet auf der Homepage www.kulturium.de
Anders als bei den beiden Vorläufern, wird das Netzwerk für Kultur & Heimat diesmal keine Bustouren mit Kunst-Guides anbieten. Die meisten Besucherinnen und Besucher zögen es vor, flexibler zu sein und auf eigene Faust von Atelier zu Atelier zu reisen, so Geschäftsführerin Marion Schorrlepp. Die geführte Fahrrad-Tour des ADFC ist aber im Programm geblieben.
Zwei Tage offene Türen – hunderte von Menschen, die durchs Atelier oder auch die eigene Wohnung strömen. Das sei für eine Künstlerin ein absoluter Ausnahmezustand, erzählt Sabine Zimmermann, die vor drei Jahren selbst ausgestellt hat: „Ich bin förmlich überrannt worden und hatte am nächsten Tag Muskelschmerzen in den Oberschenkeln vom vielen Treppenlaufen.“ Der Hildesheimer Künstler Burkhard Aickele, der auch diesmal wieder dabei ist, bestätigt dieses Erlebnis: „Für mich ist das eine emotionale Explosion. Danach brauche ich erstmal Urlaub.“